„WinterContact TS 800“ mit weiterentwickelten Bienenwabenlamellen

Ab dieser Wintersaison ersetzt der neue „ContiWinterContact TS 800“ sein Vorgängermodell „ContiWinterContact TS 780“. Bei dem für die Kompaktklasse konzipierten Reifen hat der Hersteller nach eigenen Aussagen sowohl was die Handlingeigenschaften auf trockener Straße angeht als auch bei den Fahreigenschaften auf winterlichen Fahrbahnen durch die Weiterentwicklung bewährter Konzepte Fortschritte erzielen können.

Die Ablösung des „TS 780“ erfolgt dabei in zwei Schritten: In diesem Herbst kommen zunächst 14 Größen des neuen Reifens angefangen beim 175/65 R13 bis hin zum 185/60 R15 auf den Markt – im kommenden Jahr sollen dann acht weitere Dimensionen folgen. Angeboten wird der Reifen ausschließlich mit Geschwindigkeitsindex T (frei bis 190 km/h). Schließlich sind nach Conti-Angaben von den mehr als 21 Millionen Winterreifen, die Autofahrer im vergangenen Jahr beim Handel nachfragten, drei Viertel dem T-Segment zuzuordnen. „Dieses Segment ist das mit Abstand volumenstärkste“, erklärt Conti-Produktmanager Guido Schädlich. „Drei von vier verkauften Reifen werden in diesem Winter dazu zählen. Und der ‚ContiWinterContact TS 800’, der in erster Linie für die Kompaktklasse entwickelt wurde, deckt einen wesentlichen Teil dieses Marktes ab“, so Schädlich weiter. Nahezu jeder vierte T-Winterreifen (24,4 Prozent) werde in der Dimension 195/65 R15 montiert. Rund 20 Prozent aller Winterreifen ermöglichen demnach Geschwindigkeiten von bis zu 210 km/h (Geschwindigkeitsindex H) und etwa vier von 100 Winterreifen seien für Geschwindigkeiten bis zu 240 km/h (Index V) oder höher gekennzeichnet.

Durch die weiter zunehmenden PS-Zahlen neuer Fahrzeugmodelle erwartet die Continental AG jedoch Veränderungen. So rechne man für das kommende Jahr mit einem Abbröckeln des T-Segmentes auf 74 Prozent zugunsten der schnelleren Reifen. Der Marktanteil der H-Winterreifen wird auf 21 Prozent, jener der Winterreifen ab V-Kennung auf fünf Prozent wachsen, lautet die Prognose. „Dennoch wird das T-Segment auf absehbare Zeit weiterhin das stärkste bleiben“, ist sich Guido Schädlich sicher. Zugleich erwartet der Reifenhersteller von der Novellierung der Straßenverkehrsordnung (StVO), die noch in diesem Winter vom Bundesrat verabschiedet werden soll, einen zusätzlichen Nachfrageschub für den Winterreifenmarkt insgesamt. Denn nach deren Inkrafttreten gilt in Deutschland eine – wie Conti es nennt – so genannte „situative Winterreifenpflicht“, die Autofahrer unter Androhung von Bußgeld verpflichtet, eine den Straßenverhältnissen angemessene Bereifung zu wählen.

Keine Frage, dass Continental unter einer angemessenen Bereifung einzig und allein die Ausrüstung eines Fahrzeuges mit Winterreifen versteht. Dabei enthält die Neufassung der StVO keine ausdrückliche Winterreifenpflicht, wohl schon allein deshalb, weil bis heute keine eindeutige Definition für einen Winterreifen existiert. Zwar wurde vom Gesetzgeber bislang meist die M+S-Kennung eines Pneus in diesem Sinne ausgelegt, aber die Branche ist sich eigentlich einig, dass dieses für Matsch und Schnee stehende Buchstabenkürzel heutzutage nichts über die tatsächlichen Wintereigenschaften eines Reifens aussagt. „Denn die Definition von M+S Reifen stammt aus den frühen 80er-Jahren und erfolgt nur über die Profilgestaltung, die für eine entsprechende Kennzeichnung auf der Seitenwand laut Anhang II 92/23/EWG lediglich durch ‚größere Profilrillen und/oder Stollen’ gekennzeichnet sein muss. Diese Festlegung ist veraltet und technisch überholt – eine bestimmte Winterperformance wird nicht gefordert“, kritisiert Dr. Holger Lange, Leiter der Abteilung Technical Benchmarking bei Continental.

Die Forderung nach einer den Witterungsverhältnissen angepassten Bereifung komme de facto jedoch einer Winterreifenpflicht gleich. „Die Gesetzgebung lässt den Verbraucher allerdings im Dunkeln darüber, wie ein Winterreifen definiert ist“, ergänzt Dr. Lange und macht deutlich, wie man im Hause Continental die Sache sieht. Ein wichtiger Faktor ist demnach, dass der Reifen das Schneeflockensymbol auf der Seitenwand trägt. Denn um dieses führen zu dürfen, muss der Pneu zuvor eine bestimmte Winterperformance nachgewiesen haben. „In Europa gilt: Ein so gekennzeichneter Reifen bremst auf Schnee mindestens sieben Prozent besser als ein weltweit einheitlicher Standardreferenzreifen“, erläutert Lange. Das allein genügt dem Reifenhersteller jedoch nicht als Kriterium. „Der Reifen muss auch mindestens noch eine Profiltiefe von vier Millimetern aufweisen. Schließlich ist die über die Lamellierung des Profils erreichte Beweglichkeit der Profilblöcke ein entscheidendes Kriterium für den Wintergrip eines Reifens. Unterhalb von vier Millimetern Profiltiefe können die Lamellen diese Aufgabe aber zunehmend immer schlechter erfüllen, sodass eine Wintereignung des Reifens dann unserer Meinung nach nicht mehr gegeben ist“, führt Lange weiter aus (siehe Schaubild).

Für Conti heißt die Definition für einen Winterreifen demnach: Schneeflockensymbol und mindestens vier Millimeter Restprofiltiefe. Und da die Lamellen eine so wichtige Rolle für die Fahreigenschaften eines Winterreifens in der kalten Jahreszeit zu spielen scheinen, kann es nicht wirklich verwundern, dass man den neuen „TS 800“ gegenüber seinem Vorgänger des gerade in diesem Bereich entscheidend weiterentwickelt hat. Für ein besseres Fahrverhalten auf winterlich trockener Straße erhöhten die Entwickler nämlich insbesondere die Profilsteifigkeit in Querrichtung dadurch, dass sie die vom „TS 780“ her bekannte Bienenwabenstruktur der Lamellen zwar im Wesentlichen beibehielten, die Waben jedoch um 50 Prozent in Querrichtung gestreckt haben. Außerdem wurden die Rillenkanten asymmetrisch angeschrägt, um die Steifigkeit in Längsrichtung während des Abrollens zu erhöhen. Aber auch die neue Mischung soll einen Teil zu den Verbesserungen beitragen. Sie wurde nach Aussagen der Entwickler mittels so genannter Aktivruße fester ausgelegt, womit man nicht nur verbesserte Trockenhandlingeigenschaften, sondern außerdem noch einen reduzierten Abrieb verbindet.

Die Verwendung eines höheren Anteils an Aktivrußen wurde demzufolge möglich, weil gleichzeitig ein neuer Weichmacher eingesetzt wurde, der die Langzeitflexibilität der Mischung gewährleisten soll. Diesen Weichmacher hat Conti bereits im „ContiWinterContact TS 810“ und im „TS 810 Sport“ (vgl. bereits NEUE REIFENZEITUNG 3/2004) eingesetzt und zwischenzeitlich durch Patente schützen lassen. Wie die beiden großen Brüder ist der „TS 800“ nämlich gekennzeichnet durch eine so genannte „Cap-und-Base“-Konstruktion. Das bedeutet, dass unterschiedlich weiche Gummimischungen im Laufstreifen verwendet werden. Die Teil der Lauffläche mit direktem Kontakt zur Fahrbahn („Cap“) ist dabei weicher ausgelegt und damit maßgeblich für die Wintereigenschaften des Reifens verantwortlich, während die darunter liegende härtere „Base“ für die Gesamtstabilität des Reifens zuständig ist. Die „Cap“ ist laut Conti dabei deshalb weicher als die „Base“, weil sie mehr Öl enthält. Dieses Öl aber diffundiere im Laufe der Zeit in die „Base“, was den Konstruktionsvorteil bislang nach und nach abschwächte. Nun hat man das Öl jedoch durch ein Flüssigpolymer ersetzt, das laut Hersteller nicht diffundieren kann und gleichzeitig noch den Abrieb reduziert.

Außerdem habe man dadurch den Zielkonflikt zwischen Nässeeigenschaften und Abrieb auf ein deutlich höheres Niveau heben können. Winterlich nassen Straßen setzen die Entwickler eine neue Laufstreifenmischung mit einem speziellen Vinylkautschuk entgegen, um auf diese Weise zu deutlich reduzierten Bremswegen zu kommen. Aber auch auf verschneiten Straßen soll der „ContiWinterContact TS 800“ gegenüber seinem Vorgänger zugelegt haben und sich durch einen verbesserten Schneegriff – insbesondere in Querrichtung – auszeichnen. Dafür werden nicht zuletzt die Bienenwabenlamellen verantwortlich gemacht, die den Aufbau besonders zahlreicher Griffkanten und damit eine gute Kurventraktion ermöglichten. Hinzu komme, dass die neue Mischung auf Schnee grundsätzlich besser hafte als die des „TS 780“. Die verkürzten Bremswege auf vereister Fahrbahn werden ebenfalls auf den Einsatz der neuen Weichmacher zurückgeführt. Nach Conti-Angaben konnte damit der Bremsweg auf Eis gleich um sechs Prozent reduziert werden.

Mit der Laufrichtungsbindung des neuen Reifens verbinden die Entwicklungsingenieure verbesserte Fahreigenschaften auf nassen Straßen und Schneematsch. Dabei weisen die einander gegenüber liegenden Profilblockflanken unterschiedlich große Winkel von zwei bzw. 20 Grad auf. Diese Asymmetrie erhöhe – so Conti – zusätzlich die Steifigkeit des Reifenprofils, sodass die Bremswege auf trockener Fahrbahn verkürzt werden. Als weiterer Vorteil der Laufrichtungsbindung wird eine beschleunigte Ableitung von Schneematsch und Wasser aus der Aufstandsfläche des Reifens genannt. Im Ergebnis soll der „ContiWinterContact TS 800“ gegenüber dem Vorgängermodell in allen sicherheitsrelevanten Reifeneigenschaften zugelegt haben: beim Handling um fünf Prozent, während die Bremswege auf nasser und vereister Straße demzufolge um bis zu sechs Prozent verringert sowie die Laufleistung um fünf Prozent erhöht werden konnten.

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