WDR-Servicezeit bringt „neue Enthüllungen“ zu ADAC-Reifentests

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Am Montagabend ist der Westdeutsche Rundfunk in seiner Sendung „Servicezeit“ der Frage nachgegangen: „ADAC-Reifentests: Waren sie jemals unabhängig?“ Bereits im Februar war im Rahmen der Sendung über vermeintliche Manipulationen bei Reifentests berichtet worden. Nun kündigt der WDR „neue Enthüllungen“ an und lässt dort Willy Matzke – ehemaliger leitender Mitarbeiter des ÖAMTC, der als Erfinder der Winterreifentests gilt – zu Wort kommen. Dieser erhebe dem Sender zufolge „schwere Vorwürfe“.

Der WDR schreibt begleitend zur Sendung: „Laut seiner (Matzkes) Aussagen nutzt die Partnerorganisation ADAC für bestimmte Tests nicht nur Gelände und Teststrecken, sondern auch technische Anlagen einiger Reifenhersteller. Einzelne Testdurchläufe sollen sogar von Mitarbeitern der Reifenhersteller durchgeführt worden sein. Generell seien Manipulationsmöglichkeiten bei Reifentests beinahe unbegrenzt.“

Dem WDR zufolge unterstrichen diese Aussagen die „Industrienähe des ADAC“, was bereits im Februar unter Berufung auf Jan Hennen, bis 2010 bei Michelin Leiter der Produkt- und Motorsportkommunikation in Deutschland, Österreich und der Schweiz, berichtet wurde. „Die zusätzlichen Vorwürfe von Willy Matzke bestätigen nicht nur die bereits vorliegenden Erkenntnisse, sondern erweitern sie noch um eine Dimension“, so der WDR weiter: „Nach seiner Aussage testeten die Reifenhersteller, auf deren Testanlagen geprüft wurde, offensichtlich ihre Produkte für den ADAC-Test sogar selbst.“

Dem widerspricht zumindest die Continental, die vom WDR um eine Stellungnahme und die Beantwortung einiger konkreter Fragen gebeten wurde. „Der ADAC führt seine Reifentests vollkommen selbstständig durch“, heißt es dort. Demnach seien weder Continental-Mitarbeiter mittel- bzw. unmittelbar an der Durchführung der ADAC-Reifentests beteiligt, noch hätten diese während, unmittelbar im Anschluss oder nach einem Testdurchlauf in irgendeiner Form Zugriff auf die Messdaten. „Der ADAC nutzt eigene Messtechnik. Continental-Mitarbeiter haben keinen Zugang zu diesen Daten“, so die Continental gegenüber dem WDR.

Der Aussage, dass ADAC-Techniker die Anlagen bedienten, widerspricht Willy Matzke allerdings und betont dem WDR zufolge: Es handele sich dabei um hochspezielle, komplizierte und extrem teure Einrichtungen, bei denen die Konzerne die Bedienung durch externe Techniker zum Schutz der Anlagen strikt untersagten.

Auch der ADAC wurde dazu erneut um eine Stellungnahme gebeten und teilte am 31. März entsprechend mit: „Wir nutzen zu Testzwecken auch die Testgelände mehrerer Anbieter. Dabei testen wir aber mit eigenem Material, mit eigenen Autos und mit eigenen Fahrern. Wir ‚mieten‘ also nur ein Stück Straße“, so der Automobilclub. „Anders sieht es bei der Verschleißprüfung aus. Bridgestone verfügt über den einzigen relevanten Verschleißprüfstand auf der Welt. Deshalb wird dort ein Teil der Verschleißprüfungen durchgeführt. Zusätzlich werden Stichproben von anderen Reifen, darunter ein Bridgestone-Reifen, vom ADAC auf einer Straße im Konvoi getestet, um das Ergebnis gegenzuchecken. Allen Anbietern im Test werden alle Ergebnisse zur Verfügung gestellt. Das Verfahren wird transparent im Fachbeirat besprochen und ist jeweils unter der Rubrik ‚So haben wir getestet‘ veröffentlicht worden.“ ab

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