Nokian Tyres in der weißen Hölle von Ivalo: „Erklären, woher wir kommen“

,

Es ist noch gar nicht so lange her, da drehte sich die Welt von Nokian Tyres vorwiegend um die Märkte in Skandinavien und Russland. Das hat sich in den vergangenen Jahren sehr geändert. Dies lag nicht zuletzt auch an der Schwäche der beiden besagten Märkte. Ebenfalls eine maßgebliche Rolle hat dabei aber auch die zunehmende Präsenz des finnischen Reifenherstellers in der Region Central Europe gespielt, zu der auch die deutschsprachigen Märkte zählen. Während sich Nokian Tyres hier zuletzt auch personell in Vertrieb und Marketing verstärkt hat, sendete das Unternehmen kürzlich ein weiteres klares Signal an die Region, in dem es bis Ende März in sieben Wochen immerhin gut 1.000 Reifenhändler in seinem „Ivalo Testing Center“ empfing. Die Message dabei: „Wir wollen unseren Partnern erklären, woher wir kommen“, so Antti-Jussi Tähtinen, Vice President mit Verantwortung für Marketing und Kommunikation, vor Ort im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG.

button_nrz-schriftzug_12px-jpg Abonnenten können den kompletten Beitrag auch exklusiv in der demnächst erscheinenden April-Ausgabe der NEUE REIFENZEITUNG lesen. Sie sind noch kein NRZ-Abonnent? Das können Sie hier ändern.

Seit der Einführung des ersten Hakkapeliitta-Reifens 1934 gilt Nokian Tyres in der Branche als der „Erfinder des Winterreifens“. Dem entsprechenden Selbstverständnis des finnischen Herstellers folgend müssen auch neueste Nokian-Winterreifen den „hohen Ansprüchen der Natur des nordischen Winters genügen“. Es sei wichtig, dass die Menschen, mit denen Nokian Tyres zu tun hat – ob Reifenhändler, Großhändler, Journalisten und natürlich Endverbraucher –, verstehen, wofür der Hersteller eigentlich in seinem Kern steht. „Es ist wichtig für uns, ihnen die Umwelt zu zeigen, in der wir uns bewegen und in der unsere Produkte funktionieren müssen“, erläuterte Antti-Jussi Tähtinen im Gespräch mit dieser Zeitschrift. Ein Besuch im „Ivalo Testing Center“ des Herstellers im gleichnamigen Ort 300 Kilometer nördlich des Polarkreises in Finnland soll dabei ein klares Bild vermitteln.

Auch wenn Ivalo im hohen Norden Finnlands Heimat für so einige renommierte Testgelände ist – neben der weltweit bekannten Einrichtung von Test World ist seit 2014 auch Michelin mit einem eigenen 65 Hektar großen Testgelände vertreten –, steht der Ort mit dem nördlichsten Verkehrsflughafen Finnlands seit nunmehr 30 Jahren vor allem synonym für die seinerzeit von deutschen Nokian-Tyres-Mitarbeitern getaufte „White Hell“ (zu Deutsch: weiße Hölle), dem schneereichen Pendant der „Grünen Hölle“ des Nürburgrings.

„Es ist wichtig für uns, ihnen die Umwelt zu zeigen, in der wir uns bewegen und in der unsere Produkte funktionieren müssen“, erläuterte Antti-Jussi Tähtinen, Vice President mit Verantwortung für Marketing und Kommunikation, warum allein Anfang dieses Jahres rund 1.000 Reifenhändler das „Ivalo Testing Center“ besuchten

„Es ist wichtig für uns, ihnen die Umwelt zu zeigen, in der wir uns bewegen und in der unsere Produkte funktionieren müssen“, erläuterte Antti-Jussi Tähtinen, Vice President mit Verantwortung für Marketing und Kommunikation, warum allein Anfang dieses Jahres rund 1.000 Reifenhändler das „Ivalo Testing Center“ besuchten

Auf den rund 100 Kilometer an Teststrecken und einem Areal von mehr als 700 Hektar Land werden jedes Jahr im Rahmen der Produktentwicklung über 25.000 Reifen auf Herz und Nieren geprüft; die Testfahrer legen insgesamt über 40.000 Kilometer zurück. Besondere Einrichtung dabei: der rund 700 Meter lange sogenannte „Tunnel“. Dort können in den Wintermonaten bis in den Mai hinein umfangreiche Tests auf Eis gefahren werden. Auch wenn die Eishalle – eigentlich ein ‚nur‘ sehr langes Zelt – komplett ohne eigene Klimatisierung errichtet ist, bietet sie Nokian Tyres doch überaus gute Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Winterreifen für Mitteleuropa und vor allem auch für die Nordischen Märkte, wo seit jeher Spikereifen gerade auf Eis und festgefahrenem Schnee funktionieren müssen. Das Zelt sorgt dafür, dass die Oberfläche des Eises von weiteren Umwelteinflüssen, etwa von Niederschlägen jeglicher Art, unbeeinträchtigt bleibt, und es konserviert die Temperaturen bis zu einem gewissen Grad. Das Testgelände selber mit seinen zugefrorenen Seen kann unterdessen bis in den April hinein für Tests genutzt werden, während es dann in den folgenden Sommermonaten weitestgehend ungenutzt bleibt.

Erst im vergangenen Herbst hat Nokian Tyres mitgeteilt, dass in den kommenden Monaten ein Pendant zur „White Hell“ für die hauptsächliche Entwicklung von Sommerreifen entstehen soll. Bis zum kommenden Jahr wird in Santa Cruz de la Zarza südlich von Madrid in Spanien ein entsprechendes Testgelände auf einem 300 Hektar großen Areal gebaut, für das der finnische Reifenhersteller insgesamt 16 Millionen Euro an Investitionskosten budgetiert hat.

Anlässlich ihres „White-Hell“-Testprogramms veranschaulichte Nokian Tyres insbesondere, wie die Reifen des finnischen Herstellers dem Slogan „Naturally functional“ (zu Deutsch: natürlich funktional) folgen, konnten doch neben dem neuen Spikereifen Hakkapeliitta 9 auch ein nordischer Friction-Reifen sowie der vorwiegend in Mitteleuropa vertriebene Winterreifen WR A4 beweisen, dass sie eben den „hohen Ansprüchen der Natur des nordischen Winters genügen“, wie Vice President Antti-Jussi Tähtinen es eingangs formulierte. Nur der vielfach in Reifentests in Deutschland positiv aufgefallene neue Nokian-Tyres-Allwetterreifen Weatherproof fehlte, um das Testprogramm auf Schnee und Eis zu vervollständigen. arno.borchers@reifenpresse.de

 

2 Kommentare
  1. Werner Vogelgesang says:

    Btr.: Nokian Tyres in der weißen Hölle von Ivola.

    Ihnen dürfte bekannt sein, dass Michelin seine Winterreifen schon seit langem ebenfalls in Ivola unter anderem auf hauseigenen Anlagen testet. Ivola ist keine weiße Hölle, sondern ein weißer Traum für Tester.

    Antworten
    • Arno Borchers says:

      Hallo Herr Vogelsang, beides stimmt und ist natürlich auch der Redaktion bekannt. Der Begriff “Weiße Hölle” ist dabei genauso wenig wörtlich zu nehmen wie das “grüne” Pendant des Nürburgrings dazu. Aber solche Überzeichnungen sind eine wunderbare Erfindung des Marketings, der sich auch Redakteure mitunter nicht entziehen können. Grüße, Arno Borchers/NRZ-Redaktion.

      Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

An Diskussionen teilnehmen
Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.