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Formel 1: Lösungen jenseits der Einheitsreifen

Trotz vieler Reifenschäden spiele die Formel 1 die Problematik vor dem Grand Prix in Monza (12.9.) herunter. Die Reifenhersteller Michelin und Bridgestone hätten noch keine schlüssige Erklärung für die Probleme gefunden, wie das Handelsblatt schreibt. Vier Reifenschäden beim Formel-1-Rennen vor elf Tagen in Spa, drei beim Testen in Monza, darunter derjenige, der Michael Schumacher mit Tempo 345 in die Leitplanken krachen ließ – eigentlich müssten die Verantwortlichen und Fahrer der Formel 1 vor dem Grand Prix von Italien an diesem Wochenende in Monza alarmiert sein.

Doch dem ist nicht so, ist sich das Handelsblatt sicher. Die Reifenhersteller Michelin und Bridgestone hätten noch keine schlüssige Erklärung für die Probleme gefunden, in halbherzigen Erklärungsversuchen ist von scharfkantigen Trümmerteilen, hohen Kanten an den Randsteinen und weggeflogenen Ventilkappen die Rede. Die Fahrer selbst sagten erstaunlich wenig. Weltmeister Michael Schumacher meinte nach seinem Testunfall in Monza lapidar: „So etwas wirft mich nicht um.“ Bei Bridgestone gab es zu Wochenbeginn Überlegungen, ob jener Experimental-Reifentyp, der an Schumachers Ferrari platzte, in Monza zum Einsatz kommen solle, schreibt die Zeitung weiter. Ein Reifentyp, den man in Spa noch nicht benutzt hatte, weil es auch intern Zweifel an der Sicherheit auf Hochgeschwindigkeitskursen gab, heißt es weiter. Aber die Niederlage dort gegen Sieger Kimi Räikkönen (McLarenMercedes), der mit Michelin-Reifen fährt, scheine Bridgestone so sehr zu ärgern, dass überlegt wird, das erhöhte Risiko einzugehen.

Es stehe außer Zweifel, dass der Reifenkrieg zwischen Michelin und Bridgestone Gefahren birgt. Dass die Wagen in diesem Jahr allein auf Grund der Reifenentwicklung im Schnitt zwei bis drei Sekunden pro Runde schneller wurden, könne kaum ohne Konsequenzen bleiben. Aber so lange die Top-Fahrer schweigen, werde sich angesichts harter Konkurrenz und wirtschaftlicher Interessen wohl wenig ändern. Dabei habe etwa BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen schon in Spa gefordert: „Dieses Thema erfordert eine genaue Untersuchung und entsprechende Konsequenzen.“

Warum die Fahrer schweigen, sei nur zu ahnen: Einerseits sind viele so abhängig von Teams und Sponsoren, dass sie keine kritische Äußerung mehr wagen. Andererseits gingen selbst die schwersten Unfälle in den vergangenen Jahren relativ glimpflich aus – das führt zu einem trügerischen Gefühl von Sicherheit. Einige Lösungsvorschläge jenseits von Einheitsreifen gebe es, so das Handelsblatt: Kehrmaschinen etwa, die nach Safety-Car-Phasen die Strecke säubern. Doch damit würden Symptome statt Ursachen bekämpft. Der Weltmotorsportverband FIA denkt über die Ummantelung der Kohlefaser-Stukturen der Autos mit Kevlar nach, um scharfe Splitter zu vermeiden. Ob dies praktikabel ist, sei jedoch zweifelhaft. Auch Belastungstests für Reifen durch die FIA seien denkbar.

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