Erster Winterreifentest der Saison 2017/2018: Conti vorn – Cooper hinten

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Nachdem die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) in der vergangenen Woche ein Imagevideo auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht, darin bereits einen Ausblick auf die Ergebnisse ihres diesjährigen Winterreifentests gegeben und den Streifen dann aber schnell wieder gelöscht hatte, geht mit Blick auf die Umrüstsaison 2017/2018 der Titel als erster Produktvergleich von Reifen für die kalte Jahreszeit nunmehr offiziell an das Magazin Auto Motor und Sport (AMS). Denn für die heute erschienene Ausgabe hat sich das Blatt insgesamt zehn Winterreifen der Dimension 225/45 R18 V vorgenommen, wobei die Probanden angefangen bei Contis „WinterContact TS 850 P“, Coopers „WeatherMaster SA2+“ und Dunlops „Winter Sport 5“ über Fuldas „Kristall Control HP2“, Hankooks „Winter I*Cept Evo²“ und Kumhos „WinterCraft WP71“ bis hin zu Michelins „Pilot Alpin PA4“, Nokians „WR A4“, Pirellis „Winter Sottozero 3“ sowie Semperits „Speed-Grip 3“ ihre Qualitäten wie üblich auf Schnee, bei Nässe, auf trockener Fahrbahn und in Sachen ihrer Umwelteigenschaften (Rollwiderstand, Geräusch) beweisen mussten montiert an einem BMW 430i Gran Coupé als Testfahrzeug. Den Testsieg und als einziger das Prädikat „sehr empfehlenswert“ heimst dabei der Conti-Reifen ein, während am anderen Ende des Wettbewerberfeldes das von AMS für „bedingt empfehlenswert“ gehaltenen Cooper-Modell die rote Laterne hält.

Lediglich „minimale Schwächen im Aquaplaning“ werden dem „TS 850 P“ des deutschen Herstellers angekreidet – ansonsten wusste er wohl auf ganzer Linie zu überzeugen. Zumindest wird der letztendliche Testsieger als „überragend sicher auf Nässe, überzeugend und sportiv auf trockenem Asphalt“ charakterisiert. Im Mittel konnte er glatte neun von maximal zehn möglichen Durchschnittspunkten auf seinem Konto ansammeln. Mit einer 8,6er-Wertung folgt dahinter der „Winter Sport 5“ auf Platz zwei mit Stärken beim Schneebremsen, bei Nässe und und trockener Piste, aber leichten Abstrichen bei der Seitenführung auf Schnee. Platz drei geht an den „Speed-Grip 3“ und damit an die Conti-Marke Semperit. „Bei forcierter Kurvenfahrt trocken gerät der Semperit schnell an seine Grenzen“ wird als Malus des Modells aufgeführt. Auf der Habenseite werden demgegenüber „überragende Traktion und überlegene Bremseigenschaften auf Schnee“ ebenso positiv hervorgehoben wie eine „sichere Kurvendynamik auch auf Nässe“ sowie als akzeptabel bezeichnete Trockenleistungen. Damit kommt der Reifen auf einen Punktedurchschnitt, mit dem er ebenso wie der „Pilot Alpin PA4“ mit seinen glatt acht Punkten und Vierter des Vergleiches zu den drei Reifen gehört, die sich das Prädikat „empfehlenswert“ ans Revers heften können.

Bei dem Michelin-Modell haben demnach lediglich geringfügige Defizite beim Nassbremsen sowie beim Queraquaplaning zusätzlich zu einem leisen „Schräglaufwummern“ ein besseres Abschneiden bzw. den Sprung aufs Podium verhindert. Dafür aber werden ihm starke Lenkwinkelreserven bzw. Verlässlichkeit auf Schnee bescheinigt, Präzision und Ausgewogenheit bei Nässe und dass er „überraschungsfrei auf trockenem Asphalt“ sei. Naturgemäß nimmt die Zahl der Schwächen bei den im Mittelfeld und als „noch empfehlenswert“ bezeichneten Winterreifen tendenziell zu. Beim „Kristall Control HP2“ mit seinen 7,8 Durchschnittspunkten stechen negativ „schwache Nässe- und Trockeneigenschaften, wenig Dynamik“ hervor, beim „Winter Sottozero 3“ mit gleicher Punktzahl werden vor allem die etwas längeren Bremswege bei Nässe, ein hoher Rollwiderstand und sein Schräglaufgeräusch moniert sowie beim „WR A4“ mit gleichfalls 7,8er-Wertung „schwache Seitenführung und deutliches Untersteuern auf Schnee“ zusammen mit wenig Grip, einem schmalen Grenzbereich und langen Bremswegen bei Nässe. Pluspunkte sammelten die Drei aber in Sachen Traktion/Bremsen auf Schnee und der Aquaplaningvorsorge (Fulda), in Bezug auf Lenkwinkelreserven/Rückmeldungen bei allen Fahrbahnbedingungen und ihre Beherrschbarkeit (Pirelli) sowie hinsichtlich der Kriterien Trockenhaftung und Rollwiderstand (Nokian).

Nur ein respektive vier Zehntelpunkte dahinter rollen die gleichfalls für „noch empfehlenswert“ befundenen Reifen der beiden südkoreanischen Hersteller Hankook (7,7 Punkte) und Kumho (7,4 Punkte) ins Ziel. Ersterer wusste zwar wohl mit ordentlichen Bremsleistungen auf Schnee und seiner Fahrstabilität, einem direkten Ansprechen und Präzision auf trockener Fahrbahn zu glänzen. Aber dem stünden – schreibt AMS – „Schwächen in Seitenführung und Fahrstabilität auf Schnee sowie im Nassbremsen“ genauso gegenüber wie ein „leichtes Brummgeräusch im Auslauf“. Dem anderen Koreaner wird ein „etwas instabiles Heck bei Spurwechsel und Handling trocken“ angekreidet sowie ebenfalls seine Geräuschentwicklung in Form von einem leichten „Wummern im Auslauf“ und bei Schräglauf. Dafür konnte der „WinterCraft WP71“ Duftmarken mit seinen kurzen Bremswegen auf Schnee und bei Trockenheit setzen sowie mit als akzeptabel beschriebenen Bremsleistungen und einer harmonischen Fahrzeugbalance bei Nässe. Mit 6,8er-Wertung Letzter des Vergleiches werden dem Cooper-Reifen akzeptable Trockenbremswege und ordentliche Traktion auf Schnee positiv angerechnet seitens der Tester. „Auf trockener Bahn träge im Anlenken, wenig spurtreu, schwacher Komfort, schmaler Grenzbereich auf Nässe, hoher Rollwiderstand, Brummen im Auslauf“ lauten demgegenüber jedoch ihre ungleich zahlreicheren Negativeindrücke. christian.marx@reifenpresse.de

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