Widerstand gegen „Wegradieren“ des Goodyear-Werkes Philippsburg formiert sich

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Nach Bekanntwerden von Goodyears Plänen, zum Ende kommenden Jahres sein Reifenwerk in Philippsburg schließen zu wollen, hat sich nach dem ersten Schock der Widerstand vor Ort weiter formiert. „Es geht um knapp 900 Arbeitsplätze. Das Ziel von Goodyear ist es, diese wegzuradieren und den eigenen Profit noch weiter zu maximieren. Damit finden wir uns nicht ab“, sagt Karsten Rehbein, Leiter des Bezirks Karlsruhe bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). „Hilfsangebote in Form von Abfindungen und Ähnlichem befriedigen uns nicht. Wir wollen die Arbeitsplätze und Perspektiven für die Menschen erhalten“, ergänzt der Betriebsratsvorsitzende Horst Haag. Auf dem Werksgelände haben auch Hunderte Mitarbeiter vor Ort schon einen Protestzug organisiert und im wahrsten Sinne des Wortes Flagge gezeigt gegen das Goodyear-Vorhaben. Zumal von Arbeitnehmerseite nach wie vor insbesondere das Warum infrage gestellt wird.

Der Konzern selbst argumentiert zwar, dass man sich künftig auf die Herstellung von Reifen großer Zollgrößen konzentrieren wolle und man gleichzeitig Überkapazitäten reduzieren möchte. „Da fragen wir uns, weshalb gleichzeitig neue Werke eröffnet werden“, so Rehbein. Zumal Goodyear fast unmittelbar nach der Verkündung des Aus in Philippsburg gleichzeitig das Investment von beinahe einer halben Milliarde US-Dollar in die Erweiterung seiner Produktionskapazitäten in China bekannt gegeben hat. Insofern ist anzunehmen, dass die Produktion im Fernen Osten halt einfach günstiger ist. Doch die Arbeitnehmervertreter wollen nun gemeinsam mit einem externen Wirtschaftsexperten ein Gegenkonzept erarbeiten, um den Standort Philippsburg trotzdem zu erhalten. „Wenn Goodyear die notwendigen Investitionen endlich freigibt, dann kann in diesem Werk auch noch profitabler gearbeitet werden. Darauf werden wir hinarbeiten“, kündigt Rehbein an.

Auch beim weiteren Vorgehen gegen Schließung soll freilich die gesamte Belegschaft vor Ort weiter mit einbezogen werden. Ungeachtet dessen hat es am Wochenende offenbar bereits erste Gespräche zwischen der Gewerkschaft und der Arbeitgeberseite gegeben. Wie Aussagen Rehbeins dazu von den Regio-News wiedergegeben werden, sei dabei allerdings noch nicht viel mehr passiert, als dass beide Seiten „einen Pfad abgesteckt und Fragen und Antworten ausgetauscht“ hätten. Rehbeins Worten zufolge hätten die Äußerungen der Arbeitgeberseite dabei aber mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Mehr Klarheit verspricht er sich unter anderem von einem Sachverständigengutachten: Es soll klären, warum der Standort Philippsburg so schlecht dastehe, dass seitens Goodyear Dunlop dessen Schließung als offenbar einzige Option infrage komme. cm

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