Conti-Aktie schmiert nach Gewinnwarnung ab: gestern nur Papier – heute nur Papier

Die Schaefller-Gruppe musste 2007 im Rahmen einer feindlichen Übernahme 180 Millionen Conti-Aktien zu je 75 Euro – somit 13,5 Milliarden Euro – übernehmen. Bevor das Geschäft auch nur verbucht war, standen die Aktien bei gerade einmal 20 Euro: dem Zusammenbruch der Lehman-Bank und den daraus folgenden weltweiten Verwerfungen des Finanzmarktes geschuldet. So schnell hatte bis dahin noch niemand zehn Milliarden Euro in den Sand gesetzt. Auf dem Papier! Und so dicht stand selten mal ein Konzern am Abgrund wie Schaeffler. In der Realität und nicht allein auf dem Papier.

Schaeffler hält elf Jahre später immerhin noch 46 Prozent aller Conti-Aktien, die zum Jahresbeginn 2018 an einem Kurs von 250 Euro schnupperten und von daher einen Wert von etwa 23 Milliarden verkörperten. Seither ist die Aktie aber auf Südkurs. Gestern notierte sie noch oberhalb 180 Euro, aber die Talfahrt beschleunigte sich heute – nachdem der Vorstand sich zu einer Gewinnwarnung gezwungen sah – deutlich um 13,5 Prozent auf nunmehr 160 Euro. Für Schaeffler bedeutet das einen Verlust im Verlauf des Jahres von 8,3 Milliarden Euro. Jeden Monat eine Milliarde Euro. Nicht schlecht. Jedenfalls auf dem Papier!

Doch keine Panik. Aktien waren gestern nur Papier, und sie sind heute nur Papier. Der Conti-Konzern verdiente über die letzten zehn Jahre klotzig Geld, ist Arbeitgeber für mehr als 200.000 Menschen weltweit, zählt zu den größten Automobilzulieferern der Welt und ist schon mal weniger als 30 Milliarden Euro oder mal auch mehr als 40 Milliarden Euro wert. Jedenfalls auf dem Papier! Die Kurse ändern sich, die Firma bleibt dieselbe. Heute hat der Konzern „gewarnt“, der Umsatz könne möglicherweise nur um eine Milliarde zulegen gegenüber dem Vorjahr, und es scheint nicht ganz klar, ob sich die EBIT-Marge über neun Prozent einpendelt oder doch noch zweistellig wird. Niemand weiß allerdings, was Donald Trump möglicherweise noch einfällt. Die Reise gen Süden könnte noch lang werden. klaus.haddenbrock@reifenpresse.de

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