Leider ist im Reifengeschäft nicht jeder Monat wie der Dezember 2014

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Eine Schwalbe macht sprichwörtlich noch keinen Sommer. Und ein deutliches Absatzplus in einem einzelnen Monat wie zuletzt beispielsweise im Dezember 2014 löst längst auch nicht alle Probleme im deutschen Reifenersatzgeschäft. Für weite Teile des Handels dürfte das zurückliegende Jahr in der vorläufigen Rückschau jedenfalls alles andere als befriedigend verlaufen sein.

Würde es da nicht immer so spät hell bzw. so früh dunkel und wäre das Wetter in dem Monat in der Regel nicht vorwiegend nasskalt, dann könnte eigentlich öfter Dezember sein. Und das nicht allein deshalb, weil da Weihnachten gefeiert wird, Familien über die Festtage besinnliche Stunden zusammen verbringen und Geschenke (nicht nur) Kinderaugen zum Leuchten bringen, sondern mit Blick auf im Reifengeschäft aktive Händler auch wegen der zumindest im letzten Monat des vergangenen Jahres erfreulichen Absatzentwicklung. Denn nach dem aktuellen sogenannten Sell-out-Panel des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (WdK) lagen die Reifenverkaufszahlen des Handels in Richtung Verbraucher im Dezember 2014 abgesehen von Lkw-Reifen in allen anderen Produktsegmenten mehr als deutlich über denen desselben Monats ein Jahr zuvor.

Bei Pkw-Winter-, 4×4-/Offroad- sowie Llkw-Reifen wurden gar Zuwächse um jeweils rund ein Drittel registriert, und selbst Pkw-Sommerreifen wurden den WdK-Zahlen zufolge immerhin noch über 15 Prozent mehr verkauft als im Dezember 2013. Damit haben sich die guten Nachrichten allerdings erschöpft, denn an Lkw-Reifen wurde im letzten Monat des zurückliegenden Jahres vier Prozent weniger im deutschen Ersatzgeschäft Handel an Verbraucher (Sell-out) abgesetzt als ein Jahr zuvor. Weit schwerer als diese eine rote Zahl für einen einzelnen Monat und eine Produktgruppe wiegt jedoch, dass selbst die zum Jahresabschluss 2014 in den anderen Produktsegmenten ansonsten positive Entwicklung nicht mehr viel an der schon Ende November negativen Marktgesamtlage hat ändern können.

Konkret steht nach zwölf Monaten für 2014 bei Pkw-Sommerreifen gemäß der WdK-Statistik zwar ein Plus von ziemlich genau zwischen zwei und drei Prozent unterm Strich, was bei einem vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) für 2013 ausgewiesenen Marktvolumen von 21,4 Millionen Einheiten als Basis rund 22,0 Millionen solcher Reifen 2014 entspräche. Dafür aber war die Nachfrage nach Pkw-Winterreifen im vergangenen Jahr um 13,3 Prozent rückläufig, was letztlich 18,8 Millionen Einheiten (2013: 21,7 Millionen) gleichkäme. Damit hätten die Reifenvermarkter hierzulande mit in Summe 40,6 Millionen Stück 5,9 Prozent weniger Pkw-Reifen an die Frau oder den Mann gebracht als 2013, wo es dem BRV zufolge noch 43,1 Millionen waren.

Mit einem Minus von 0,9 Prozent nur leicht rückläufig hat sich demnach die Nachfrage nach Llkw-Reifen 2014 entwickelt, sodass letztlich wiederum annähernd 3,3 Millionen von ihnen im Ersatzmarkt abgesetzt werden konnten. Eine noch geringere Veränderung gegenüber dem 2013er-Niveau zeigt sich angesichts eines „Wachstums“ um gerade einmal 0,2 Prozent aus Jahressicht bei den Lkw-Reifen, sodass für 2014 von gleichbleibend rund 1,7 Millionen im Markt verkauften Lkw-Neureifen auszugehen ist. Mehr Freude – zumindest im Hinblick auf die Stückzahlentwicklung – hat dem Handel da sicherlich das Produktsegment 4×4-/Offroadreifen bereitet, wo auch im abgelaufenen Jahr wieder ein Zuwachs im Sell-out registriert wurde: Von knapp 3,3 Millionen Einheiten (2013) legten die Verkäufe nach Berechnungen der NEUE REIFENZEITUNG unter Zugrundelegung der vom WdK beobachteten 4,1-prozentigen Steigerungsrate auf gut 3,4 Millionen zu.

 

Dafür war eben diese Produktgruppe 2014 die einzige, in der die von der Industrie an die Reifenvermarkter hierzulande gelieferten Mengen (Sell-in) hinter denen des Jahres zuvor zurückgeblieben sind. Laut der entsprechenden Absatzstatistik der European Rubber Manufacturers’ Conference (ERMC) konnten die Reifenhersteller alles in allem knapp 2,8 Millionen 4×4-, Offroad- bzw. SUV-Reifen an den Reifenhandel verkaufen und damit 2,7 Prozent weniger als 2013. An Pkw-Reifen wurden demgegenüber mit in Summe 39,1 Millionen Stück 5,1 Prozent mehr ausgeliefert, wobei die Zuwächse mit 4,6 Prozent auf gut 18,4 Millionen und 5,7 Prozent auf rund 20,7 Millionen Einheiten bei den Pkw-Sommer- respektive Pkw-Winterreifen nicht allzu weit auseinanderliegen. Die laut ERMC über 3,2 Millionen Llkw-Reifen im Sell-in entsprechen einem 9,2-prozentigen Plus und die fast 1,4 Millionen Lkw-Reifen einer 4,9-prozentigen Mengensteigerung der Industrielieferungen an ihre Vermarktungspartner im deutschen Ersatzgeschäft.

Bei alldem sind die Stückzahlentwicklungen natürlich immer nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen steht die Entwicklung der Margen: Und die ist zumindest aufseiten des Handels ganz offensichtlich weit mehr als unbefriedigend, wie sich entsprechenden Rückmeldungen gegenüber dieser Fachzeitschrift entnehmen lässt. Nicht zuletzt sorgen zwar auch Lager(über)bestände, aber vor allem ein starker Wettbewerb der unterschiedlichen Vertriebskanäle für einen hohen und wohl weiter zunehmenden Preisdruck im Reifenersatzgeschäft. Es tobe – so formulierte es ein Branchenerfahrener unlängst im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG – „ein Abnutzungskampf, wo immer mehr (Groß)-Händler auf der Strecke bleiben werden“. Zumal selbst die ganz Großen der Reifenbranche, bei denen „die richtigen Strategen“ bzw. „studierte Leute in feinen Tüchern“ die Strippen zögen, angesichts all dessen die größten Probleme hätten, ihre Unternehmen in den schwarzen Zahlen zu halten. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da – eine weitere Konsolidierungsrunde könnte also durchaus bevorstehen. christian.marx@reifenpresse.de

2 Kommentare

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  1. […] darauf hindeutet? Während die Nachfrage nach Pkw-Reifen im vergangenen Jahr vor allem wegen eines schwächelnden Winterreifengeschäftes insgesamt rückläufig war, wird seitens Autohäusern/Kfz-Werkstätten eine nicht ganz so negative […]

  2. […] und hierfür sieht man den deutschen Zulieferer augenscheinlich recht gut aufgestellt. Zumal ein in Deutschland wie auch in Europa insgesamt rückläufiger Winterreifenabsatz in Richtung Verbraucher bei […]

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