Wer sich im B2C-Onlinereifenhandel rauspreist und wer sich einkauft

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Bei sechs gängigen B2C-Reifenhandelsplattformen hat die NEUE REIFENZEITUNG vor Kurzem die Endverbraucherpreise für verschiedene Winterreifenmodelle der Hersteller Bridgestone, Conti, Dunlop, Goodyear, Michelin und Pirelli recherchiert und dabei ein im Vergleich zum selben Zeitpunkt des Vorjahres gesunkenes Preisniveau festgestellt. Aber darüber hinaus hat die Untersuchung noch weitere interessante Ergebnisse zutage gefördert. So liegen die Preise im Vergölst-Onlineshop beispielsweise teils so weit oberhalb vom Niveau der Konkurrenz, sodass hier zumindest wohl eher keiner der sogenannten Preiskäufer, die man in der Regel als hauptsächliche Internetkundenklientel annimmt, zuschlagen wird. Bildet die zu Conti gehörende Handelskette das eine Extrem, schlägt das Pendel mit Blick auf die erst dieses Jahr gestartete Tirendo-Plattform dafür in die andere Richtung aus: Bei den abgefragten Modellen in den beiden Größen 195/65 R15 T und 205/55 R16 H erwies sie sich in fast allen Fällen wenn schon nicht als billigster, so doch zumindest als einer der billigsten Anbieter.

Besonders große Differenzen stellte die NEUE REIFENZEITUNG Mitte November etwa bei Bridgestones „Blizzak LM-32“ in der Dimension 195/65 R15 T fest: Während der Reifen bei den anderen sechs Shops zu Preisen zwischen gut 54 und knapp 63 Euro erhältlich war, hat Vergölst dafür – übrigens wie zum selben Zeitpunkt 2011 – knapp 79 Euro als Preis aufgerufen und Tirendo runde 50 Euro. In der größeren Dimension 205/55 R16 H mag Goodyears „UltraGrip 8“ als exemplarisches Beispiel herhalten: Den fast 127 Euro bei Vergölst bzw. den rund 90 Euro bei Tirendo steht für diesen Reifen eine Bandbreite von 96 bis 106 Euro bei den andern sechs Onlineshops gegenüber. Das lässt einerseits darauf schließen, dass Vergölst nicht sonderlich interessiert am Onlinereifengeschäft zu sein scheint – zumindest nicht an den reinen Preiskäufern, die sich im Internet tummeln. Andererseits ist die Tirendo-Preispolitik offenbar dem Umstand geschuldet, dass man als relativer Neuling im Onlinereifengeschäft mit dem Endverbraucher schnell im Markt Fuß fassen möchte und gewillt ist, den Rückstand zu anderen bereits länger etablierten B2C-Reifenanbietern notfalls über den Kauf von Marktanteilen möglichst schnell zu schließen.

Immerhin hatte die in Berlin beheimatete Tirendo Holding GmbH bereits dadurch aufhorchen lassen, dass sie den inzwischen dreimaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel als Markenbotschafter bzw. für eine Werbekampagne gewinnen konnte. Zudem haben die Berliner seit Kurzem mit der Hamburger Verlegerfamilie Jahr neben der European Media Holding (EMH) aus München und Project A Ventures aus Berlin einen weiteren Investor mit ins Boot holen können. Mit ihm zusammen wollen sie „den Internethandel mit Reifen für den Massenmarkt öffnen“. Während EMH durch gute Vernetzung in die „Old Economy“ einen schnellen Zugang zu Reifengroßhändlern geschaffen und die Partnerschaft mit Vettel initiiert habe sowie Project A Ventures E-Commerce- und Internet-Know-how in das Projekt mit einbringe, soll – wie es heißt – gemeinsam mit der Jahr-Holding und ihren Ressourcen nun der Weg für weiteres Wachstum, die Erweiterung der Sortimente und die Internationalisierung des Geschäftes geebnet werden. „Wir freuen uns sehr über die Beteiligung der Jahr Holding. Dies stellt einen wesentlichen Meilenstein auf unserem Weg dar, mit Tirendo zu einem der führenden Spieler im Onlinereifenfachhandel in Europa zu werden“, so Dr. Martin Kern, Geschäftsführer der Tirendo Holding. christian.marx@reifenpresse.de

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