Nicht ganz premium – Hankook-Reifen „eigentlich noch zu günstig“

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In den zurückliegenden Jahren ist der koreanische Hersteller Hankook Tires im europäischen Markt zunehmend präsenter geworden. Dies ist zurückzuführen nicht zuletzt auf das im Sommer 2007 in Betrieb genommene und seither stetig ausgebaute Reifenwerk in Ungarn, das Fußballsponsoring (Borussia Dortmund, Europa League) und das Motorsportengagement (DTM) des Unternehmens sowie auch immer mehr Erstausrüstungslieferungen seiner Produkte in Richtung renommierter Fahrzeughersteller wie beispielsweise Audi, BMW oder Mercedes-Benz. Trotzdem bzw. ungeachtet der dadurch gestiegenen Bekanntheit der Marke im hiesigen Markt fühlen sich die Koreaner selbst aber offensichtlich noch immer nicht so ganz und gar im Premiumsegment angekommen.

Was die Leistungsfähigkeit und die Qualität der eigenen Produkte angeht zwar schon, wie unlängst Jürgen Mahr, Leiter des Autohausgeschäftes bei der Hankook Reifen Deutschland GmbH, in einem Interview mit der Zeitschrift Kfz-Betrieb durchblicken ließ. Allerdings seien Hankook-Reifen „für ihre Qualität (…) eigentlich noch zu günstig“, hat er darüber hinaus dort zu Protokoll gegeben. Soll heißen: Eine Preispositionierung näher heran an Marken wie Conti, Michelin, Goodyear, Dunlop oder Pirelli, die zumindest aktuell beispielsweise das diesbezügliche Ranking bei Pkw-Winterreifen anführen, wäre dem Unternehmen wohl recht. Dieser Wunsch wird bei einer näheren Betrachtung des Preis-Leistungs-Verhältnisses einiger im deutschen Markt wichtiger Marken umso nachvollziehbarer. Setzt man die auf Daten vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) basierende Preispositionierung untereinander (teuerste Marke entspricht 100 Prozent) nämlich in Bezug zu den im Mittel bei den diesjährigen Winterreifentests gezeigten Leistungen (jeweils in Relation zu der auf 100 Prozent normierten Punktzahl/Wertung des Testsiegers), so offenbart dies in der Tat ein paar Kandidaten, die für das von ihnen Gezeigte ein wenig „neben der Spur“ liegen. Mit anderen Worten: Sie werden gemessen an den von ihnen eingefahrenen Testergebnissen eher zu teuer bzw. zu billig im Markt angeboten.

In erstere Kategorie zählen dabei Bridgestone und Michelin. Denn im einen Fall haben sich Winterreifen von Uniroyal und Vredestein auf vergleichbarem Leistungsniveau wie die der japanischen Marke präsentiert, aber dennoch lässt sie sich offenbar zu leicht höheren Preisen vermarkten als die Produkte der Wettbewerber. Das gilt analog für Michelin-Winterreifen, die trotz einer leicht schlechteren Testbilanz wie für die Modelle von Conti, Dunlop, Goodyear und Pirelli dennoch die nach Conti zweithöchsten Preise erzielen. In die andere Kategorie – also in diejenige von Produkten, die gemessen an ihrem Abschneiden bei den aktuellen Winterreifentests eigentlich zu billig sind – gehört demnach in der Tat vor allem Hankook: Denn während der preisliche Abschlag zur im Mittel teuersten Marke Continental bei rund 15 Prozent liegt, ist bezogen auf die Leistung der Abstand zu den beiden bei Tests vielfach erfolgreichen und daher diesbezüglich die Spitze markierenden Marken Conti bzw. Dunlop mit etwa fünf Prozent ungleich kleiner. Was aber, wenn es den Koreanern nun tatsächlich gelingt, auch preislich Anschluss an die Spitze zu finden? Würde dadurch nicht unweigerlich eine gewisse Lücke am bisher „angestammten“ Platz der Marke Hankook so irgendwo 15 Prozent unterhalb des Preisniveaus an der Spitze gerissen?

All dies wirft insofern ein Schlaglicht auf die für Anfang kommenden Jahres geplante Einführung der Zweitmarke Laufenn des Herstellers. Denn sie soll nicht wie so manche im Markt nur eine unter vielen und damit bis zu einem gewissen Grad austauschbar mit anderen sein, sondern mit ihr hat sich Hankook einiges vorgenommen. Wie dessen Europachef Ho-Youl Pae unlängst gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG unterstrich, soll Laufenn mehr sein als einfach ein weiterer Name auf der Seitenwand, als Marke „aufgebaut“ und letztlich globale Bedeutung für den Konzern erlangen sowie vor diesem Hintergrund mittels entsprechender Marketingmaßnahmen gepusht werden. Wie in diesem Zusammenhang das Magazin Auto Motor Zubehör (AMZ) ergänzend berichtet, strebt Hankook mit Blick auf die Marke Laufenn bis etwa zum Jahr 2020 nicht weniger als einen Marktanteil von weltweit rund ein Prozent an. Bei einem laut AMZ unter Berufung auf Unternehmensschätzungen in fünf Jahren ein Volumen rund zwei Milliarden Reifen erreichenden Weltmarkt entspräche diese ambitionierte Zielvorgabe immerhin nicht weniger als 20 Millionen Laufenn-Reifen. christian.marx@reifenpresse.de

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  1. […] nicht zuletzt um den eigenen Premiumanspruch weiter zu untermauern, engagiert sich Hankook als offizieller Hauptsponsor und exklusiver […]

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