Conti-Umsatz deutlich rückläufig – Rubber Group leistet Stabilisierung

Der Continental-Konzern hat im Krisenjahr 2009 seine operative Leistungskraft unter Beweis gestellt und unter schwierigsten Rahmenbedingungen seine Netto-Finanzschulden um rund 1,6 Milliarden Euro auf knapp 8,9 Milliarden Euro abgebaut. Der internationale Automobilzulieferer konnte durch fokussiertes Liquiditätsmanagement seinen Free Cashflow im Vergleich zu 2008 auf rund 1,64 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Wird der Erlös der im Januar 2010 realisierten und zum Schuldenabbau eingesetzten Kapitalerhöhung in Höhe von rund einer Milliarde Euro berücksichtigt, liegen die Netto-Finanzschulden bei rund 7,8 Milliarden Euro. Trotz des krisenbedingten massiven Umsatzrückgangs und branchentypisch hoher Fixkostenbelastung erreichte Continental ein bereinigtes operatives Ergebnis in Höhe von 1.165,8 Millionen Euro. Bei einem Konzernumsatz von rund 20 Milliarden Euro ergibt sich eine bereinigte Marge von 5,8 Prozent, so der Automobilzulieferer und Reifenhersteller in einer Veröffentlichung.


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„Continental hat in der größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten trotz des absolut unbefriedigenden negativen Konzernergebnisses ungebrochene Widerstandskraft bewiesen. Wir haben die operative Basis mit Restrukturierungsprogrammen verbessert, das wird zunehmend positive Wirkung zeigen. Gleichzeitig haben wir bereits im dritten Quartal mit Goodwill-Abschreibungen in der Automotive Group in Höhe von rund 876 Millionen Euro Risiken bereinigt und obendrein mit dem erfolgreich umgesetzten Refinanzierungspaket unsere Finanzierungs- und Kapitalstruktur deutlich verbessert. Damit sind die Grundlagen gelegt, von der erwarteten Erholung der Märkte in den kommenden Jahren überproportional zu profitieren“, sagte der Continental-Vorstandsvorsitzende Dr. Elmar Degenhart am Dienstag während der Jahrespressekonferenz in Frankfurt/Main.

Degenhart verwies auf die kontinuierliche Verbesserung der operativen Ergebnisse im Jahresverlauf. Das bereinigte Konzern-EBIT (EBIT bereinigt um Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte aus PPA, Konsolidierungskreisveränderungen und Sondereffekte) betrug im vierten Quartal 504 Millionen Euro, nach 413 Millionen Euro im dritten Quartal, 283 Millionen Euro im zweiten Quartal und minus 34 Millionen Euro im ersten Quartal 2009. Mit knapp 5,7 Milliarden Euro lag der Konzernumsatz im vierten Quartal um rund 600 Millionen Euro und damit erstmals für 2009 über dem jeweiligen Vergleichswert des Vorjahresquartals.

Der Vorstandsvorsitzende hob den stabilisierenden Beitrag der Rubber Group für das Unternehmen hervor: „Der Rubber Group ist es trotz starker Umsatzrückgänge gelungen, im Krisenjahr 2009 ein operatives Ergebnis (EBIT) von 656 Millionen Euro zu erzielen. Bereinigt lag das operative Ergebnis sogar über einer Milliarde Euro und damit besser als der Vorjahreswert. Das entspricht bei einem Umsatz von rund acht Milliarden Euro einer Marge von 12,9 Prozent. Das ist eine bemerkenswerte Leistung aller drei Divisionen, begünstigt durch den Rückenwind der positiven Entwicklung der Rohstoffkosten.“

Degenhart wies außerdem darauf hin, dass die Automotive Group 2009 ein bereinigtes operatives Ergebnis von 192 Millionen Euro erzielte, wobei allein im vierten Quartal knapp 207 Millionen Euro zu Buche standen. „Die Division Chassis & Safety hat mit einem bereinigten operativen Ergebnis von mehr als 350 Millionen Euro an alte Margenstärke angeknüpft. Die Division Interior konnte bereinigt operativ klar schwarze Zahlen schreiben. Alleine die Division Powertrain weist auch bereinigt ein deutlich negatives operatives Ergebnis aus, weil sie inmitten eines komplexen und langfristig angelegten Restrukturierungsprogramms von der Krise besonders hart getroffen worden ist. Allerdings zeigt sich auch in der Division Powertrain eine kontinuierliche Verbesserung der Ergebnisse. Für diese Division gilt das Ziel, im Jahr 2011 auf Basis des bereinigten operativen Ergebnisses den Break-even zu erreichen.“

Umsatz und Ergebnis 2009

Der Konzernumsatz verringerte sich im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4.143,0 Millionen Euro bzw. 17,1 Prozent auf 20.095,7 Millionen Euro (Vj.: 24.238,7 Millionen Euro). Das bereinigte operative Ergebnis des Konzerns verringerte sich 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 581,2 Millionen Euro bzw. 33,3 Prozent auf 1.165,8 Millionen Euro (Vj.: 1.747,0 Millionen Euro) und entspricht 5,8 Prozent (Vj.: 7,3 Prozent) des bereinigten Umsatzes.

Das bereinigte EBIT des Konzerns stieg während des vierten Quartals 2009 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 259,5 Millionen Euro bzw. 106,3 Prozent auf 503,7 Millionen Euro (Vj.: 244,2 Millionen Euro) und entspricht 8,9 Prozent (Vj.: 4,8) des bereinigtes Umsatzes. Im dritten Quartal 2009 ergab sich auf vergleichbarer Basis ein bereinigtes EBIT in Höhe von 413,4 Millionen Euro. Das operative Konzernergebnis (EBIT) verringerte sich in 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 744,2 Millionen Euro bzw. 251,2 Prozent auf minus 1.040,4 Millionen Euro (Vj.: minus 296,2 Millionen Euro). Die Umsatzrendite reduzierte sich auf minus 5,2 Prozent (Vj.: minus 1,2 Prozent). Die Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte aus Kaufpreisallokation (PPA) verringerten das operative Ergebnis (EBIT) in 2009 um 455,2 Millionen Euro (Vj.: 506,2 Millionen Euro). Für den Konzern beträgt die Belastung durch Sondereffekte in 2009 insgesamt 1.755,4 Millionen Euro (Vj.: 1.571,3 Millionen Euro). Das den Anteilseignern zuzurechnende Konzernergebnis reduzierte sich um 525,7 Millionen Euro auf minus 1.649,2 Millionen Euro (Vj.: minus 1.123,5 Millionen Euro). Dies entspricht einem Ergebnis pro Aktie von minus 9,76 Euro (Vj.: minus 6,84 Euro).

Finanzen und Investitionen

Das Zinsergebnis verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr um 14,1 Millionen Euro auf minus 720,8 Millionen Euro (Vj.: minus 706,7 Millionen Euro). Grund ist unter anderem das im Vergleich zum Vorjahr höhere Margenniveau des VDO-Kredits, das durch das im Jahresdurchschnitt 2009 deutlich niedrigere Marktzinsniveau nicht vollständig kompensiert werden konnte. Die Netto-Finanzschulden reduzierten sich gegenüber dem Jahresende 2008 um 1.588,0 Millionen Euro auf 8.895,5 Millionen Euro (Vj.: 10.483,5 Millionen Euro). Damit beträgt die Gearing Ratio 219,0 Prozent (Vj.: 189,6 Prozent) und liegt trotz der Reduzierung der Netto-Finanzschulden aufgrund des im Vergleich zum Ende des Vorjahres reduzierten Eigenkapitals über dem Vorjahresniveau.

Für das Geschäftsjahr 2009 ergibt sich ein Free Cashflow in Höhe von 1.640,3 Millionen Euro (Vj.: 628,5 Millionen Euro). Dies entspricht einer Steigerung von 1.011,8 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Positiv wirkte 2009 der Abbau des Working Capital um 595 Millionen Euro. Hinzu kamen Einmaleffekte aus der Veränderung der Pensionsverbindlichkeiten von insgesamt 683 Millionen Euro. „Wir haben konsequent daran gearbeitet, den Free Cashflow zu verbessern. Die meisten der genutzten Effekte lassen sich aber im laufenden Jahr nicht wiederholen“, erläuterte Continental-Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. Der Aufwand für Forschung und Entwicklung (F&E) reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um 141,9 Millionen Euro bzw. 9,5 Prozent auf 1.356,3 Millionen Euro (Vj.: 1.498,2 Millionen Euro) und beträgt 6,7 Prozent vom Umsatz (Vj.: 6,2 Prozent). „Wir haben unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung dort angepasst, wo es mit Blick auf Kundenprojekte möglich war. Wichtig war uns dabei, unsere Innovationskraft abzusichern“, erklärte Degenhart. Die Investitionen beliefen sich 2009 auf 860,1 Millionen Euro nach 1.595,2 Millionen Euro im Vorjahr. Die Investitionsquote beträgt 4,3 Prozent (Vj.: 6,6 Prozent). Gegenüber 2008 sank die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Continental-Konzerns in Folge der Wirtschaftskrise um 4.721 auf 134.434 Beschäftigte (Vj.: 139.155).

Ausblick

„Für das Jahr 2010 rechnen wir mit einem Anstieg der weltweiten Produktionsvolumina für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge von etwa sieben Prozent gegenüber 2009 sowie mit einer Erholung der Pkw-Ersatzreifenmärkte in der Größenordnung zwischen zwei und vier Prozent in den Regionen Europa und Nordamerika. Die Absatzchancen auf dem Lkw-Ersatzreifenmarkt zu bestimmen, bleibt weiter schwierig, aber auch hier deutet vieles auf eine Erholung von einem sehr niedrigen Niveau hin. Das Wachstum für die Weltwirtschaft wird laut jüngsten Prognosen auf bis zu 4 Prozent für das Jahr 2010 geschätzt. Für Europa wird aber nur ein Wachstum von 1 Prozent prognostiziert“, heißt es dazu weiter in der Continental-Veröffentlichung.

„Vor diesem Hintergrund erwarten wir für den Konzern ein Umsatzwachstum von mindestens fünf Prozent im Jahr 2010 und eine deutliche Verbesserung des bereinigten operativen Ergebnisses im Jahr 2010 gegenüber 2009. Wir gehen derzeit davon aus, dass sich das bereinigte operative Ergebnis der Automotive Group auf Basis des zweiten Halbjahres 2009 weiter stabilisiert und sich gegenüber dem Gesamtjahreswert 2009 mindestens verdoppelt. In der Rubber Group soll das bereinigte operative Ergebnis in etwa auf dem hohen Niveau des Jahres 2009 verstetigt werden. Eine große Herausforderung sind hier die gerade seit November 2009 wieder deutlich gestiegenen Rohstoffkosten. Im Jahresverlauf 2010 rechnen wir mit deutlich geringeren Sondereffekten als im Vorjahr. Mit weiteren Abschreibungen auf den Goodwill ist nach der Anpassung im Jahr 2009 in Höhe von 876 Millionen Euro im laufenden Jahr aus unserer heutigen Sicht nicht zu rechnen. Für 2010 gehen wir von einem Anstieg der Investitionen um bis zu 400 Millionen Euro gegenüber 2009 aus.

Die steigenden Investitionen, ein weiterer Anstieg des Working Capital als Folge der Umsatzbelebung und der Mittelabfluss für die 2009 initiierten Restrukturierungsmaßnahmen werden die Möglichkeit zur Mittelfreisetzung (Free Cashflow) im Jahr 2010 deutlich begrenzen. Die Nettoverschuldung dürfte daher 2010 nach Rückführung durch die Mittel aus der Kapitalerhöhung nicht weiter deutlich absinken.

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