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Alles auf Anfang – 2018 startet neue Reifenmesse „Tire Cologne“

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Erst mochte man gar nicht so recht glauben, was das Onlineportal Der Westen der Funke-Mediengruppe (früher WAZ-Mediengruppe, WAZ = Westdeutsche Allgemeine Zeitung) Mitte/Ende Januar da als eines der ersten Medien berichtete: Da ein Bürgerentscheid – wenn auch mit knapper Mehrheit (50,4 Prozent) – den Ausbau der Messe Essen gekippt hat, werde die Reifenmesse, die seit 50 Jahren in der Ruhrmetropole beheimatet ist, nach Köln abwandern hieß es da. Wie sich zwischenzeitlich herausgestellt hat, stimmt das zum Teil – zum Teil aber auch nicht: Erstmals wird es 2018 zwar wirklich eine Messe namens „The Tire Cologne“ in Köln geben, aber so wie es derzeit aussieht wohl auch weiterhin eine „Reifen“ in Essen.

In der Tat werden sich aber die Wege der Messe Essen und des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) sowie damit die des Veranstalters und des ideellen Trägers der „Reifen“ nach den beiden nächsten Veranstaltungen in diesem Jahr und 2016 trennen. Wie der geschäftsführende BRV-Vorsitzende Peter Hülzer gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG bestätigt, hat das Votum der Bürger Essen tatsächlich irgendwie damit zu tun. Gleichwohl sagt er, dass es schon lange vor der Auszählung des letzten Stimmzettels am 19. Januar bzw. der Bekanntgabe des Ergebnisses von dem Bürgerentscheid „Stimmungen gegen den Messeplatz Essen“ als den auch zukünftig weiterhin richtigen Ort für den im Zweijahresrhythmus stattfindenden Branchentreff gegeben habe.

„Wir haben in Köln bewiesen, dass wir für wachstumsorientierte, ehrgeizige Branchen das richtige Pflaster sind“, sagt Gerald Böse, Geschäftsführer der Koelnmesse GmbH

„Wir haben in Köln bewiesen, dass wir für wachstumsorientierte, ehrgeizige Branchen das richtige Pflaster sind“, sagt Gerald Böse, Geschäftsführer der Koelnmesse GmbH

Ganz offenbar bietet der bisherige Standort aus BRV-Sicht nicht die Zukunftsperspektiven, die man sich für eine Veranstaltung wünscht, die dem Anspruch genügen soll, Weltleitmesse für die Reifenbranche zu sein. Wie Hülzer weiter sagt, hätte man Essen nach 2016 wohl selbst dann den Rücken gekehrt, wenn die Bürger der Stadt doch noch grünes Licht für das ursprünglich geplante Investment von mehr als 120 Millionen Euro zur Modernisierung des Ausstellungsgeländes gegeben hätten. Zu wenig Planungssicherheit ist einer Gründe, die in diesem Zusammenhang genannt werden. So berichtet Hülzer von Gesprächen, in denen die Messeleitung in Essen allen Ernstes vorgeschlagen haben soll, dass man zu Not ja auch Aussteller in Zelten unterbringen könnte, würden neu zu erbauende Hallen nicht rechtzeitig zu einer der späteren „Reifen“-Messen fertig.

Zu denken gegeben hätten dem BRV außerdem die zahlreichen Wechsel in der Geschäftsführung der Messe Essen sowie die wirtschaftliche Lage der Messegesellschaft. Sie hänge mehr oder weniger „am Tropf“ der Stadt Essen, die schon mehrfach ordentliche Summen in das Unternehmen gepumpt habe, um es überhaupt am Leben zu erhalten. Keine gute Ausgangslage, zumal die politischen Lager in der Stadt ganz augenscheinlich uneins über die Zukunft der Messe sind und vor diesem Hintergrund dann sogar ein entsprechender Bürgerentscheid auf den Weg gebracht wird, der bereits existierende Planungen Makulatur werden lässt. „Wir wollten nicht zwischen den Mühlsteinen der Politik zermahlen werden und blind in den Untergang laufen“, erklärt Hülzer im Gespräch mit dieser Fachzeitschrift, warum man ab 2018 nun tatsächlich Köln den Vorzug für eine neue Reifenmesse gibt.

Außerdem sei die Branche in einer Situation, wo ein solcher Neuanfang Sinn mache. Darüber hinaus habe die bessere Verkehrsanbindung Kölns bei der letztendlichen Entscheidung des BRV eine nicht unwesentliche Rolle gespielt – die Stadt sei für internationale Gäste einfach besser zu erreichen, wie es mit Blick beispielsweise auf den Flughafen der Stadt heißt. „Wir wollten aus der Provinz heraus“, so Hülzer, der unumwunden zugibt, dass selbst ein Bürgerentscheid für die Modernisierung in Essen einen Wechsel nach Köln nicht verhindert hätte. Man habe die schon vor dem 19. Januar gefällte Entscheidung jedoch bewusst bis zu diesem Tage zurückgehalten, um die politische Entscheidung in Essen nicht zu beeinflussen.

Stark umworben worden von anderen Messegesellschaften – außer den Kölnern spricht Hülzer unter anderem etwa noch von der aus Frankfurt – sei man ohnehin schon seit Längerem. Konkret verhandelt habe man mit der Koelnmesse GmbH letztendlich dann seit einigen Monaten, wie er erklärt. Nichtsdestoweniger wird der BRV seine Pflichten als ideeller Träger der „Reifen“ bis zum Auslaufen der vertraglichen Vereinbarungen mit der Messe Essen 2016 erfüllen – soweit die Messegesellschaft dort dazu imstande sei, relativiert Hülzer. „Wir haben in Essen seit vielen Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben, und wir werden auch die ‚Reifen’ 2014 und 2016 mit vollem Einsatz gestalten, bevor wir 2018 in Köln neu starten“, sagt der geschäftsführende BRV-Vorsitzende.

Dabei sei dem BRV-Vorstand die Entscheidung, den Messestandort von Essen nach Köln zu verlegen, nicht leicht gefallen. „Eine verantwortungsvolle Abwägung aller Fakten und Argumente ließ uns jedoch keine andere Wahl“, so Hülzer in einer Mitteilung an die Verbandmitglieder. Man habe sich in den beiden vergangenen Jahren regelmäßig und intensiv mit der Situation der Messe Essen beschäftigt und insbesondere die kommunalpolitischen Aspekte, die mit dem sogenannten „Ertüchtigungsprogramm“ einhergingen, einer Bewertung unterzogen. Angesichts einer nach Meinung des BRV-Vorstandes „äußerst unsicheren Zukunftsperspektive“ dort sei dann der Entschluss gefasst worden, ab 2018 die ideelle und fachliche Trägerschaft einer neuen branchenspezifischen Messe am Standort Köln zu übernehmen bzw. von einer Vertragsverlängerung mit der Messe Essen über 2016 hinaus abzusehen.

„Wir haben in Essen seit vielen Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben, und wir werden auch die ‚Reifen’ 2014 und 2016 mit vollem Einsatz gestalten, bevor wir 2018 in Köln neu starten“, sagt der geschäftsführende BRV-Vorsitzende Peter Hülzer

„Wir haben in Essen seit vielen Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben, und wir werden auch die ‚Reifen’ 2014 und 2016 mit vollem Einsatz gestalten, bevor wir 2018 in Köln neu starten“, sagt der geschäftsführende BRV-Vorsitzende Peter Hülzer

Eines der Ziele, die mit der neuen Reifenmesse verfolgt werden, ist eine stärkere internationale Aufstellung. „Die Modernität und Flexibilität des Kölner Geländes und die erstklassige weltweite Vernetzung der Koelnmesse machen mich sicher, dass wir unsere internationale Perspektive hier verwirklichen können“, ist Hülzer überzeugt. Alldem wird schon mit bei der Namensgebung der künftigen Veranstaltung Rechnung getragen: Sie heißt „The Tire Cologne“ und wird erstmals vom 29. Mai bis zum 1. Juni 2018 in Köln stattfinden. Das ist aber nicht der einzige Grund für die noch ungewohnt wirkende Bezeichnung. Denn die Essener beanspruchen nämlich Markenrechte für die „Reifen“ und haben zudem angekündigt, auch über 2016 hinaus eine Messe dieses Namens am angestammten Platz ausrichten zu wollen.

Unterdessen fühlen sich die Kölner voll und ganz den Vorstellungen bzw. Entwicklungszielen gewachsen, die der BRV mit der „Tire Cologne“ verbindet: höhere Internationalität und Wachstum durch neue Zielgruppen. Zwar richtet sich die neue Messe – wie die Essener „Reifen“ – an Reifenhersteller, Reifenfachhandel, Werkstattausrüster und alle mit der Reifenbranche in Verbindung stehende Unternehmen. Weiteres Potenzial verspricht man sich jedoch durch die verstärkte Ansprache beispielsweise von Kfz-Services und des Onlinehandels. „Wir haben in Köln bewiesen, dass wir für wachstumsorientierte, ehrgeizige Branchen das richtige Pflaster sind“, gibt sich Gerald Böse, Geschäftsführer der Koelnmesse GmbH, diesbezüglich selbstbewusst.

Immerhin habe man das fünftgrößte Messeareal der Welt, moderne Hallen mit flexibler Infrastruktur und ein an vielen Großmessen erprobtes Umfeld aus Hotellerie, Gastronomie, bester Anbindung und attraktiver Metropole in die Waagschale zu werfen. Alles Argumente, die einige Branchenvertreter augenscheinlich bereits überzeugt haben. In einer entsprechenden Pressemitteilung der Koelnmesse ist jedenfalls von einem „ausgesprochen positiven Echo“ die Rede, und es werden darin zugleich entsprechend positive Stellungnahmen von Befürwortern der neuen Messe angefangen bei Paul Rösler senior (Rösler Tyre Innovators) und Frank Titz (Goodyear Dunlop) über Michael Schwämmlein (Alligator), Rolf Kurz (Yokohama), Klaus-René Küfer (Alcar) über Andreas Penkert (Pirelli), Goran Zubanovic (Goodyear Dunlop Handelssysteme) und Jens Dahlheimer (Rema Tip Top) bis hin zu Gummibereifung-Chefredakteur Olaf Tewes wiedergegeben.

Die Meinung der Leser der NEUE REIFENZEITUNG, die an der aktuellen Frage des Monats zu diesem Thema unter www.reifenpresse.de teilgenommen haben, ist da freilich weniger eindeutig. Eine Zwischenauswertung Ende Januar zeigt, dass sich Befürworter des Wechsels und solche, die dem bisherigen Messeplatz die Treue halten wollen, in etwa die Waage halten: Knapp 47 Prozent der Umfrageteilnehmer auch in Zukunft Essen als Messestandort den Vorzug geben, während sich umgekehrt 53 Prozent für Köln aussprechen. „Bisher war der Standort für uns in den letzten 20 Jahren durch seine Übersichtlichkeit in Ordnung. Der etwas dörfliche Charakter Essens nach den Veranstaltungen passt zu unserer noch nicht ganz versnobten Branche“, kommentiert ein Umfrageteilnehmer sein Votum. „Ein anderer hält den Standortwechsel für „genial“, weil Köln einfach die bessere Messestadt sei. „Auch die Anbindung für Auto, Bahn und Flugzeug ist wesentlich besser. Köln hat einfach mehr zu bieten, aber sicherlich sind die Hotelpreise in Köln noch etwas höher, aber hier kann man durch die gute Verkehrsanbindung ja etwas außerhalb ein Hotel belegen“, wird hinzugefügt.

Auf die Goldwaage legen sollte man solche Bekundungen allesamt zum derzeitigen Zeitpunkt jedoch nicht. Denn bis zur ersten „Tire Cologne“ sind es schließlich noch mehr als vier Jahre. Da kann zwischenzeitlich noch so viel passieren, dass es schon sehr ungewöhnlich wäre, würde sich ein Unternehmen schon heute definitiv festlegen und entsprechende Ausstellungsflächen so weit im Voraus verbindlich buchen – egal, ob hier oder dort. Oder anders formuliert: Bis 2018 fließt Rhein und Ruhr noch viel Wasser hinunter. christian.marx@reifenpresse.de

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  1. […] fand in Köln eine exklusive Auftaktveranstaltung zur „The Tire Cologne“ statt. Die Messe wird ihre Premiere nach momentanem Planungsstand zwar erst Ende Mai/Anfang Juni 2018 und damit in rund dreieinhalb […]

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