Zehn Jahre ESP von Bosch

Vor zehn Jahren brachte Bosch als erster Anbieter das Elektronische Stabilitäts-Programm (ESP) in Serie. Anfangs ausschließlich Sonderausstattung in Oberklasse-Pkw, ist das aktive Sicherheitssystem in Deutschland mittlerweile in den meisten Neufahrzeugen bis hin zur Kompaktklasse Standard. Das System hilft dem Fahrer, in kritischen Situationen in der gewünschten Spur zu bleiben.

„ESP hat in den letzten zehn Jahren die Sicherheit im Straßenverkehr wesentlich erhöht“, so Wolfgang Drees, als Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH verantwortlich für den Bereich Chassissysteme. „Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen mittlerweile eindeutig, dass sich mithilfe dieses Sicherheitssystems die Zahl der Unfälle um bis zu 50 Prozent reduziert, bei denen der Fahrer ohne den Einfluss anderer Verkehrsteilnehmer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat.“

Ein vorrangiges Ziel der EU-Kommission in der europäischen Verkehrspolitik ist es, die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr innerhalb von zehn Jahren bis 2010 zu halbieren. Die hierfür ins Leben gerufene EU-Initiative eSafety sieht in aktiven Sicherheitssystemen wie ESP einen entscheidenden Ansatz, dieses Ziel zu erreichen. Eine weitere Maßnahme ist die Europäische Charta für Straßenverkehrssicherheit, die mit dem Motto „25.000 Leben retten“ Unternehmen, Verbände und sonstige Gruppierungen in die erforderlichen Anstrengungen mit einbeziehen möchte. Diese Charta hat Bosch als eines der ersten Unternehmen im April letzten Jahres unterzeichnet.

Erkki Liikanen, bis 2004 Mitglied der europäischen Kommission, erklärte das Jahr 2005 zudem zum Jahr des ESP. Diese Wertschätzung haben der für Verkehr verantwortliche EU-Kommissar und stellvertretende Vorsitzende der EU-Kommission, Jacques Barrot, und weitere hochrangige EU-Repräsentanten bei einem Besuch auf dem Bosch-Stand anlässlich der internationalen Motorshow in Brüssel am 17. Januar 2005 erneut bekräftigt. In Deutschland übernimmt Dr. Manfred Stolpe, Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, die Schirmherrschaft für „2005 – das Jahr des ESP“.

Marktbefragungen von Bosch in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien haben ergeben, dass das Wissen der Autofahrer über aktive Sicherheitssysteme nur gering ist. Deshalb hat es sich Bosch zur Aufgabe gemacht, die Öffentlichkeit verstärkt über die Vorteile des Elektronischen Stabilitäts-Programms im Kraftfahrzeug aufzuklären und so dessen Verbreitung voranzutreiben. Für Fahrzeughändler hat Bosch das Schulungskonzept ESPerience ins Leben gerufen. Dessen Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den Fahrzeugherstellern dem Autoverkäufer den Nutzen des ESP verständlich und durch Testfahrten dieses System erlebbar zu machen.

Immer mehr Fahrzeuge mit ESP ausgestattet

Die Ausstattungsraten in den einzelnen Ländern sind unterschiedlich. Nach vorläufigen Berechnungen waren in Deutschland 2004 bereits rund 64 Prozent aller Neufahrzeuge mit ESP ausgerüstet, in Frankreich hatten etwa 39 Prozent der neuen Pkw das System an Bord. Für Europa gesamt lag die Quote in diesem Zeitraum bei 36 Prozent. In Japan und Nordamerika sind die Ausrüstungsraten nochmals niedriger: in den USA bei etwas über 10 Prozent und in Japan noch darunter. Jedoch zeichnet sich für die USA in den nächsten Jahren erhebliches Wachstum ab. So kündigten die drei großen US-amerikanischen Fahrzeughersteller General Motors, Ford und Chrysler an, die meisten ihrer Sports Utility Vehicles (SUV) bis spätestens 2006 serienmäßig mit dem Sicherheitssystem auszustatten.

Am Anfang stand die Verbesserung des ABS

Bereits 1983 begannen bei Bosch Überlegungen, die Fahrzeugstabilität bei Vollbremsungen durch eine optimierte ABS-Regelung zu verbessern. Der Ansatz wurde in den Folgejahren weiter verfeinert, und die zugehörige grundlegende Patentanmeldung durch Bosch erfolgte schließlich im Jahr 1987. 1990/91 erweiterten die Ingenieure die Funktion des Systems auf alle anderen Fahrzustände. 1991 begann auch die Zusammenarbeit mit DaimlerChrysler, wo man bereits ähnliche Überlegungen angestellt hatte. Hierfür wurde 1992 ein gemeinsames Projekthaus eingerichtet – zu dieser Zeit ein Novum. Bereits zweieinhalb Jahre später war die Serienreife erreicht, und das ESP ging im März 1995 in Produktion.

In den letzten Jahren wurde das Sicherheitssystem mit vielen bedeutenden Preise ausgezeichnet. So erhielt ESP bereits 1995 von der Society of Automotive Engineering (SAE) den „Henry Ford II distinguished award for excellence in automotive engineering“ oder 1999 den „Porsche-Preis“ der Universität Wien. In Großbritannien wurde das System 2004 mit dem „Prince Michael International Road Safety Award for Driver and Passenger Safety ausgezeichnet für seinen positiven Einfluss auf die Verkehrssicherheit.

Nutzen des ESP vielfach nachgewiesen

In welchem Maß ESP die Fahrsicherheit tatsächlich erhöht, zeigen mittlerweile viele Untersuchungen und Studien. So hat beispielsweise DaimlerChrysler 2004 nachgewiesen, dass seit dem serienmäßigen Einsatz des ESP in allen Mercedes-Personenwagen deren Anteil an der Gesamtzahl der „Fahrunfälle“ in Deutschland um rund 42 Prozent gesunken ist. Fahrunfälle sind Unfälle, bei denen Autofahrer ohne Einfluss anderer Verkehrsteilnehmer die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren. Toyota kommt anhand der Auswertung von rund einer Million Unfällen mit Personenschaden zum Ergebnis, dass der serienmäßige Einsatz von ESP die Anzahl der schweren Fahrunfälle sogar auf die Hälfte reduzieren könnte. Studien von Institutionen wie der US-Regierungsbehörde „National Highway Traffic Safety Administration“ (NHTSA) bestätigen diese Ergebnisse: Bei Pkw in den USA, die ab einem Zeitpunkt zwischen 1997 und 2002 serienmäßig mit ESP ausgerüstet wurden, liegt die Zahl der Fahrunfälle im Schnitt um 35 Prozent unter den Vergleichszahlen für dieselben Fahrzeugmodelle vor ESP-Einführung. Die Zahl der Fahrunfälle mit Todesfolge ging um 30 Prozent zurück. In der Fahrzeugklasse der SUV (Sports Utility Vehicle) sank die Zahl der Fahrunfälle laut Studie sogar um 67 Prozent, die der tödlichen Fahrunfälle um 63 Prozent.

Konstruktion optimiert und Funktion erweitert

Ein Grund für den Erfolg des Systems waren die überzeugende Funktion und der klar erkennbare Sicherheitsgewinn. In den Folgejahren konnte Bosch auch die Konstruktion optimieren. 1998 startete die Generation 5.7, und 2002 die Generation 8. Im Vergleich mit dem ersten System ging das Gewicht um nahezu 60 Prozent von 5,6 Kilogramm auf 2,3 Kilogramm zurück, was den Kraftstoffverbrauch reduziert.

Ein ESP-System enthält neben dem „Fahrzeugregler“, der dem Schleudern entgegenwirkt, immer auch ein Antiblockiersystem und eine Antriebsschlupfregelung. Diese drei Basisfunktionen wurden seit 1999 um Komfort- und Sicherheitsfunktionen ergänzt. Damals startete in einem SUV die „Hill Descent Control“, die bei steiler Bergabfahrt eine gleich bleibende Geschwindigkeit hält. Eine Vielzahl weiterer Funktionen kam danach hinzu: Die „Roll Over Mitigation“ reduziert die Gefahr des Umkippens, die „Trailer Sway Control“ verringert das Aufschaukeln schwerer Pkw-Anhänger, und die „Load Adaptive Control“ erkennt bei leichten Nutzfahrzeugen das tatsächliche Fahrzeuggewicht und passt die ESP-Eingriffe entsprechend an. Mehr Komfort bieten „Hill Hold“, eine Anfahrhilfe am Berg, und der „Traffic Jam Assist“. Geht der Fahrer eines Fahrzeugs mit Automatgetriebe vom Gas, verzögert die Bremsanlage sanft. Darüber hinaus haben die ESP-Optimierungen dazu geführt, dass auch die indirekt messenden Reifendruck-Kontrollsysteme leistungsfähiger wurden.

In den nächsten Jahren wird Bosch das Elektronische Stabilitäts-Programm um weitere Funktionen ergänzen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Vernetzung mit passiven Sicherheitssystemen sowie mit vorausschauenden Fahrerassistenz-Systemen. Diese Aktivitäten fasst Bosch im Programm CAPS (Combined Active and Passive Safety Systems) zusammen. Zudem entwickelt Bosch eine skalierbare Produktpalette auf ESP-Basis, in die sich die unterschiedlichen Funktionsumfänge kostengünstig integrieren lassen. Die erste Ausbaustufe ESP plus geht im ersten Halbjahr 2005 in Serie, eine weitere, noch erheblich umfangreichere Entwicklungsstufe, die elektrohydraulische Bremse EHB3, im Jahr 2006.

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