Studie: Osteuropa lockt Autohersteller mit billiger Arbeit

Der Trend in Richtung Osten ist nicht nur bei den Zulieferern stark, sondern auch bei den europäischen Autobauern ungebrochen. Wie englische Analysten jetzt in einer Studie prognostizieren, werde die Zahl der von westlichen Firmen in den osteuropäischen Billiglohnländern hergestellten Fahrzeuge zwischen 2001 und 2006 um etwa 1,2 Millionen Stück ansteigen. Somit steige die Produktion von rund 1,6 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge auf dann rund 2,8 Millionen. Das macht eine Steigerung von 75 Prozent innerhalb von sechs Jahren aus. Der Anteil der produzierten Stückzahlen in den vermeintlichen Billiglohnländern werde aber dennoch nur 14 Prozent an der europäischen Gesamtproduktion betragen, schätzen die Analysten. Derzeit liegt der Anteil bei rund zehn Prozent (2001: 8,7 %). Wie die Studie zeigt, wird insbesondere bei Fiat, Toyota und VW ein vergleichsweise hoher Anteil der produzierten Stückzahlen in osteuropäischen Billiglohnländern hergestellt. Bei Volkswagen sind es derzeit 22 Prozent, wobei die Analysten für die kommenden drei Jahre nicht von Änderungen ausgehen. Anders hingegen Fiat und Toyota: Die japanischen Autobauer produzierten im Jahr 2001 noch keine Autos in Osteuropa. Dies hat sich bereits geändert und wird sich auch in Zukunft weiter ändern. Derzeit liegt der Anteil bereits bei 18 Prozent; im Jahr 2006 erwarten die Analysten einen Anteil von immerhin 32 Prozent. Und die Toyota Motor Corp. Plant schon weiter: Im übernächsten Jahr soll eine neue Fabrik in Tschechien die Produktion aufnehmen. Auch Fiat wird seine Produktion in den osteuropäischen Billiglohnländern in Zukunft von derzeit 20 Prozent auf dann 26 Prozent steigern. Andere Autohersteller werden ihre Engagements und Produktionszahlen in Osteuropa in Zukunft ebenfalls erweitern, aber auf niedrigerem Niveau, wie die englischen Analysten vorrechnen. Dazu zählen PSA Peugeot Citroën, General Motors aber auch Renault und Ford. Den Vorteil der osteuropäischen Produktionsstätten sehen die Analysten eindeutig in den geringen Arbeitskosten. Wie in der Studie vorgerechnet wird, liegen die Kosten für die Mitarbeiter in Ländern wie Polen, Tschechien oder der Slowakei vier bis fünf Mal niedriger als in Westeuropa. Und da etliche Zulieferer wie etwa die Erstausrüster der Reifenindustrie mittlerweile ebenfalls ihre Produktionen insgesamt oder zumindest in Teilen in die mittel- und osteuropäischen Reformstaaten verlegen (Beispiele sind hier: Continental, Goodyear, Bridgestone), ergeben sich beim Autobau große Einsparungsmöglichkeiten, die die Analysten auf 500 bis 600 Euro pro Auto taxieren. Allerdings produzieren die Autohersteller im Osten Europas oftmals billige Markteintrittsprodukte, so die Experten in ihrer Studie. Um den Absatz dieser Fahrzeuge profitabel zu gestalten, sei es nach Meinung der Analysten ein Muss, die Produktion auf billige Standorte zu verlagern.

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