Ab 2030 keine Luftreifen mehr für Kraftfahrzeuge

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Beinahe alle großen Reifenhersteller – Conti ist einer der wenigen, die sich eher noch zurückhalten – arbeiten an sogenannten Luftlosreifen. Hat man sich bisher immer die Frage gestellt, ob Entwicklungen wie beispielsweise Bridgestones „Air Free Concept”, Hankooks „iFlex”, Kumhos „Birth on Nature“ (BON), Michelins „Tweel”-Konzept bzw. das „Visionary Concept“ des französischen Konzerns, Toyos „Noair“ oder eine entsprechende Studie Yokohamas tatsächlich jemals ihren Weg auf öffentliche Straßen finden werden, so scheint diese nunmehr mit einem ganz klaren Ja beantwortet werden zu können oder sogar müssen. Denn nach der NEUE REIFENZEITUNG exklusiv vorliegenden Informationen wird in Regierungskreisen ernsthaft die Möglichkeit eines Verbotes von Luftreifen für Kraftfahrzeuge für die Zeit nach 2030 diskutiert.

Wie schon bei dem vor allem vonseiten der Grünen im Vorfeld der letzten Bundestagswahl geforderten Aus des Verbrennungsmotors ab besagtem Jahr, wird als Grund für das Ganze die Erfüllung der deutschen Klimaschutzziele bzw. die Reduzierung von verkehrsbedingten Kohlendioxidemissionen genannt. Dass bei alldem nun die Reifen statt des Fahrzeugantriebs in den Fokus gerückt sind, liegt jedoch nicht etwa die Erkenntnis zugrunde, dass Elektroautos unter Berücksichtigung der Produktion ihrer Batterien und der größtenteils eben noch nicht „grünen“ Erzeugung des Stroms für deren Aufladen gar nicht mal so im Vorteil sind, wie gemeinhin propagiert wird. Da hat eher vielleicht schon den Ausschlag gegeben, dass die Deutschen dem Elektroauto zwar zunehmend mehr Sympathien entgegenbringen, aber aufgrund noch nicht gelöster Probleme (Reichweite, Ladeinfrastruktur, Kosten etc.) mehrheitlich nach wie vor konventionelle Antriebe oder allenfalls Hybride bevorzugen.

Das hat wohl zu der Überlegung geführt, statt beim Motor lieber bei der Komponente anzusetzen, ohne die weder per Verbrennungs- noch Elektromotor angetriebene Fahrzeuge auch nur einen Meter weit kommen: der Bereifung. Schließlich sind es einzig die Reifen, die beim Beschleunigen, Bremsen oder bei der Kurvenfahrt sämtliche Kräfte übertragen. Jetzt wird sicher so mancher einwerfen, dass die Reifenhersteller gerade in Sachen Rollwiderstand und damit Kraftstoffeffizienz bzw. Kohlendioxideinsparung – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des 2012 eingeführten EU-Reifenlabels – durchaus schon einiges erreicht haben. Zudem sollen Reifendruckkontrollsysteme (RDKS) über die Gewährleistung eines stets optimalen Fülldrucks einen Beitrag zu mehr Effizienz leisten – selbst wenn unseres Wissens nach noch keine Studie eine Reduzierung der Kohlendioxidemissionen aufgrund der RDKS-Pflicht oder des Reifenlabelings tatsächlich nachgewiesen hätte.

Fragen über Fragen: Wird sich das Luftreifenverbot auch auf rein mit Muskelkraft angetriebene Fahrräder erstrecken oder nur auf solche mit einem (Elektro-)Zusatzmotor?

Einen entsprechenden Nachweis zu führen, dürfte ohnehin nicht allzu einfach sein. Allerdings hat NIRA Dynamics als Anbieter indirekter RDKS zuletzt eine Untersuchung präsentiert, wonach der Fülldruck bei Autos mit einem solchen System – unabhängig davon, ob direkt messend oder indirekt bzw. auf der ABS-Infrastruktur basierend – im Schnitt drei Prozent höher ist als bei solchen ohne. Gerade dieses Ergebnis hat nun aber ganz offensichtlich die Politik in Berlin aufgeschreckt und letztlich die Idee nach sich gezogen, luftlose Reifen zu forcieren. Denn einerseits scheinen drei Prozent auf den ersten Blick recht wenig, wenngleich NIRA selbst betont, dass die damit verbundene 0,3-prozentige Spriteinsparung auf die gesamte Pkw-Flotte der EU hochgerechnet einer jährlichen Kohlendioxideinsparung von 14,5 Millionen Tonnen entspricht. Andererseits gibt es allerdings bestimmt genug Autofahrer, die ein leuchtendes RDKS-Warnlämpchen im Cockpit ignorieren oder das System nicht richtig bedienen (falsche Sollwertvorgabe).

Besser wäre daher insofern, wenn es schon rein prinzipiell gar keine Abweichung vom Solldruck geben kann, weil ein Luftlostreifen per Definition nun eben einmal überhaupt nicht mit Luft befüllt ist. So offenbar die Überlegung vonseiten des Gesetzgebers, einen solchen Konzeptansatz zu forcieren. Ab dem 1. Januar 2030 sollen bei nach diesem Stichtag neu zugelassenen Kraftfahrzeugen jedenfalls nur noch luftlose Reifen montiert werden dürfen – auch später im Ersatzgeschäft. Was natürlich so einige Fragen aufwirft: Was machen unserer europäischen Nachbarn, die ihrerseits beim Verbot von Verbrennungsmotoren teilweise (Großbritannien, Frankreich) vorgeprescht sind? Zumal ohnehin eigentlich nur ein Luftreifenverbot für ganz Europa Sinn machen würde. Denn es ist schwerlich vorstellbar, dass Autos in dem einen Land so und im nächsten anders ausgeliefert werden. Und was wird dann aus RDKS? Die wären dann ja überflüssig bei luftlosen Reifen. Insofern wird die NEUE REIFENZEITUNG dranbleiben an dem Thema und weiter ausführlich dazu berichten. christian.marx@reifenpresse.de

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