Zwischenruf: So schnell stirbt der Verbrennungsmotor wohl doch nicht aus

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Dem Wahlprogramm der Grünen lässt sich die Forderung nach „nur noch abgasfreien Neuwagen“ ab 2030 entnehmen. Gemeint damit sind wohl rein elektrisch angetriebene Pkw, die bekanntlich ja aber nur lokal emissionsfrei sind, weil der Strom zum Laden ihrer Batterien zu großen Teilen von Kraftwerken erzeugt wird, die selbst wiederum nicht „abgasfrei“ sind und sein können. Nachdem die Continental AG im Vorfeld der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) unlängst die aus ihrer Sicht bestehenden Herausforderungen und Möglichkeiten rund um die zukünftige individuelle Mobilität aufzeigte, wobei weniger das Thema Reifen im Vordergrund stand als es stattdessen vielmehr um Dinge wie eben Elektrifizierung sowie Automatisierung und Digitalisierung ging, gesellen sich zu den Zweifeln an den „Der-Strom-kommt-aus-der-Steckdose“-Vorstellungen der Umweltpartei auch solche am genannten Zeithorizont des angestrebten Wechsels komplett weg vom Verbrennungsmotor hin zum Elektroantrieb.

Zwar seien die von der Politik vorgegebenen Emissionsgrenzwerte so anspruchsvoll, dass die Fahrzeughersteller konsequenterweise auf den massiven Ausbau der Elektromobilität setzten, so Dr. Elmar Degenhart als Vorstandsvorsitzender des Konzerns. Doch reine Elektrofahrzeuge seien noch viel zu teuer, sodass selbst Kaufprämien dabei aus Sicht des Unternehmens derzeit nicht viel weiterhelfen. „Bei der reinen Elektromobilität bringen allein mehr Reichweite und geringere Anschaffungskosten den Durchbruch auf dem Markt. Dieser Durchbruch zeichnet sich nicht vor 2023 ab“, ist Degenhart überzeugt, dass nur erschwingliche neue Technologien bzw. deren breite Marktdurchdringung zu „sauberer Luft und Klimaschutz“ führen und nicht Emissionsvorgaben allein. Vor diesem Hintergrund rechnet Continental selbst für das Jahr 2025 noch mit einem Marktanteil für rein elektrische Antriebe von nur etwa zehn Prozent, während für die Kombination von elektrischen Antrieben und Verbrennungsmotoren (den sogenannten Hybridantrieben) von nahezu 30 Prozent ausgegangen wird. „Der Verbrennungsantrieb hat wegen dem wachsenden Bedarf nach Mobilität seinen Zenit tatsächlich erst noch vor sich“, ist sich Degenhart sicher.

In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass das Unternehmen an der Entwicklung von als äußerst effizient beschriebenen Antriebssystemen und Technologien arbeite, die sich die Menschen leisten könnten – überall und unabhängig von der Fahrzeugklasse. Als Beispiele werden die Abgasnachbehandlung oder Contis „Volkshybrid“ angeführt. „Diese 48-Volt-Technologie ist eine Übergangslösung. Sie ermöglicht eine Entlastung des Verbrennungsmotors und lässt sich sowohl in Fahrzeuge mit Benzin- als auch mit Dieselmotoren integrieren“, erklärt Degenhart. Die nachgewiesene Kraftstoffersparnis soll damit bei rund 20 Prozent im realen Stadtverkehr liegen. Und mit einem modifizierten Euro-6-Dieselserienfahrzeug will das Unternehmen eine Reduzierung der Stickoxidemissionen um mehr als 60 Prozent bei realen Straßentests erreicht haben und mit ihm insofern „deutlich unter den gesetzlichen Limits“ bleiben. Mehr zu alldem sowie darüber hinaus Lösungsansätze zum automatisierten Fahren und zur Vernetzung der Mobilitätsformen will Conti bei der IAA zeigen, wobei der Auftritt dort unter dem „Making Mobility a Great Place to Live“ bzw. „Lebensraum Mobilität – genial gestaltet“ stehen soll. christian.marx@reifenpresse.de

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