Bosch reduziert Bremsstaub um 90 Prozent mit neuer iDisc-Bremsscheibe – Felgenverschleiß

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Schutzengel haben viele Gesichter. Kreisrund, tellergroß und daumendick gehört auch die Bremsscheibe dazu. Lange vor ABS, ESP, Airbag und Co. hat sie das Autofahren bereits sicherer gemacht, den Bremsweg deutlich verkürzt und damit zur Vermeidung vieler Verkehrsunfälle beigetragen. Aktuell aber rückt die Bremsscheibe aus einem anderen Grund in den Fokus der Öffentlichkeit: Bremsstaub. „Das Gros des Feinstaubs im Straßenverkehr wird durch Straßen-, Reifen- und Bremsabrieb verursacht und nicht etwa durch die Verbrennung von Kraftstoff“, heißt es dazu in einer Mitteilung von Bosch. „Laut Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg stammen 32 Prozent der Partikelemission im Straßenverkehr von Bremsen und Reifen, davon etwa die Hälfte von Bremsstaub.“ Die Luft vor allem in Städten zu verbessern, kann also nur mit einer deutlichen Reduzierung des Bremsstaubs gelingen.

Genau dafür hat die Bosch-Tochter Buderus Guss die iDisc genannte Bremsscheibe entwickelt. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Bremsscheibe erzeuge sie bis zu 90 Prozent weniger Bremsstaub, verspricht der Anbieter. „Bosch arbeitet für die Luftreinhaltung nicht nur unter der Motorhaube“, sagt Dr. Dirk Hoheisel, der in der Bosch-Geschäftsführung unter anderem für Buderus Guss verantwortlich ist. „Die iDisc ist die Bremsscheibe 2.0 und verfügt über riesiges Marktpotenzial.“ Serienstart feiert die iDisc im November 2017 bei einem europäischen Hersteller.

Weniger Bremsstaub bedeutet nicht nur ein Plus für die Umwelt, da eine der Hauptursachen für die zum Teil hohe Feinstaubbelastung in Städten und Metropolregionen zum großen Teil entfällt; auch Leichtmetallfelgen bleiben deutlich länger sauber und müssen entsprechend seltener mit zum Teil aggressiven Mitteln gereinigt werden

Weniger Bremsstaub bedeutet nicht nur ein Plus für die Umwelt, da eine der Hauptursachen für die zum Teil hohe Feinstaubbelastung in Städten und Metropolregionen zum großen Teil entfällt; auch Leichtmetallfelgen bleiben deutlich länger sauber und müssen entsprechend seltener mit zum Teil aggressiven Mitteln gereinigt werden

Das Alleinstellungsmerkmal der iDisc – das vorangestellte „i“ steht übrigens für Innovation – ist eine Hartmetallbeschichtung aus Wolframkarbid, die so derzeit nur Buderus Guss anbietet. „Als Basis dient eine gewöhnliche Graugussbremsscheibe, von denen die Bosch-Tochter an den Standorten Breidenbach und Ludwigshütte (Nordhessen) bis zu 20 Millionen Stück jährlich produziert. Um daraus eine iDisc zu machen, werden die Reibringe in einem über viele Jahre von Buderus Guss und der Bosch-Forschung entwickelten Verfahren mechanisch, thermisch sowie galvanisch behandelt und schließlich beschichtet“, erklärt Bosch weiter.

Preislich ist die iDisc ungefähr um den Faktor drei teurer als eine normale Graugussbremsscheibe und um den Faktor drei günstiger als eine Keramikbremsscheibe. Mit steigenden Stückzahlen werde der Preis tendenziell noch fallen. „Die iDisc bringt alles mit, um die herkömmliche Graugussbremsscheibe abzulösen und zum neuen Standard im Bremsscheibenmarkt zu werden”, sagt Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer von Buderus Guss. „Vor dem Hintergrund der anhaltenden Feinstaubdiskussionen in vielen Ländern und Metropolen weltweit steht ihrem Durchbruch nichts im Wege.“ Zumal Bremsscheiben noch über Jahrzehnte hinaus in Fahrzeugen benötigt würden – und deren Produktion nimmt weiter zu. Allein für Pkws lag der Bedarf an Bremsscheiben 2016 weltweit bei mehr als 330 Millionen Stück.

Für die iDisc sprächen auch „ihre vielen positiven Eigenschaften“, so Bosch weiter. Neben der drastischen Reduzierung von Bremsstaub soll die Hartmetallbeschichtung für mehr Betriebssicherheit sorgen. Die Bremsleistung komme nah an die einer Keramikbremse heran. „Das gilt vor allem beim sogenannten Fading. Darunter ist das Nachlassen der Bremswirkung nach mehreren aufeinanderfolgenden Bremsmanövern zu verstehen. Ähnlich der keramischen Bremsscheibe verhält sich die iDisc in diesem Punkt sehr robust und lässt in der Verzögerungsleistung kaum merklich nach.“ Deutlich geringer sei auch der Verschleiß. „Je nach Stärke der Hartmetallbeschichtung hält die iDisc doppelt so lang wie eine normale Bremsscheibe. Riefenbildung am Reibring? Fehlanzeige. Auch Korrosion ist kein Thema. Das ist besonders bei Elektroautos von großem Vorteil. Wegen der Bremsenergierückgewinnung – Rekuperation genannt – beanspruchen sie die Bremse weniger stark und haben deshalb bei herkömmlichen Bremsscheiben immer wieder mit Flugrostbildung an den Reibringen zu kämpfen. Damit verbunden ist vorübergehend ein etwas schlechteres Ansprechverhalten beim Bremsen, das mit der iDisc so nicht auftritt.“

Schmutzige Felgen waren gestern

„Felgenliebhaber werden an der iDisc ebenfalls helle Freude haben“, ist man bei Bosch überzeugt. „Nicht nur, weil die Bremsscheibe mit ihrer glänzenden Hartmetallbeschichtung optisch viel hermacht. Verschleißresistent und korrosionsfrei bleibt sie auch nach Jahren noch ein Hingucker – das kommt dem Trend zu offen designten Felgen entgegen. Das Beste aber: Dank des bei der iDisc um 90 Prozent reduzierten Bremsstaubs entfällt regelmäßiges Felgenputzen mit zum Teil sehr aggressiven Reinigungsmitteln. Umweltschutz kann auch ganz praktischen Nutzen haben.“ ab

 

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