Fintyre-Chaos: Kommissar Rex – vom Fressnapf zur Titanic

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Schon über die zweite Jahreshälfte 2019 hinweg waren Manager der Fintyre Group mit Beschwichtigungsmanagement nahezu ausgelastet, weil wichtige Lieferanten mit Nachdruck offene Forderungen reduzieren wollten. Pläne wurden gemacht, wieder verworfen und meist sowieso verfehlt: Das Restvertrauen sank gegen null. Der (irreparable) Fehler – so schätzen Industrievertreter es ein – war durch überhöhte Übernahmepreise, die eine industrielle Logik nicht erkennen ließen, längst gemacht. Der Glaube an einen noch möglichen Turnaround tendiert gegen null.

Die Gewährung eines Lieferantenkredits hängt in einer durchweg mit geringer Eigenkapitalquote arbeitenden Branche in hohem Grad davon ab, welche Leistung und Seriosität man dem Händler in Person zuschreibt. Der Glaube in die Fähigkeiten des Managements, mit dem in Zukunft partnerschaftlich gearbeitet werden soll, ist das eigentliche Pfand, nicht aber eine hypothekarische Eintragung in hoch belastete Immobilien. Und wie heute zu sehen, ist das Vertrauen in das Management nicht sehr groß gewesen. Da fühlten sich Manager plötzlich sehr wichtig, die zunächst mal nur ein paar Läden zu teuren Preisen auf Kredit gekauft hatten, die glaubten, offene Türen bei den Herstellern allein wegen vordergründig beeindruckender Zahlen einzurennen, und die urplötzlich erkennen mussten, dass sie als Kunden gelten, die mit einem Auftrag drohen.

Noch bedrohlicher erscheint die Lage innerbetrieblich, weil das Management jeglichen Kredit bei der Belegschaft verspielt hat. Entstanden durch Zusammenwürfeln einiger Ex-Pirelli-Beschäftigter werde dilettantisch, unbelehrbar, beratungsresistent der Tag verbracht. Nachdem klar geworden sei, dass die Industrie den sich auf dem Weg zu Europas größtem Reifenhändler wähnenden Kunden nicht mit Super-Sonder-Nettopreisen überschüttet, arbeite man mit dem Holzhammer an der Kostenreduzierung. „Mitarbeiterverschlankung“ und Vergabe von Controlling-Aufgaben an Freelancer mitsamt Verlegung der Buchhaltung nach Rumänien werden Kommissar Rex zugeschrieben, einem vom Tierfutterfilialisten Fressnapf gekommenen Manager. Die Folgen seien desaströs, eine Firmenumbenennung auf Titanic stehe bevor.

Wie verfahren die Situation ist, zeigt eine von Geschäftsführer Claudio Passerini gestern Abend herausgegebene E-Mail. Darin werden Mitarbeiter der Fintyre Group sowie der Reifen-Krieg-Gruppe aufgefordert, Reifen und Felgen nicht an Lieferanten, die ihre Ware wieder abholen wollen, herauszugeben. Es sei nämlich unklar, welche Reifen bezahlt seien und welche nicht. Ebenso dürften derzeit keinerlei Bestellungen vorgenommen werden.

An diesem Punkt darf man einhaken. Die schnellen Aufkäufer wollen doch „mit Managertransfusion einen enormen Kulturwechsel“ bewirkt haben. Um was handelt es sich denn, wenn mit fadenscheinigen Erklärungen jeder „kleine Verkäufer vor Ort“ die Herausgabe von Reifen, die ohnehin unter Eigentumsvorbehalt stehen, verweigern soll und damit schnell auf rechtlich dünnes Eis gestellt wird? Bezahlt oder nicht bezahlt? Und wenn nun ein Kunde kommt und einen Satz Bridgestone-Reifen kauft, wohin geht denn dann das Geld? Allein diese E-Mail ist Hinweis genug, dass es mit der Professionalität der Führungscrew schlecht bestellt sein muss oder, so sagt es ein nervlich angeschlagener Mitarbeiter der Reiff-Gruppe: „arrogant und von sich selbst so überzeugt, dass sie im Vorbeigehen auch mal eben ein Stück Stacheldraht durchbeißen könnten.“

Aus dem Schneider wähnen sich jedoch einige der gestolperten Manager. Man wird kaum noch erfahren, ob sie selber davonzogen oder in die Wüste geschickt wurden, weil sie vollmundig verkündete Ziele grandios verfehlten. Einer unter ihnen legt jetzt schon Wert auf die Feststellung, „denen die Brocken vor die Füße geworfen zu haben, weil man so ja wohl nicht managen könne.“ Klingt ganz nach Avanti Dilettanti. Wobei Dilettanten immer die anderen sind. Ja-woll! klaus.haddenbrock@reifenpresse.de

5 Kommentare
  1. Ein Kollege von Euch...... says:

    Liebe Fintyre-Kollegen, liebe Leser der Reifenpresse,

    auch ich bin Angestellter der Fintyre-Group, auch ich habe keine Gehaltszahlung im Januar bekommen. Sehr unangenehm in der Auswirkung, schliesslich hat jeder auch seinen Verpflichtungen nachzukommen. Wer jedoch dem Gesetz mächtig ist, weiß wohl dass dies ab einem bestimmt Zeitpunkt gar nicht mehr erlaubt ist.

    Die Berichterstattung der gesamten Presse zur Fintyre der letzten Tage verfolge ich naturgemäß sehr interessiert und dem einen oder anderen Inhalt kann man nur kopfnickend zustimmen. Ja, es wurden teils desaströse Fehler gemacht, da stimme ich meinen Kollegen uneingeschränkt zu, diese wurden ja großteils ausführlich und ausgekostet beschrieben. Hier könnte man das Eine ergänzen, das Andere wo nur Halbwissen oder Verdacht besteht auch weglassen, es würde in Summe nicht viel ändern.

    Erschreckend und prinzipiell unglaublich jedoch die Art und Weisse der „posts“. Hier werden inzwischen neben schlauen und abfälligen Bemerkungen sogar intern vertrauliche Mitteilungen an die Öffentlichkeit gegeben. Womöglich und dem Inhalt nach sehr wahrscheinlich von Kollegen die in Ihrem Arbeitsvertrag eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnet haben. Wir sprechen hier „by the way“ von Vertragsbruch !!! Und die gleichen Kollegen die das tun massen sich nun an die „Dilettanten“ zu kritisieren.

    Dann gibt es noch diejenigen, welche sich nach riesiger Enttäuschung besser fühlen indem Sie Ihr Leid mit der Öffentlichkeit teilen. Jetzt wo das Kind in Brunnen gefallen ist, kommen diese Kollegen aus der Ecke nach dem Motto „ich wollte auch schon immer mal was sagen“. Das Sie sich damit zum Gelächter der Öffentlichkeit machen scheint Ihnen a. nicht bewusst oder b. es ist Ihnen schlichtweg egal. Kollegen, die Öffentlichkeit wird Eueren ausstehenden Lohn trotz hohem Entertainmentwert nicht bezahlen, seid Euch sicher.

    Zu guter Letzt noch einen Hinweis an die Reifenpresse. Eine seriöse Berichterstattung, sowie die Unterstützung zum Vertragsbruch wirft die Frage auf ob man im Falle Fintyre wirklich an einer guten inhaltlichen Pressearbeit interessiert ist, oder ob da vielleicht noch eine frühere, offene Rechnung beglichen werden soll. Ihre Kollegen der anderen Fachzeitschriften beherrschen dieses Thema deutlich professioneller.

    Grüße,

    ein Kollege

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    • Aus der letzten Reihe im Bus. says:

      So wie die Artikel von Beginn an eskaliert sind, kann man hier schon von „Bashing“ sprechen. Populismus funktioniert übrigens ganz ähnlich…
      Die Reifenpresse macht sich zum vermeintlichen Verteidiger des kleinen Mannes, wirft Ihre Seriosität mit solchen Artikeln über Bord und erkennt nicht, welchen Schaden sie verursacht.

      Unmut – berechtigt – hin oder her, aber Freude daran haben wollen, dass das Unternehmen wie ein Kartenhaus von oben zusammen zu fallen scheint und das Management jetzt mit dem Knüppel die Strafe für die Versäumnisse der letzten Monate bekommen soll, ist als Angestellter dieser Firma ein Schnitt ins eigene Fleisch! Vielleicht sollte dem Ein oder Anderen bewusst werden, das es auch eine Zeit danach geben wird. Und das ein vormals guter Ruf auch wieder hergestellt werden kann, der aber mit der hier betriebenen „Berichterstattung“ immer mehr beschädigt wird. Und jeder der die Reifenpresse mit Mutmaßungen und Emotionalität gefüttert hat, darf sich hier mitverantwortlich fühlen. Wozu auch sachlich bleiben? …

      Der Blick sollte sachlich nach vorne gerichtet sein, nicht emotional nach hinten.

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      • Haubtschüler says:

        Ach du meine Güte….

        EK net/net porno net 100.- Euro…in der Börsen dann vor Kosten für Logistik, Personal, Börse immer der Beste mit 103,50 Euro

        Ups geht ja auf Dauer wohl doch nicht..und Industire will keinen Rohertarsgausgleich mehr bezahlen…..

        Und jetzt heulen…Managment is doof…..ja klar…Verkaufen unter Einstandspreis ganz neues Geschäftsmodell

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  2. ein anderer kollege says:

    Lieber „Ein Kollege von Euch…“ .
    ….ich denke einmal Du hast vor einem Spiegel gestanden als Du diesen völlig bekloppten Kommentar verfasst hast ?? !!
    Vielleicht liegt es aber auch daran das Du normalerweise schon um 21.00 Uhr im Bett bist und schläfst.
    Kollegen wie Dich braucht kein Mensch – außer die irren Italiener von Fintyre vielleicht ?
    Wie es aussieht hast Du selbst noch eine Rechnung mit der „Reifenpresse“ offen.
    Ich gehe mal davon aus, Du wurdest von Deiner ehemaligen Führungsposition zum Speichellecker befördert….
    Das Wort „Kollege“ solltest Du besser nicht mehr benutzen.

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  3. noch ein anderer Kollege says:

    An den anderen Kollegen, ich kenne nicht viele Leute die in Führungspostionen waren die „by the way“ sagen. Ich vermute mal, dass lernt man bei dem Hersteller mit „gelbe Buchstaben auf schwarzen Grund“

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