Conti, VDO und die Konsequenzen

Schneller und reibungsloser als erwartet konnte Conti-Chef Manfred Wennemer Vollzug melden und den Startschuss zur Formung eines Großkonzerns mit 25 Milliarden Euro Umsatz abfeuern. Das Vertrauen der Börsen und der Analysten ist groß, nicht aber grenzenlos. Schon einmal ist unter Wennemers Führung ein Schuldenberg in Milliardenhöhe abgebaut worden. Nun soll der CEO die Aktionäre durch einen noch höheren Schuldenabbau schnell noch einmal richtig reich machen. Bleibt die Automobilbranche von Einbrüchen verschont, stehen die Chancen gut. Wennemer wird sich mit großer Konsequenz an die Arbeit machen. Viel zu „quetschen“ ist bei „Continental alt“ nicht mehr, es mag aber sein, dass VDO weder weiß noch ahnt, was Conti-Sparsamkeit heißt.

Eine weitere Konsequenz der Übernahme könnte sich als spannende Daueraufführung erweisen. So beansprucht bei der „Continental neu“ die eher als „kampfeslustig“ einzustufende IG-Metall künftig die Führungsrolle gegenüber der als „gemäßigt-vernünftig“ geltenden IG-Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Und ein paar der künftigen Stolpersteine liegen bereits am Wegesrand. So redet die Gewerkschaft von Verträgen und Zusagen, während Conti schon jetzt korrigierend eingreift und klar stellt, von Garantien könne keine Rede sein. Alles nur Wortgeklingel? Wie aber könnte Wennemer der VDO-Belegschaft etwas garantieren, was er der „Stammbelegschaft“ verwehrt?

Der Frieden ist nur von kurzer Dauer. Zu gegebener Zeit wird wohl die IG-Metall dann die Debatte um „Wennemer-Kapitalismus“ neu entfachen, um den Abbau bestehender Arbeitsplätze so schwer wie nur eben möglich zu machen. Denn es gerät schnell in Vergessenheit, dass VDO ohnehin vor dem Abbau von Arbeitsplätzen stand, und durch die Übernahme hat sich diese Zahl nicht verringert. Selbst wenn es gelingt, den Fokus nicht allein auf Wachstum zu legen, sondern auch Wachstum zu realisieren, ist damit nicht automatisch der Erhalt bestehender Arbeitsplätze verbunden. Auch im Reifengeschäft produzieren dank Rationalisierung und Automatisierung immer weniger Menschen immer mehr Reifen.

Man darf gespannt sein, zu welchen Konsequenzen die VDO-Übernahme im Reifenbereich führen wird. Die VDO-Integration sollte weder CEO Wennemer noch CFO Hippe Gelegenheit belassen, sich „nebenher“ noch um ihre zusätzlichen Aufgaben im Reifenbereich kümmern zu können. Das Pkw-/SUV-Geschäft brummt förmlich, und auch das Nutzfahrzeugreifengeschäft läuft gut. Einzig in Nordamerika gewinnt Continental Tire immer noch keinen Blumentopf. Und eine durchgreifende Besserung ist schon deshalb immer noch nicht in Sicht, weil sie von einer durchgreifenden Erholung des nordamerikanischen Marktes abhängt. Die Lage derzeit weiter als desaströs und katastrophal zu beschreiben, erscheint nicht überzogen.

Ist nun die Zeit gekommen, die relativ kleine Division Nutzfahrzeugreifen wieder mit Pkw/SUV unter ein gemeinsames Reifendach zu bringen? Dass die Divisionalisierung eine Reihe von Vorteilen hatte, sei unbestritten. Doch die Aufteilung in Divisionen und/oder Linien funktioniert inzwischen auf dem Papier wieder weitaus besser als in der Praxis. So kann man auf Konsequenzen, über kurz oder lang, zuversichtlich warten. Man hört schon das Scharren der Hufe.

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