Wie entwickelt sich das Onlinereifengeschäft mit dem Endverbraucher?

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Die Corona-Krise beschert dem Onlinehandel noch größere Wachstumsraten als das Geschäft mit dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen über das Internet in den zurückliegenden Jahren ohnehin schon hat verbuchen können. Aber gilt das auch rund um den Absatz von Reifen? Könnte man meinen, ist zuletzt doch sogar Goodyear in die Direktvermarktung über das Web eingestiegen. Oder ist die Sache bei den schwarzen Rundlingen aus Gummi doch eine völlig andere? Stand heute liegt besagter Vertriebskanal Stand jedenfalls weit hinter dem vor rund sieben Jahren für 2020 prognostizierten Marktanteil zurück. Aber wie geht es weiter? Was meinen Sie?

In der 2013 im Rahmen der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) vorgestellten Studie „Reifenfachhandel 2020 – Zukünftige Entwicklungstendenzen und Handlungsoptionen“ wurden drei verschiedene Szenarien vorgestellt, wie sich die Marktanteile der einzelnen Vertriebskanäle im Pkw-Reifenersatzgeschäft Handel an Verbraucher (Sell-out) zukünftig verändern könnten. Je nachdem, ob und wie andere Marktteilnehmer wie beispielsweise etwa Vertragswerkstätten/Autohäuser das Reifengeschäft forcieren oder eben auch nicht, wurde speziell für den Onlinereifenvertrieb hierzulande ein Anteil irgendwo zwischen 15 und 22 Prozent für jetzt noch laufende Jahr 2020 prognostiziert. Bewahrheiten wird sich das aber letztlich wohl nicht. Denn zumindest für 2019 hat der BRV diesbezüglich von gerade einmal acht Prozent berichtet, und eine annähernde Verdopplung nur ein Jahr später dürfte selbst angesichts Corona eher unwahrscheinlich sein.

Zumal sich zwischenzeitlich gezeigt hat, dass sich ähnlich ambitionierte Zielsetzungen wie die 2014 vom Internetreifenhändler Delticom anvisierte Umsatzverdopplung von damals leicht mehr als 500 Millionen Euro binnen fünf Jahren auf über eine Milliarde Euro zwischenzeitlich als Makulatur erwiesen hat – 2019 wurden knapp 626 Millionen Euro erlöst – genauso wie das von ihm für „viel früher“ als 2020 erwartete Erreichen eines 20-prozentigen Marktanteils für den Onlinereifenhandel. Vor diesem Hintergrund dürfte zudem nachvollziehbar sein, warum durchaus bekannte Webshops wie unter anderem Fritzreifen oder Popgom ihren Betrieb hierzulande zwischenzeitlich eingestellt haben. Die Bäume scheinen selbst im Onlinehandel also nicht in den Himmel zu wachsen. Das wird unmittelbar die Frage danach auf, was diesbezüglich wohl für dieses und die kommenden Jahre zu erwarten sein wird. Sagen sie uns Ihre Meinung dazu: Denn darum dreht sich die aktuelle Frage des Monats auf den Webseiten der NEUE REIFENZEITUNG. christian.marx@reifenpresse.de

4 Kommentare
  1. FutureConsult says:

    Ganz klar, der Onlinehandel wird weiter wachsen
    und die Reifenhändler werden sich noch verstärkter zum Montagedienstleister entwickeln (müssen).
    Industrien, die den Weg der Direktvermarktung gehen, checken erstmal die gesamten Möglichkeiten sowie die Stückzahl-und Ertragsrichtung.
    Sie wollen sehen, wie der Handel reagiert und werden dann ihren kostengünstigen Vertriebskanal step by step weiter ausbauen.
    Jede Handelsstufe weniger, die sich am Kuchen bedient, macht das Stück größer und den Bäcker satter.

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  2. Frank Wenzel says:

    Ich denke der Online-Reifenhandel hat seinen Zentith bereits erreicht und wird nicht mehr nenneswert wachsen. Dazu werden auch steigende Transportkosten und eine fehlende Akzeptanz seitens der Montagepartner betragen. Deutschland ist ein Servicemarkt und den können Onlinehändler im Gegensatz von Reifenhändlern und Autohäusern vor Ort nun mal nicht liefern. Darüber hinaus wird ein Großteil der PKW-Reifen an gewerbliche Kunden geliefert, die brauchen einen Ansprechpartner vor Ort. Ein weiterer großer Abnehmerkreis sind die großen Leasingnehmer wie Leaseplan, Sixt, ALD usw., die großen Wert auf Reifeneinlagerungen und automatisierten Freigabe- und Rechnungsläufe legen. Ich denke, das sich der Onlinehandel nach einer weiteren Bereinigung der Marktteilnehmer dauerhaft bei 8-10% Marktanteil einpendeln wird.

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  3. Matthias Hohmann says:

    Der Online Handel ist ein Teil des Marktes. Die Chancen das er noch viel größer wird sehe ich nicht. Wenn Wir es nüchtern betrachten, die Werkstattauslastung während der Saison liegt bei 100%, Monteure zu bekommen ist so gut wie Aussichtslos. Warum sollten Wir als Werkstätten uns noch schlecht bezahlte Arbeit antun? Wenn Wir unser Werkstattkosten auf Fremdmontagen umlegen, dann kommt der Sparsame Inet Käufer sowieso nicht zu uns.
    Wer hat den schonmal sein Schnitzel in die Gaststätte mitgebracht, und dem Gastronomen gesagt, mach mir das günstig in Deiner Pfanne und lass es durch Dein Personal servieren…?
    Es steht jedem Frei, mitgebrachte Reifen zu montieren. Aber bei den aktuellen Vorlaufzeiten und dem akuten Mangel an Personal, warum sollten wir das tun?
    Ich sehe kein großes Wachstumspotential im Online Handel, da es immer weniger Qualifizierte Werkstätten gibt, und die vorhandenen mit Arbeit gut ausgelastet sind.

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  1. […] der Anteil der online vom Handel im sogenannten Sell-out abgesetzten Reifen unverändert auf einem Niveau von zuletzt um die zehn Prozent bzw. knapp darunter verharren wird, während die restlichen 18 Prozent sogar eine eher rückläufige Entwicklung […]

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