Zuversichtlicher Start in die Motorradsaison 2007

Nachdem der Absatz sowohl von Motorrädern als auch den entsprechenden Bereifungen in den zurückliegenden Jahren stetig zurückgegangen ist, herrscht 2007 wieder so etwas wie Aufbruchstimmung in der Zweiradbranche. Eine günstige Konjunkturentwicklung sowie milde Temperaturen lassen darauf hoffen, dass in dieser Saison endlich wieder mehr Motorrad gefahren wird und es daher zu einer anziehenden Nachfrage nach Motorradreifen kommen wird.

Die Reifenhersteller stehen jedenfalls Gewehr bei Fuß und führen zum Saisonstart zahlreiche neue Reifenmodelle für die Zweiradfans ein. Zu sehen gab es viele der neuen Reifen im Rahmen der Messe „Motorräder“ in Dortmund, die nach wie vor – also trotz der alle zwei Jahre stattfindenden „Intermot“ – als größte jährliche Motorradmesse in Deutschland gilt. Allerdings scheint der aufseiten der meisten Branchenvertreter vorherrschende Optimismus in Sachen Zweiradgeschäft nicht eins zu eins auf den Endverbraucher durchgeschlagen zu haben. Denn als die „Motorräder 2007“ am 4. März ihre Tore schloss, hatten die Veranstalter mit alles in allem 112.000 Zuschauern einen leichten Besucherrückgang um fünf Prozent zu verzeichnen.

Doch dies kann die positive Grundstimmung nur leicht eintrüben. Denn in den Augen des Industrieverbandes Motorrad e.V. (IVM) ist Deutschland nach wie vor ein „Motorradland“. Abgeleitet wird dies aus dem hohen Bestand motorisierter Zweiräder hierzulande. Mehr als die laut IVM zum Jahreswechsel 2006/2007 zählenden über 5,7 Millionen Fahrzeuge weist im europäischen Vergleich kein anderes Land auf. „Vom Kraftfahrtbundesamt vorab gemeldete 3.969.103 Motorräder, Leichtkrafträder, Roller und Leichtkraftroller mit einem Hubraum von über 50 cm² plus 1.776.321 Mopeds, Mokicks und Mofas bis 50 cm² stellen den Gesamtbestand der aktuell im Verkehr befindlichen oder weniger als 18 Monate abgemeldeten 5.745.424 motorisierten Zweiräder dar“, teilt der Verband mit. Dieses Potenzial verdeutliche den hohen Stellenwert der Motorrad- und Rollerbranche in Deutschland als Wirtschafts- und Mobilitätsfaktor.

Dabei sollte nicht verschwiegen werden, dass die Branche in den zurückliegenden Jahren immer wieder Federn lassen musste. Soll heißen: Sowohl der Absatz neuer Maschinen als auch der von entsprechenden Bereifungen im Ersatzgeschäft war in der jüngeren Vergangenheit von Jahr zu Jahr um jeweils zwischen drei und fünf Prozent zurückgegangen (vgl. bereits NEUE REIFENZEITUNG 2/2007). Dass dieser Trend – zumindest bezogen auf den Verkauf neuer Maschinen – vorerst gestoppt sein könnte, leitet IVM-Hauptgeschäftsführer Reiner Brendicke zum einen aus der Neuzulassungsstatistik für 2006 ab. Während im ersten Halbjahr nämlich ein Minus von etwa neun Prozent auf rund 78.500 Maschinen (1. Halbjahr 2005: 86.300) zu beobachten war, kehrte sich der Trend im zweiten Halbjahr mit einem 9,2-prozentigen Plus auf 37.800 Motorräder mit einem Hubraum von 125 Kubikzentimetern oder mehr um (2. Halbjahr 2005: 34.600).

Freilich reichte die günstige Entwicklung während des zweiten Halbjahres nicht aus, den während der ersten sechs Monate 2006 aufgelaufenen Rückgang zu kompensieren. Schließlich lässt sich schon an den absoluten Zahlen (wie auch an nebenstehendem Schaubild) ablesen, dass vor allem in den Monaten März und April zulassungsseitig die Post abgeht. Aber immerhin – und außerdem lässt sich auch das Jahr 2007 ganz gut an. So wurden im Januar und Februar dieses Jahres über 29 bzw. sechs Prozent mehr Krafträder zugelassen als in den Vergleichsmonaten 2006. Ein Problem, das die Motorradbranche trotzdem nach wie vor beschäftigt, ist der fehlende Nachwuchs. Für Jugendliche scheint das motorisierte Zweirad nicht mehr so interessant zu sein, wie es dies in früheren Zeiten einmal war. Deshalb hat der IVM sich die verstärkte Ansprache junger Menschen auf die Fahnen geschrieben. Dazu wurde eigens ein Aktionsportal namens „Viva La Mopped“ ins Internet gestellt.

Seit März können Motorradfans und solche, die es werden wollen, über einen Video-Blog miterleben, was ausgewählte Musiker, Schauspieler und Sportler auf dem Weg zum Motorradführerschein erleben. Aber auch gestandene prominente Motorradfahrer werden sich mit selbst gefilmten Beiträgen verewigen. Den Anfang machte dabei Smudo von den „Fantastischen Vier“, der in nur 15 Sekunden den persönlichen Reiz des Zweiradfahrens erläutert. Dabei bedient sich das Portal der neuesten Technik, die es erlaubt, Videobeiträge der Prominenten direkt nach dem Filmen online zu stellen, sodass eine Community nur einige Minuten später am Geschehen teilhaben kann.

Host des Portals ist TV-Moderator Markus Schultze, der für MTV arbeitete und selbst bekennender Motorradfan ist. Im September läutet das Portal mit dem „Licence Camp 2007“ dann das Ende der Motorradsaison ein. Während einer dreitägigen Motorradtour auf Mallorca haben dann nicht nur die frisch gebackenen prominenten Motorradfahrer die Möglichkeit, das in den Fahrschulen Erlernte im sonnigen Süden zu genießen. Bundesweit können sich alle Zweiradfans über das Aktionsportal für eine Teilnahme an der Tour bewerben. Grundvoraussetzung ist lediglich der bestandene Führerschein in diesem Jahr und ein wenig Glück, um als Gewinner mit dabei zu sein. Ob’s hilft, wird man sehen.

Aber auch wenn die offiziellen Besucherzahlen der „Motorräder 2007“ leicht niedriger ausfielen als 2006, waren die Messehallen dennoch gut besucht. Zu sehen gab’s schließlich diverse neue Maschinen und natürlich auch zahlreiche neue Motorradreifen der in diesem Segment etablierten Hersteller, die nahezu geschlossen in Dortmund vertreten waren. Lediglich Cooper Avon suchte man diesmal vergebens. Die Reifenhersteller hoffen dabei natürlich ebenso wie die Motorradanbieter, dass es in diesem Jahr nun endlich mal wieder vorwärts geht. Wobei die Reifenproduzenten weniger in Richtung Neuzulassungen schielen, sondern vielmehr den Fahrzeugbestand und die jährliche Fahrleistung der Zweiradfans als Gradmesser für den Reifenabsatz heranziehen.

Der Bestand erklimmt Jahr auf Jahr zwar neue Rekorde, allein gefahren wurde in den zurückliegenden Jahren beständig weniger, weshalb auch 2006 der Absatz an Motorradreifen (Handel an Verbraucher) mit laut Bundesverband Reifenhandel und Vulkanisieur-Handwerk e.V. 1,2 Millionen Reifen wieder rund vier Prozent weniger verkauft wurden. Aber da hatten wir schließlich einen relativ langen Winter und außerdem noch die Fußballweltmeisterschaft, die sicher so manchen davon abgehalten haben, sich auf sein Motorrad zu schwingen. Angesichts der milden Witterung zu Beginn dieses Jahres, der allgemein günstigen Konjunkturentwicklung und einem WM-freien Sommer kann man die Ausgangslage für das Motorradjahr 2007 eigentlich nur als im Vergleich recht vielversprechend bezeichnen.

Um ihre Marktposition zu festigen bzw. auszubauen bringen sowohl Bridgestone als auch Michelin für die aktuelle Saison jeweils einen neuen Tourensportreifen mit Zweikomponentenmischungstechnologie auf den Markt. Das neue Produkt der Japaner hört auf den Namen „Battlax BT 021“, das der Franzosen „Pilot Road 2“. Das soll jedoch nicht heißen, dass „die anderen“ nicht auch etwas Neues mit im Gepäck nach Dortmund hatten. Am Conti-Stand wurde beispielsweise der Straßenenduroreifen „TrailAttack“ für große und leistungsstarke Enduros gezeigt.

Wie der „RaceAttack“ aus gleichem Hause verfügt der neue Pneu über die so genannte „Continious-Compound“-Technologie (vgl. NEUE REIFENZEITUNG 10/2006), die eine homogene Gripabstufung mit nur einer Mischung erlauben soll. Realisiert wird dies – so der Hersteller – mithilfe einer temperaturgesteuerten Heizung der Reifen in der Produktion. Darüber hinaus verfügt der in den Größen 110/80 R18 M/C 59V (Vorderrad) und 150/70 R17 M/C 69V erhältliche „TrailAttack“ über eine Null-Grad-Stahlgürtelkonstruktion am Hinterrad sowie eine verstärkte Karkasse. Laut Continental kombiniert der neue Reifen selbst bei Nässe gute Haftung mit einer guten Laufleistung.

Ebenfalls Hand an die Laufflächenmischung haben die Entwickler des Reifenwerkes Heidenau bei ihrem „K 60“ genannten Endurostraßenprofil gelegt. „Aufbauend auf den Erfahrungen, die wir im Rollersegment mit unserem dort angebotenen Winterprofil gesammelt haben, bieten wir den ‚K 60‘ jetzt auch in einer Ausführung als echten Winterreifen mit M+S-Kennung an“, erzählt Gebietsrepräsentant Thomas Schönherr im Gespräch mit dieser Fachzeitschrift. „Wir sehen das gewissermaßen als eine Art Versuchsballon. Wir wollen sehen, wie sich die Nachfrage nach Winterreifen im Motorradsegment entwickelt“, fügt er hinzu. „Initialzündung“ zur Entwicklung des M+S-Reifens sei das Inkrafttreten der neuen StVO im Mai vergangenen Jahres gewesen. Leider – bedauert Schönherr – sei der Reifen erst kürzlich und damit für die Wintersaison 2006/2007 ein wenig zu spät fertig geworden.

Neues auch am Dunlop-Stand. Mit nach Dortmund hatte der Hersteller den „Qualifier Race Replica“ gebracht, der den bisherigen „D208 Race Replica“ im Programm des Anbieters ersetzt. „Damit ist die ‚D208‘-Modellreihe nunmehr vollständig abgelöst“, erklärt Frank Löb, Vertriebsleiter Motorradreifen bei Dunlop. Das war aber noch nicht alles. Der „GP Racer D209“ ist ebenfalls ganz neu und ersetzt den „GP Racer“ in der Produktpalette des Reifenherstellers. Damit nicht genug, gab’s am Stand außerdem noch eine ganz besondere Version des „Qualifier“ speziell für die sportlichste Maschine in der Harley-Davidson-Modellrange zu sehen. „Und voraussichtlich zum Herbst dieses Jahres werden wir in Form des ‚D220‘-Nachfolgers einen weiteren neuen Reifen namens ‚Smart Road‘ präsentieren“, blickt Löb in die Zukunft.

Kein neues Produkt hatte Metzeler/Pirelli mit im Gepäck nach Dortmund, dafür stellte man aber die „Diablo Sprint“ genannte Aktion vor, bei der 350 Teilnehmer zwei kostenlose Turns auf dem Nürburgring gewinnen konnten. Die Reifenhersteller haben ihre Hausaufgaben also gemacht und sich auf die neue Saison vorbereitet. Bleibt zu hoffen, dass sich die Erwartungen der Branche erfüllen. Nach Jahren rückläufiger Absatzzahlen könnte ein Schwenk in den positiven Bereich sicher nicht schaden.

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