AMS-Sommerreifentest: „Pilot Sport 4“ verteidigt Titel – rote Laterne für „Ultrac Vorti“

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Nach einem Doppelsieg beim kombinierten Sommer- und Ganzjahresreifentest der Autozeitung für die Größe 225/45 R17 91/94 W/Y sowie dem Sieg beim ADAC-Sommerreifenvergleich in der Dimension 205/55 R16 V kann man sich bei Michelin nun über einen weiteren Erfolg freuen. Denn der „Pilot Sport 4“ des französischen Herstellers hat bei Auto Motor und Sport (AMS), wo man aktuell Reifen der Größe 225/45 R17 94Y für die wärmeren Monate des Jahres montiert an einem Audi A3 unter die Lupe genommen hat, die Nase vorn und damit seinen Titel als Sieger beim Vorjahrestest des Magazins erfolgreich verteidigt. Dabei ist er mit einem vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) ermittelten Preis in Höhe von 131 Euro zugleich der teuerste Reifen im Vergleich, während für den billigsten unter ihnen (Nankangs „Sportnex AS-2“) demnach gerade einmal 74 Euro zu berappen sind. Was den Besten im Test von den Letzten im Ranking unterscheidet, sieht man laut AMS besonders eindrucksvoll beim Nassbremsen. „Da steht der mit dem Michelin-bereifte Testwagen aus Tempo 80 nach 30,2 Metern. Das ist Bestwert. Der Nankang braucht fünf Meter mehr“, so das Blatt.

Zwar wird selbst dem Testsieger „Pilot Sport 4“ eine „minimale Schwäche bei Aquaplaning“ bescheinigt, doch ansonsten soll er „in allen Kategorien wie Fahr- und Bremsverhalten auf nasser und trockener Fahrbahn, Rollwiderstand, Rollgeräusch und Aquaplaning immer ein Topergebnis und in der Summe die beste Performance aller elf Reifen im Test“ gezeigt haben. Damit wird ihm mit einem gewichteten Durchschnittspunktewert 9,4 vom maximal zehn möglichen als Einzigem das Prädikat „sehr empfehlenswert“ zuerkannt. Dahinter folgen vier für „empfehlenswert“ gehaltene Modelle angefangen bei Contis „PremiumContact 6“ und Falkens „Azenis FK510“, die sich mit jeweils 8,5 Punkten den zweiten Platz teilen, über Pirellis „P Zero“ (8,3 Punkte) bis hin zu Goodyears „Eagle F1 Asymmetric 3“ (acht Punkte). „Noch empfehlenswert“ haben Nokians „zLine“ mit 7,8 Punkten, Giti Tires „SportS1“ mit 7,2 Punkten sowie mit jeweils 7,1 Zählern Toyos „Proxes Sport“, Coopers „Zeon CS8“ und Nankangs „Sportnex AS-2“ abgeschnitten. Die rote Laterne des Vergleichs hält Vredesteins „Ultrac Vorti“ mit 6,9 Punkten und dem Gesamturteil „bedingt empfehlenswert“.

„Der Reifen hat einen viel zu hohen Rollwiderstand, hat Schwächen beim Nassbremsen und beim Aquaplaning“, wird begründet, warum sich das Vredestein-Modell mit dem letzten Platz begnügen muss. Zudem wird er noch als „etwas prellig“ beschrieben, also mit leichten Defiziten beim Komfort. Dafür sei er „auf nasser und trockener Piste fast neutral und wenig lastwechselempfindlich“. Außerdem ist der „Ultrac Vorti“ noch mit einem progressiven Anlenkverhalten positiv aufgefallen. Hauptkritikpunkte bei dem vor ihm punktgleich ins Ziel gekommenen Trio sind Nassbremsen/Nasshandling/Rollwiderstand (Nankang), große Lenkwinkel nass wie trocken und deutliches Untersteuern (Cooper) sowie ein hoher Rollwiderstand, deutliches Untersteuern bei Nässe und eine geringe Lenkspontaneität (Toyo). Andererseits wird dem „Proxes Sport“ zugutegehalten, dass er augenscheinlich leicht kontrollierbar auf nassem und trockenen Untergrund ist. „Bei etwas schwächerem Kurvengrip auf Nässe noch recht ausgewogen und fahrstabil“ hat sich demnach der „Zeon CS8“ präsentiert sowie noch leicht beherrschbar und komfortabel. Und dem „Sportnex AS-2“ wird beste Aquaplaningvorsorge bescheinigt, wobei auf der Habenseiten zudem ein „sehr guter Abrollkomfort bei noch akzeptabler Beherrschbarkeit und guter Balance“ verbucht wird bei außerdem ordentlichen Leistungen im Trockenen.

Noch ein klein wenig besser hat offenbar der „SportS1“ von Giti Tire seine Sache gemacht. Denn immerhin hat er einen Zehntelpunkt mehr als die letztgenannten Drei auf seinem Konto anhäufen können. Das wohl wegen seinem als sehr gut beschriebenen Kurvengrip auf trockenem Asphalt kombiniert mit einem geringen Rollwiderstand sowie seinen positiven Komforteigenschaften inklusive einer geringen Geräuschentwicklung. Negativ aufgefallen ist der Reifen demnach mit einem schwachen Nassgrip in Kurven, einer schlechten Traktion auf Nässe, durch Über- und Untersteuern sowie mit einer trägen Lenkansprache. Letzteres trifft ebenso auf den „Line“ vor ihm zu, dem darüber hinaus „zu viel Untersteuern auf trockenem Asphalt, schwacher Komfort, etwas Profilgeräusch, Profilausrisse bei sehr scharfer Fahrweise“ angekreidet werden. Demgegenüber habe der Nokian-Reifen aber mit ordentlichen Nässeeigenschaften ohne gravierende Schwächen aufwarten können, schreibt Auto Motor und Sport. Aber naturgemäß werden für die noch weiter vorn platzierten Modelle seitens der Tester dann freilich immer weniger Defizite aufgezählt.

So sind es beim Goodyear-Reifen wohl vor allem die etwas längeren Bremswege bei Nässe, die ein besseres Abschneiden des „Eagle F1 Asymmetric 3“ verhindert haben. Denn ansonsten soll er sich als weitgehend ausgewogen mit leichter Untersteuertendenz und nur schwachen Lastwechselreaktionen profiliert haben. „Etwas nervös im Spurwechsel, Defizite im Aquaplaning, hoher Rollwiderstand“ sind die mit Blick auf den „P Zero“ aufgeführten Kritikpunkte, denen auf der anderen Seite ein hoher Kurvengrip nass wie trocken, spontane Reaktionen, eine hohe Lenkpräzision sowie eine „neutrale bis leicht untersteuernde Balance“ gegenüber stehen sollen. Als fahrsicher und leicht beherrschbar wird der „Azenis FK510“ charakterisiert mit zugleich gutem Lenkungsfeedback bei Nässe sowie kurzen Bremswegen auf nasser und trockener Fahrbahn. In der Kritik stehen bei dem Falken-Reifen ein etwas zögerliches Lenkansprechen und der Komfort: Er sei – heißt es – „prellig“, und zudem ist noch ein „leichtes Schräglauffauchen“ im Testprotokoll festgehalten. Der Komfort scheint ebenso eine Schwäche des Conti-Reifens zu sein, wird doch auch er als „prellig“ beschrieben und ihm „wenig Eigendämpfung“ attestiert. „Festes Lenkungsfeedback auf Nässe, gute Präzision und starker Kurvengrip auf Trockenheit“ werden andererseits als Stärken des „PremiumContact 6“ aufgezählt. christian.marx@reifenpresse.de

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes und der zugehörigen Tabelle war von Nokians ursprünglich als „xLine“ eingeführten „Line“ die Rede, weil laut Auto Motor und Sport eben dieses Modell des finnischen Herstellers getestet worden sein soll. Das Unternehmen hat die NEUE REIFENZEITUNG allerdings darauf hingewiesen, dass es sich bei dem geprüften Reifen stattdessen vielmehr um den „zLine“ gehandelt hat, was sich bei genauerer Überprüfung des in dem Magazin abgebildeten Profils in der Tat bestätigte. Text und Tabelle wurden insofern zwischenzeitlich entsprechend korrigiert.

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