E-Commerce-Pionier Welch will mit Rolo Tires „traditionelle Handelskanäle umgehen“

, ,
Für den britischen E-Commerce-Pionier Michael Welch ist der Zeitpunkt, um mit einem Direct-to-Consumer- bzw. D2C-Geschäftsmodell in den Markt zu kommen, „perfekt“, sind die Margen im klassischen Geschäft doch mittlerweile hauchdünn, und das bei schwindenden Qualitätsunterschieden zwischen den Segmenten (Bild: Rolo Tires)

Kürzlich haben wir berichtet, dass Michael („Mike“) Welch – der britische Unternehmer, der vor allem durch die Gründung von Blackcircles.com und die spätere Entwicklung von Treadsy in Nordamerika bekannt wurde – den Start einer neuen Direct-to-Consumer- bzw. D2C-Reifenmarke namens Rolo Tires angekündigt hat. Im Gespräch mit unserer britischen Schwesterzeitschrift Tyres & Accessories erläutert Welch die weiteren Hintergründe von Rolo Tires, wo die Reifen produziert werden, welche Chancen er in einem sich verändernden europäischen Markt sieht und warum er glaubt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine mutmaßlich moderne, erschwingliche Premiumreifenmarke ist.

Für Michael Welch ist das Timing für Rolo Tires „perfekt“, obwohl der Plan dazu bereits seit einigen Jahren auf seiner Agenda stehe, wie er betont. Denn, aus E-Commerce-Sicht sei es „mittlerweile extrem schwierig, im Multi-Brand-Geschäft mitzuhalten – die Margen sind heutzutage einfach hauchdünn. Das war ganz anders, als ich damals mit Blackcircles.com angefangen habe. Da waren sie noch ein Stück gesünder. Zudem agieren die Hersteller mittlerweile sehr taktisch und territorial, was den Verkauf angeht – also was sie verkaufen, an wen sie verkaufen und wie sie verkaufen. Egal ob in den USA oder in Europa: Es ist verdammt schwer geworden, an Marken heranzukommen und als Händler zu agieren“, so Welch.

Gleichzeitig sei der Trend, dass Verbraucher „in niedrigere Preissegmente, den sogenannten Tiers, abwandern, so unübersehbar und offensichtlich, dass es irgendwann fast unvermeidlich ist, dass die Angebote, die der Kunde sieht, miteinander verschmelzen. Und ich denke, dieser Trend wurde vor allem durch das Reifenlabel beschleunigt, weil es alles objektivierbar gemacht hat. Auf einmal zählte nicht mehr die bloße Wissenschaft, die uns in den Werbekampagnen erzählt wurde. Es steht schwarz auf weiß auf den Labeln.“

Das EU-Reifenlabel habe damit eine Transparenz geschaffen, so der britischen E-Commerce-Pionier weiter, die das neue Direct-to-Consumer-Geschäftsmodell ermöglichen werde, ist Welch überzeugt. Dabei habe man mehr und mehr sehen können, wie die qualitativen Abstände zwischen Reifen aus dem Budget-/Value- sowie dem Premiumsegment, so wie sie das EU-Reifenlabel ausweist, „so stark geschrumpft“ sind, „dass man kein Genie sein muss, um zu denken: Okay, wie können wir diese Lücke in der Mitte einfach schließen? Sodass es keinen so riesigen Abstand mehr gibt zwischen dem, was Kunden als Premium erleben, und dem, was sie ausgeben möchten, um ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bekommen? Und genau das ist Rolo.“

Reifen der Marke Rolo Tires sollen im ersten Quartal 2027 zunächst in Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien auf den Markt kommen; der Marktstart in Nordamerika ist dann für 2028 geplant. Vom ersten Tag an sollen drei Kernproduktlinien jeweils als Sommer- und als Ganzjahresreifen angeboten werden: Rolo 1 (Pkw), Rolo 2 (UHP) und Rolo T (4×4 und Leicht-Lkw). Die Reifen sollen an mehreren Standorten von mehreren Herstellern produziert – Welch nennt hier „Nordafrika und Südostasien“ – und auch gelagert und von dort direkt an den online kaufenden Endverbraucher versandt werden – „unter Umgehung der traditionellen Handelskanäle. Dadurch eliminieren wir eine Menge Kosten aus der Lieferkette. Da stecken jede Menge Kosten drin, ebenso wie gesunde Margen. Am Ende zahlt der Kunde [im überkommenen Reifenhandelsgeschäft; d.Red.] den Preis, aber ich halte vieles davon für überflüssig.“

Auch wenn Michael Welch mit Rolo Tires im Vertrieb neue Wege geht und seine Reifen direkt an den Verbraucher vermarkten will, was im E-Commerce als Direct-to-Consumer- bzw. D2C-Geschäft umschrieben wird, zeigt der britischen Unternehmer sich „offen für selektive strategische Partnerschaften“ mit Werkstätten/Händlern, Flotten, Mobilitätsanbietern und digitalen Plattformen, die das Wachstum beschleunigen können, während das kundenorientierte Versprechen der Marke gewahrt bleibe. Michael Welch zufolge seien Partnerschaften mit Reifenhändlern im Markt „eine praktische Realität“ – letzten Endes müssen Reifen ja auch montiert werden.

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert