Europäischer Automarkt erholt sich scheinbar

Der europäische Automarkt scheint sich langsam zu erholen. Das jedenfalls scheinen die neuesten Zahlen des Europäischen Verbands der Automobilhersteller (ACEA) zu belegen. Nachdem im Mai die Anzahl der Pkw-Neuzulassungen in der Europäischen Union (EU) und den EFTA-Staaten (Island, Liechtenstein, Schweiz, Norwegen) noch um 5,2 Prozent gefallen war, stieg sie im Juni (im Jahresvergleich) mit 1.315.263 Neuzulassungen wieder um 2,9 Prozent an. Der ACEA ist der Ansicht, dass diese Verbesserung nach Monaten des Rückgangs auf ein Ende der ökonomischen und politischen Unsicherheiten hindeutet. In Deutschland allerdings wurden im Juni 5,3 Prozent weniger Autos neu angemeldet (292.000), während der ACEA für Mai noch eine kräftige Steigerung von 6,9 Prozent in Deutschland errechnete. Wie in jedem Monat registrierte der Verband der Automobilhersteller auch für Juni wieder stark gegensätzliche Entwicklungen. In neun der 15 EU-Staaten etwa stiegen die Neuzulassungen an, darunter Finnland (35,3 %) aber auch die für die Automobilbranche wichtigen Märkte Großbritannien (15,8 %) und Spanien (9,7 %). In den restlichen EU-Staaten fiel diese Zahl, teilweise sogar dramatisch: Portugal (-25,2 %), Dänemark (-24,8 %), Luxemburg (voraussichtlich -9,2 %). Unter den EFTA-Staaten fällt insbesondere Island auf, wo im Juni 2003 insgesamt 29,6 Prozent mehr Neufahrzeuge zugelassen wurden als noch ein Jahr zuvor. Diese Zahl muss allerdings relativiert werden, da ihr lediglich 320 Neuzulassungen mehr zugrunde liegen – der isländische Automarkt ist äußerst klein. Betrachtet man die Halbjahreszahlen in der EU und der EFTA, geht der mittelfristige Trend bei den Neuzulassungen ebenfalls zurück. So wurden von Januar bis Juni 2,6 Prozent weniger Pkw zugelassen als noch im selben Vorjahreszeitraum; allein innerhalb der EU waren dies 2,4 Prozent. In der Halbjahresbewertung steht lediglich bei vier Staaten ein Plus vor der Prozentzahl, darunter aber keiner der größeren europäischen Automobilmärkte. Auf den vier Märkten, die pro Semester mehr als eine Million Pkw-Neuzulassungen registrieren (Frankreich: 1.069.178; Italien: 1.237.400; Großbritannien: 1.347.485; Deutschland: 1.671.157), sind die Zulassungszahlen konstant geblieben (Großbritannien) oder zurückgegangen (Frankreich: -7,7 %). In Deutschland liegt der Rückgang bei den Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2003 mit -1,3 Prozent noch unter dem europäischen Durchschnitt von 2,6 Prozent. Zum wiederholten Mal zählten die Marken aus Fernost zu den Gewinnern auf dem europäischen Automarkt. Die koreanischen und japanischen Autobauer konnten im Juni im Vergleich zum selben Vorjahresmonat beinahe allesamt zweistellige Steigerungsraten bei den Neuzulassungen verbuchen. Kia ließ mit einem Zuwachs von 68,1 Prozent alle anderen zwar weit hinter sich, aber auch Mazda (+23,6 %) und Hyundai (+18,4 %) können sich nicht beklagen. Selbst im Halbjahresvergleich errechnet der ACEA ähnliche Zuwächse bei den Koreaner und Japanern. Unter den deutschen Autobauern macht neben Opel (+7,7 %; General Motors Group insgesamt: +6,9 %) lediglich BMW im Juni eine gute Figur mit einem Plus von 8,4 Prozent, das allerdings stark dem Mini zu verdanken ist. Aber auch die Hausmarke BMW legte um fünf Prozent zu. Die VW-Gruppe konnte sich lediglich mit Škoda (+3,4 %) und Seat (+0,2 %) dem positiven europäischen Gesamttrend bei den Neuzulassungen im Juni anschließen; bei Audi und VW gingen die Zahlen – wenn auch leicht – zurück. Ford und DaimlerChrysler plagen ähnliche Probleme mit Rückgängen von 5,2 beziehungsweise 4,8 Prozent. Das Sorgenkind der schwäbischen Autobauer ist insbesondere die Marke Chrysler, die 22,5 Prozent gegenüber Juni 2002 verlor; dafür legte der Smart mit 8,9 Prozent zu. Auch die französischen Automobilhersteller der PSA-Gruppe (Citroën, Peugeot) sowie die Fiat-Gruppe müssen sich mit leichten Rückschritten bescheiden. Im Halbjahresvergleich wird der allgemeine Trend bei den einzelnen Autobauern – bis auf General Motors – bestätigt. arno.borchers@reifenpresse.de

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