Ganzjahresreifen laut Test „durchaus eine Überlegung wert“

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Dass man die Eigenschaften von Reifen nicht allein auf das Thema Profiltiefe reduzieren sollte, ist eigentlich eine Botschaft, die jüngster Zeit verstärkt von Michelin propagiert wird. Ein wenig in dieselbe Richtung geht nichtsdestoweniger nun ein Test, den die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) gemeinsam mit dem Autoclub Europa (ACE) und dem Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs (ARBÖ) durchgeführt hat und bei dem es darum ging, wie gut Ganzjahresreifen nach einem Jahr im (Sommer-)Einsatz bzw. nach 10.000 mit ihnen abgespulten Kilometern noch sind.

Herausgepickt dafür wurden mit Goodyears „Vector 4Seasons“ zweiter Generation und Michelins „CrossClimate“ zwei Modelle aus der Winterreifentestsaison 2016/2017, in der die GTÜ den einen zusammen mit N-TV mit Billigreifen für den Sommer und Winter verglichen hatte sowie den anderen in Kooperation mit der Autozeitung im letztjährigen Winterreifentest des Magazins hatte mitlaufen lassen. In der Größe 205/55 R16 und montiert auf zwei identischen Fahrzeugen des Typs VW Golf mussten beide nun aber ihre Qualitäten auch nach 10.000 Kilometern Einsatz beweisen, bei dem sie gegenüber dem Neuzustand jeweils 1,6 Millimeter an Profil eingebüßt haben sollen. „Ein Verschleiß, der sich noch im Rahmen hält“, finden die Tester. Mit Blick die gemessenen Bremswege bei Nässe und auf Schnee sowie in Sachen Aquaplaning und Traktion auf Schnee spricht die GTÜ letztendlich von verblüffenden Ergebnissen.


Zwar wurde beim Nassbremsen aus 100 km/h für den gebrauchten Michelin-Reifen ein im Vergleich zum neuwertigen Zustand um 4,6 Meter bzw. „deutlich längerer“ Bremsweg gemessen. Doch andererseits sei er bei dem Goodyear-Modell dafür 4,7 Meter kürzer ausgefallen. Dies erklärt Reifentester Gunnar Beer durch das mit fortschreitender Abnutzung veränderte „Vector-4Seasons“-Profil. „Nach 10.000 Kilometern erscheinen auf der Lauffläche plötzlich lauter Lamellen fast wie bei einem Winterreifen“, sagt er. Hinsichtlich Aquaplaning (Wassertiefe: neun Millimeter) sollen beide Kandidaten gegenüber dem Neuzustand zwar leicht schlechtere Leistungen gezeigt haben, aber dennoch würden auch die gebrauchten Reifen noch genügend Profil bieten, um mit den Wassermassen fertig zu werden, heißt es.

Gleiches gilt demnach für die Traktion auf Eis und Schnee, die selbst nach 10.000 Kilometern als immer noch „völlig ausreichend“ bezeichnet wird. Eine weitere „Überraschung“ stellte sich dann beim Bremsen auf geschlossener, festgefahrener Schneedecke heraus, wo die beiden Gebrauchten demzufolge besser verzögerten als ihre neuwertigen Pendants. Da sich keiner von ihnen im teilabgefahrenen Zustand einen bedenklichen Ausrutscher geleistet habe, folgert die GTÜ basierend auf den von ihr eingefahrenen Resultaten, dass der Einsatz von Ganzjahresreifen nicht prinzipiell auf Kosten der Fahrsicherheit gehe bzw. sie „durchaus eine Überlegung wert“ seien. „Sie verschenken keine wesentlichen Sicherheitsreserven, gewährleisten, im Winter mobil zu bleiben, genügen der Winterreifenpflicht und zahlen sich auch hinsichtlich der Kosten aus“, so das Fazit. christian.marx@reifenpresse.de

Hinweis: In einer früheren Version dieses Beitrages und der zugehörigen Tabelle war – wie ursprünglich von der GTÜ mitgeteilt – die Rede von einem VW Passat als Testfahrzeug, was aber nicht zu dem von der Prüforganisation bereitgestellten Videomaterial passte. Auf Nachfrage der NEUE REIFENZEITUNG ist unterdessen bestätigt worden, dass in der Tat ein VW Golf bei den Tests zum Einsatz gekommen ist.

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