Schwächelndes (Sommer-)Reifengeschäft hinterlässt Spuren bei der Industrie

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Mit Blick auf die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres zieht der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (WdK) eine „durchwachsene“ Bilanz. Die Branche insgesamt musste gegenüber demselben Zeitraum 2015 einerseits nämlich einen Umsatzrückgang um 2,2 Prozent auf aktuell gut 5,7 Milliarden Euro verkraften. Dabei entwickelten sich andererseits die beiden Sparten Reifen und technische Elastomererzeugnisse (TEE) gegenläufig. Während die TEE-Hersteller – laut WdK basierend vor allem auf Impulsen durch die hohe Fahrzeugproduktion – ihre Verkaufserlöse um 1,2 Prozent auf gut 3,2 Milliarden Euro steigern konnten, sank der Umsatz der Reifenhersteller um 6,2 Prozent auf etwas über 2,5 Milliarden Euro.

Begründet wird dies nicht allein mit aufgrund sinkender Rohstoffkosten auch geringeren Verkaufspreisen, sondern darüber hinaus insbesondere noch mit einer schwachen Nachfrage nach Sommerreifen. Bezüglich der Lieferungen ihres wichtigsten Produktes – Pkw-Reifen für das Ersatzgeschäft – in Richtung (Sell-in) haben die Reifenhersteller demnach ein Minus in Höhe von zwei Prozent verbuchen müssen. Als Grund dafür werden einerseits höhere Laufleistungen der neuesten Reifengenerationen sowie der Umstand angeführt, dass Verbraucher den Ersatz von Sommerreifen nach Möglichkeit aufschieben, zumal ihr Sicherheitsbedürfnis bei Sommer- demnach offenbar schwächer ausgeprägt als bei Winterreifen sei. Letzteres spiegele sich zudem beispielsweise auch in einer „rasant steigenden Nachfrage nach Ganzjahresreifen“ wider, heißt es weiter.

„Die positiven Impulse eines steigenden Fahrzeugbestandes und einer höheren Gesamtfahrleistung greifen nicht“, so der Branchenverband, wo sich allerdings nicht nur in Sachen des Reifenersatzgeschäftes leichte Sorgenfalten abzeichnen. „Der internationale Wettbewerb macht den deutschen Reifenherstellern nicht nur im Ersatzgeschäft zunehmend zu schaffen, auch die Erstausrüstungslieferungen verteilen sich auf immer mehr internationale Anbieter“, wird seitens des WdK zudem ein weiterer die beobachtete Entwicklung beeinflussender Faktor angeführt. Gleichwohl hoffen die Reifenhersteller auf ein besseres zweites Halbjahr und die TEE-Hersteller auf ein stabiles, sodass die deutsche Kautschukindustrie für 2016 letztlich unverändert von einem etwa einprozentigen Umsatzplus der Branche insgesamt ausgeht.

„Für die Reifenhersteller könnte ein gutes Winterreifengeschäft für höhere Umsätze sorgen“, ist bei alldem eine Beschwörungsformel zu hören, die man ansonsten eher vom Reifenfachhandel her kennt. Beide Seiten – Industrie und Handel – haben aber durchaus noch mehr Gemeinsamkeiten, spricht doch auch der WdK von einem hohen und zuletzt nicht ausreichend gedeckten Fachkräftebedarf. Gleichwohl habe sich trotz gesunkener Produktion der Beschäftigtenstand in der Branche mit 75.350 Mitarbeitern gegenüber 2015 leicht erhöht. „Das Produktionsvolumen der Kautschukverarbeiter in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2016 trotz einer Ausweitung der Mengenlieferungen zurückgegangen. Hohe Energiepreise, Strukturwandel auf Abnehmerseite und Local Sourcing führen dazu, dass die deutschen Unternehmen die Fertigungsvolumina in Deutschland zurück- und in ihren ausländischen Werken hochfahren“, erklärt der WdK die alles in allem leicht rückläufige Produktion hierzulande. cm

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