Geänderte Reifentestkonstellationen – ADAC ohne Stiftung Warentest

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Über Nokians Schummeleien hinaus sorgt nicht nur ein Teil der Ergebnisse der diesjährigen Sommerreifentests hier und da für Freud’ oder Leid bzw. Diskussionsstoff – wieder einmal wegen der Vermutung einer vermeintlich systematischen Benachteiligung bestimmter (meist aus Fernost stammender) Hersteller/Marken. Aufseiten der Tester selbst ist ebenfalls so manches in Bewegung geraten bzw. ist mittlerweile Vieles nicht mehr so, wie es noch vor Kurzem war.

Lange Zeit und noch im vergangenen Winter haben die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) und der Autoclub Europa (ACE) gemeinsam Reifentests durchgeführt. Doch in diesem Jahr zeigen sich neue Partnerkonstellationen. Denn auch wenn das Blatt selbst die Sache nicht an die große Glocke hängt, so hat die Autozeitung bei ihrem aktuellen und am 24. Februar in der Ausgabe 6/2016 erschienen Sommerreifentest diesmal doch mit der Stuttgarter Prüforganisation GTÜ kooperiert und beide veröffentlichen von daher identische Resultate.

Dafür wiederum hat der ACE bei seinem jüngsten Test preisgünstiger Sommerreifen jedoch weiterhin den ARBÖ (Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs) mit im Boot gehabt. „Der ARBÖ ist schon seit 2011 Partner des ACE beim Reifentest. Leider ging dies immer etwas unter“, erklärt Gunnar Beer, Redakteur beim Klubmagazin ACE Lenkrad. Daher seien die gemeinsamen Tests bis dato „sehr häufig“ schlicht als GTÜ-Test gehandelt worden. „Genau genommen wurde der Reifentest jedoch stets federführend vom ACE geplant und durchgeführt, seit 2011 unter meiner Verantwortung“, ergänzt er.

Von größerer Bedeutung dürfte allerdings sein, dass im Magazin Test vorerst wohl nichts mehr über Reifentests zu lesen sein wird, obwohl der ADAC gerade seine jüngsten Ergebnisse veröffentlicht hat. Seitens der hinter dem Blatt stehenden Stiftung Warentest, die dafür bislang nämlich immer mit dem ADAC und seinen europäischen Partnerklubs (ÖAMTC, TCS etc.) kooperiert hat, will man zu den Gründen dafür allerdings keine Stellung beziehen. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu den eigenen Tests bzw. Testverfahren und in sofern auch nicht dazu, ob und gegebenenfalls warum man mit dem ADAC diesbezüglich nicht mehr zusammenarbeite.

Das Blatt hängt es zwar nicht an die große Glocke, aber die Autozeitung hat bei ihrem in der Ausgabe 6/2016 erschienen Sommerreifentest mit der GTÜ kooperiert

Das Blatt hängt es zwar nicht an die große Glocke, aber die Autozeitung hat bei ihrem in der Ausgabe 6/2016 erschienen Sommerreifentest mit der GTÜ kooperiert

Fakt ist jedenfalls, dass weder im März-Heft von Test noch in einer der nächsten Ausgaben Reifentestergebnisse veröffentlicht werden, so viel ließ man auf Anfrage der NEUE REIFENZEITUNG darüber hinaus zumindest durchblicken. Zerstritten sei man mit dem ADAC allerdings keineswegs, war aus Berlin – Sitz der Stiftung Warentest – darüber hinaus noch zu hören. Demgegenüber hat der Automobilklub auf der anderen Seite freimütig bestätigt, dass in Sachen Reifentests die Zusammenarbeit mit der in der Bundeshauptstadt ansässigen Warentestorganisation beendet wurde. Demnach geht das Ganze jedenfalls auf eine Entscheidung der Berliner zurück.

Welche Gründe hinter dem Schritt der Warentester stehen, weiß man beim ADAC allerdings nicht. Bei der Gelegenheit bestätigt der Klub die Aussagen aus der Bundeshauptstadt, wonach beide Seiten bei anderen Projekten – beispielhaft genannt werden unter anderem gemeinsame Tests von Fahrradhelmen oder Kindersitzen – durchaus weiterhin kooperieren. Nur eben nicht mehr bei Reifentests. Ob dies nur von vorübergehender Natur ist, ob die Stiftung Warentest für die Zukunft etwas Neues in Bezug auf Reifentests plant und gegebenenfalls was oder ob diese dann vielleicht gar mit einem anderen Partner als bisher aufgezogen werden sollen, darüber lässt sich angesichts des Schweigens der Berliner derzeit nur spekulieren. christian.marx@reifenpresse.de

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