Freudige Erwartung – Motorrad(reifen)branche sehnt Saisonstart herbei

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Zieht man die Motorradmessen dieses Frühjahrs als Gradmesser dafür heran, wie die Zweiradsaison 2012 wohl werden wird, dann kann die Prognose nur eine positive sein. Denn über eine Mangel an Besuchern konnte sich schließlich keine der Messen von Berlin über Hamburg, Leipzig und München bis nach Dortmund beklagen. Ergo: Die Lust am Motorrad scheint ungebrochen und mit Blick auf die 2011 seit langen Jahren Opens external link in new windowerstmals wieder gestiegene Zahl neu zugelassener motorisierter Zweiräder sogar zunehmend zu sein. Davon kündet auch ein Absatzplus bei entsprechenden Bereifungen, von dem der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) für das Opens external link in new windowdeutsche Ersatzgeschäft 2011 zu berichten weiß. Klar, dass die Branche diesen Schwung in die neue Saison mitnehmen will.

Von einem Opens external link in new window„großen Ansturm“ auf die Messe berichtet beispielsweise die Organisatorin der Internationale Motorradausstellung (IMOT) in München, auf der sich traditionell auch so mancher Reifenhersteller präsentiert. Ähnlich positiv fällt die Bilanz für die „Motorräder 2012“ in Dortmund aus, auch wenn das angepeilte Ziel von wenigstens 100.000 Besuchern Opens external link in new windownicht ganz erreicht wurde. Trotzdem herrschte am Eröffnungstag dichtes Gedränge vor den Eingängen zu den Westfalenhallen: Den Zweiradfans kann es augenscheinlich also wirklich nicht schnell genug gehen, bis sie wieder auf ihre Maschinen steigen können. Vor der ersten Ausfahrt sollte immer jedoch auch ein Blick auf die Bereifung der eigenen Maschine auf der Tagesordnung stehen. Und steht mittelfristig ein Wechsel der schwarzen Rundlinge aus Gummi an, wo könnte man sich als Endverbraucher besser über Neues aus diesem Bereich informieren als auf den Frühjahrsmessen?

Insofern wenig verwunderlich, dass die in diesem Marktsegment aktiven Hersteller dort nahezu ausnahmslos Flagge zeigten. Dabei könnte man das jeweils im Rahmen der Messe Gezeigte doch eher als „Evolution statt Revolution“ beschreiben: Mehr oder weniger gab es in Sachen Motorradreifen zumeist lediglich Weiterentwicklungen der einen oder anderen Art zu entdecken. Wie könnte es anders auch sein? Im vergangenen Jahr ist schließlich schon eine Vielzahl neuer Modelle vorgestellt worden, sodass alle Hersteller durch die Bank eine recht junge Produktpalette am Start haben. Einzig Bridgestone schickt in diesem Jahr in Form des Opens external link in new window„Battlax Hypersport S20“ ein komplett neues Modell ins Rennen, und seit Anfang des Jahres ist zudem noch Contis Opens external link in new window„SportAttack 2“ als Neuheit im Handel erhältlich. Aber freilich ist 2012 für viele der erst spät im vergangenen Jahr präsentierten/angekündigten Motorradreifen – beispielsweise Dunlops Opens external link in new window„RoadSmart II“ oder auch Pirellis Opens external link in new window„Diablo Supercorsa SP“– die erste volle Saison am Markt.

Gleiches gilt für den Opens external link in new window„Commander II“ sowie die für rennbegeisterte Motorradfahrer gedachten Reifen Opens external link in new window„Power Cup“, „Power Slick“ und „Power Rain“ der Marke Michelin, welche die Leser der Zeitschrift Motorrad gerade erst ein weiteres Mal zur aus ihrer Sicht besten Reifenmarke Opens external link in new windowgewählt haben. Die (gestiegene) Beliebtheit von Michelin-Motorradreifen im Markt spiegelt sich so auch in einer – allerdings nicht repräsentativen – Stichprobe der NEUE REIFENZEITUNG wider. Wie schon einmal im Jahr 2008 haben wir dazu einen Blick auf die Bereifungen der am Eröffnungstag der „Motorräder 2012“ vor den Messehallen geparkten Maschinen geworfen und für knapp 200 der dort abgestellten Fahrzeuge mit mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum (ohne Roller) die jeweils montierte Reifenmarke festgehalten. Ein Vergleich mit derselben Erhebung vier Jahre zuvor zeigt: Bridgestone hat an Gewicht verloren, Michelin dafür zugelegt.

Ansonsten sind alle anderen beobachteten (leichten) Veränderungen schon allein mit Blick auf den Zählansatz mit vergleichsweise wenig Maschinen, in einer geografisch eng begrenzten Region und zu einem relativ frühen Zeitpunkt in der Saison keiner besonderen Erwähnung wert. Mehr als ein Trend lässt an unseren Daten somit zwar nicht ablesen, aber auch nicht weniger. Kein Wunder, dass sich Jürgen Ihl, Leiter des Geschäftsbereichs Zweiradreifen Deutschland, Österreich, Schweiz und Zentraleuropa bei Michelin, zufrieden mit der Absatzentwicklung 2011 im deutschen Motorradreifenersatzgeschäft zeigt und schätzt, dass die Zahl der vom Handel in Richtung Endverbraucher vermarkteten Motorradreifen um irgendwo zwischen drei und fünf Prozent zugelegt hat. Damit liegt Ihl mehr oder weniger auf einer Wellenlänge mit den anderen Spielern des Marktes, selbst wenn der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) für das zurückliegende Jahr von einem bei 1,3 Millionen Einheiten stagnierten Ersatzmarktvolumen ausgeht.

Allerdings hatte der BRV für 2010 von einem sehr starken Zuwachs des Motorradreifenabsatzes in Deutschland berichtet, der für nicht wenige in der Branche Opens external link in new windownicht vollziehbar erschien. Wie dem auch sei: Für 2012 prognostiziert der Reifenhandelsverband ein leichtes Plus von nicht einmal einem Prozent. Um die Nachfrage ein wenig anzuheizen, haben Hersteller wie Michelin und Metzler Frühjahrsaktionen aufgelegt. Im Aktionszeitraum bis zum 30. April werden Opens external link in new windowRückerstattungen (Michelin) und Opens external link in new windowTankgutscheine (Metzeler) beim Motorradreifenkauf versprochen. Wer dabei einen genaueren Blick auf die entsprechenden Metzeler-Aktionsmedien wirft oder den Messestand des Herstellers in Dortmund besucht hat, dem bleibt bzw. blieb nicht verborgen, dass der Opens external link in new window„Roadtec Z8 Interact“ neuerdings mit einer Opens external link in new windowMehrkomponentenlaufflächenmischung angeboten wird. Das ist umso bemerkenswerter, als dass es bei Metzler bzw. Pirelli bei diesem Thema bisher meist hieß, so etwas müsse dank der konzerneignen „Interact“-Technologie nicht zwangsläufig bei den Motorradreifen des Unternehmens zum Einsatz kommen.

Deswegen hatten die aktuellen Metzeler-Produkte „Racetec Interact“, „Sportec M5 Interact“ und „Roadtec Z8 Interact“ bislang nur eine Laufflächenmischung. Nun hat bei dem Hersteller zumindest mit Blick auf einige Hinterraddimension des letztgenannten Modells ein Umdenkprozess eingesetzt. Denn seit Neuestem gibt es den „Roadtec Z8 Interact“ nämlich auch mit einer weicheren Mischung zu den Reifenschultern hin und einer etwas härteren in der Laufflächenmitte. Von dem geänderten Konzept sollen vor allem die Nässeeigenschaften des Reifens profitieren, wie man unter Verweis auf eine beim „Motorrad TestCenter“ in Auftrag gegeben Untersuchung zu berichten weiß. Die Versionen des „Roadtec Z8 Interact“ der beiden neu entwickelten Spezifikationen „(M)“ und „(O)“, die in der Größe 120/70 ZR17 M/C (58W) für das Vorderrad sowie in den Dimensionen 180/55 ZR17 M/C (73W), 190/50 ZR17 M/C (73W) und 190/55 ZR17 M/C (75W) für das Hinterrad angeboten werden, sollen in puncto Fahreigenschaften bei Nässe dabei jedenfalls die zum Vergleich ausgewählten Konkurrenzprodukte samt und sonders hinter sich gelassen haben.

„Wir bei Metzeler pflegen traditionell eine große Nähe zu unseren Kunden“, sagt Michael Müller, Leiter Vertrieb und Marketing für Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Daher konnten wir nun schnell auf die Rückmeldung all jener ‚Z8‘-Fahrer reagieren, die zwar von der Trockenperformance des ‚Roadtec’ begeistert sind, sich aber noch ein Plus an Nassgrip gewünscht haben. Um dies zu erreichen, haben wir jedoch nicht nur einfach den Silica-Anteil erhöht. Vielmehr kommt beim neuen ‚Z8‘ eine komplett neue Mischungstechnologie zum Einsatz, die uns nicht nur ein großes Plus beim chemischen Grip, sondern auch ein spürbar breiteres Temperaturfenster beschert. Und das alles, ohne dass wir bei der schon bislang sehr guten Trockenperformance des ‚Z8‘ Kompromisse eingehen mussten“, erklärt er das Umschwenken in Sachen Mehrkomponentenlaufflächenmischung.

Die Spezifikationen „(M)“ und „(O)“ basieren demnach auf einem speziell für „High-Silica“-Mischungen neu entwickelten Mischungsprozess, bei dem eine ganze Palette neu entwickelter bzw. im Hinblick auf die Anforderungen der neuen „Z8“-Laufflächen optimierter Inhaltsstoffe – wie Polymere und Harze – genutzt werde. „So wurde nicht nur der chemische Grip (Mikroverzahnung) auf nassem Asphalt deutlich verbessert, auch der Bereich der optimalen Arbeitstemperatur konnte spürbar erweitert werden. Im Temperaturbereich von vier bis 35 Grad Celsius Außentemperatur stellt der Reifen optimalen Grip zur Verfügung und gewährleistet ein sehr schnelles Warm-up. Sowohl bei niedrigen Temperaturen als auch bei Sommerhitze“, verspricht Metzeler. Von außen – also im Hinblick auf Profildesigns und Reifenkontur – unterscheiden sich die neuen allerdings von den bisherigen Ausführungen des „Roadtec Z8 Interact“.

Etwas einerseits komplett Neues und andererseits doch zumindest teilweise schon Bekanntes hat auch Continental bei der „Motorräder 2012“ vorgestellt. Gemeinsam mit dem BMW-Motorradzubehöranbieter Wunderlich wurde nämlich Opens external link in new windowwieder ein Projekt-Bike auf die Räder gestellt, das mit dem grobstolligen „TKC 80“ des hannoverschen Reifenherstellers Opens external link in new windowin neuen Dimensionen bereift ist. Doch selbst wenn der Ausbau der Angebotspalette hier und da sowie Weiterentwicklungen bestehender Produktlinien sicherlich nicht für einen ganz großen Schub in Sachen Motorradreifenabsatz in Deutschland werden sorgen können, so lässt sich nichtsdestoweniger daran ablesen, dass nicht nur die Motorradfahrer, sondern auch die Industrie sowie der Handel schon mit „den Hufen scharren“ und der neuen Zweiradsaison entgegenfiebern. Daran dürften auch die vom Industrieverband Motorrad e.V. (IVM) Opens external link in new windowzuletzt veröffentlichten Zulassungszahlen für motorisierte Zweiräder in Deutschland nicht allzu viel ändern können. christian.marx@reifenpresse.de

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