Nokian Tyres: Marktführer bei Premiumreifen

Für Nokian Tyres wird der russische Reifenmarkt seit der Inbetriebnahme der Fabrik in Vsevolozhsk in der Nähe von St. Petersburg mehr und mehr zum wirklichen Heimatmarkt, konnte der finnische Reifenhersteller doch im vergangenen Jahr erstmals mehr in Russland als in Finnland umsetzen. Mittlerweile stammt jeder vierte Euro Umsatz aus Russland und – wie der Hersteller immer wieder betont – korrespondierten die Margen, die das äußerst profitable Unternehmen in Russland erzielen kann, mit denen in den nordischen Märkten. Kein Wunder also, dass der Hersteller weit reichende Pläne für den russischen Reifenmarkt hat: Im aktuellen Geschäftsbericht etwa betont Nokian Tyres, dass die Produktionskapazität der neuen Fabrik bis 2011 auf bis zu zehn Millionen Pkw-Reifen mehr als verdoppelt werden soll. Dazu soll im Rahmen der zweiten Ausbaustufe am Standort eine weitere, eigenständige Fabrik entstehen.

„Unser Ziel ist es, in Russland Marktführer bei Premiumreifen zu sein“, verkündet das finnische Unternehmen, das erst im Juni 2005 die eigene Produktionsstätte in der Nähe von St. Petersburg in Betrieb nehmen konnte. Und die entsprechenden Ankündigungen dürften mehr als lediglich die Zusammenfassung schöner Sonntagsreden sein, gehört die Marke Nokian doch bereits heute zu den Marktführern im russischen Premiumsegment und kann es dort ohne Weiteres mit Michelin, Bridgestone, Goodyear und Co. aufnehmen. Auch der französische Weltkonzern betreibt in Russland eine eigene Produktionsstätte. In Davydovo in der Nähe von Moskau fertigt Michelin Pkw-Reifen für den lokalen Markt. Den aktuellsten der NEUE REIFENZEITUNG vorliegenden Statistiken zufolge (2005) dürfte Nokian über fünf bis sieben Prozent des russischen Pkw-Reifenmarktes verfügen. Dieser Markt allerdings besteht derzeit noch zu mehr als der Hälfte aus Reifen aus dem so genannten C-Segment, also dem Budget-Segment, in dem der finnische Hersteller keine Produkte anbietet und indem lokale Hersteller in der Regel nur – wenn überhaupt – geringe Marge erzielen. Folglich ist Nokians Bedeutung auf dem russischen Reifenmarkt und im stark wachsenden Premium- bzw. A-Segment sogar noch höher zu bewerten, als der oben genannte Marktanteil dies erscheinen lässt. Selbst wenn Nokian sich im Wettbewerb mit den anderen etablieren internationalen Reifenherstellern, die allesamt in Russland tätig sind, so stellt die Präsenz eigener Produktionskapazitäten in Russland doch offenbar einen nicht zu vernachlässigbaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz dar.

Die Produktionsstätte in Vsevolozhsk in der Nähe von St. Petersburg ermöglicht es dem Hersteller aus Finnland (vom Werk in Russland bis nach Helsinki sind es keine 400 Kilometer), von Steuerbefreiungen zu profitieren. Außerdem muss das Unternehmen keine Importzölle auf Reifen zahlen, die im Land selber gefertigt werden. Zusammen mit den teilweise wesentlich geringeren Produktionskosten in Russland – Arbeitslöhne, Rohstoffpreise, Energiekosten – könnten sich die Investitionskosten für die State-of-the-Art-Fabrik in Höhe von 150 Millionen Euro (bis einschließlich 2007) alsbald amortisieren. Dennoch: Nokian Tyres muss immer noch etliche Reifen aus Finnland nach Russland exportieren – wie auch anders herum ein Warenaustausch stattfindet –, da die lokalen Produktionskapazitäten für die Befriedigung der Nachfrage auf dem russischen Markt nicht ausreichen.

Um die geplanten Marktziele in Russland zu erreichen, setzt Nokian Tyres aber nicht nur auf Produktionskapazitäten und die Qualität der eigenen Produkte. Der Hersteller baut parallel zur Reifenfabrik in St. Petersburg auch seine Reifenhandelskette Vianor in Russland intensiv aus. Während Nokian 2005 noch 22 eigene Outlets in Russland betrieb, waren dies zum Ende des vergangenen Jahres bereits 70 Vianor-Outlets. Im Laufe dieses Jahres sollen weitere 50 Verkaufspunkte hinzukommen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis der finnische Hersteller in Russland ein ähnlich dichtes Netzwerk an eigenen Point-of-Sales aufweist, wie dies in den nordischen Ländern mit derzeit insgesamt 191 Outlets der Fall ist. Die Vianor-Niederlassungen befinden sich beinahe ausnahmslos im Westen Russlands; nur einige, wenige liegen jenseits des Uralgebirges. Auch das im vergangenen Jahr neben der Fabrik eingeweihte Zentrallager mit einer Lagerkapazität von rund 600.000 Reifen sowie die beiden Logistikzentren in Moskau und in der Nähe von St. Petersburg helfen, die Versorgungssituation zu optimieren.

Dass Nokians Absatzstrategie seit Inbetriebnahme der neuen Fabrik in Russland nicht ohne Erfolg geblieben ist, zeigt sich bereits auf den ersten Blick in den aktuellen Geschäftsbericht. Während das Unternehmen 2005 in „Russland und den GUS-Staaten“ noch einen Umsatz von 109,5 Millionen Euro erzielte, was einem Anteil am Gesamtumsatz von rund 16 Prozent entsprach, waren dies im vergangenen Jahr bereits 198,4 Millionen Euro. Der Umsatz in Russland und den GUS-Staaten hat sich demnach nicht nur um 81,2 Prozent gesteigert, auch der Anteil am Gesamtumsatz liegt mittlerweile bei 23,7 Prozent. Anders ausgedrückt: Knapp 60 Prozent des zusätzlichen Umsatzes, den Nokian im vergangenen Jahr erzielen konnte (die Steigerung lag bei 149,4 Millionen Euro bzw. 21,7 Prozent auf jetzt 835,9 Millionen Euro), stammten aus Russland und den benachbarten GUS-Staaten. Dies wirft ein klares Schlaglicht auf die Bedeutung dieses Marktes für den finnischen Reifenhersteller, der dort eben mehr und mehr seinen Heimatmarkt findet.

Auch passt Nokians Produktpalette, die ihren Schwerpunkt ohne Frage bei Winterreifen hat, hervorragend zum russischen Reifenmarkt. Auch in Russland gibt es zwei Hauptsaisons im jährlichen Reifengeschäft, außerdem sind bespikte Reifen zulässig. Infolge dessen kann Nokian Tyres sein Geschäftsmodell, dass in Skandinavien oder auch Mittel- und Osteuropa erfolgreich ist, auch auf den russischen Markt anwenden und insofern von firmenintern vorhandenem Know-how profitieren. Dass sich das Stichwort „Know-how“ natürlich auch auf die entwickelten und gefertigten Produkte anwenden lässt, darf als gegeben angenommen werden. Am Standort in Vsevolozhsk in der Nähe von St. Petersburg stellt Nokian mittlerweile auch die Reifenmischungen her und hat darüber hinaus im vergangenen Jahr das Produktionsportfolio stark ausgeweitet. Gegenwärtig nimmt der Hersteller im übrigen eine dritte Produktionslinie in der bestehenden Fabrik in Betrieb; eine vierte soll noch im Laufe dieses Jahres hinzukommen.

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