Continentals „strategische Wachstumsfelder“: Spezialreifensparte soll weiter wachsen

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Die Reifendivision der Continental AG ist seit Jahren deren wichtigster Ertragsbringer und trägt außerdem maßgeblich zum Wachstum bei. Eine immer bedeutendere Rolle spielt dabei der Bereich Commercial Specialty Tires (CST) mit Reifen für die Produktsegmente Material Handling, Earthmoving und Landwirtschaft, dem sich das Unternehmen seit einigen Jahren konzentriert zuwendet und der als „strategisches Wachstumsfeld“ gilt. Im Interview mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert Enno Straten, Leiter der Business Unit Commercial Specialty Tires, was man bisher bereits erreicht hat und was der Bereich mit seiner Strategie „CST 2025“ in den kommenden Jahren noch erreichen will, erwarten die Hannoveraner doch „positive Entwicklungen in allen Bereichen“, in denen man mit dem Spezialreifengeschäft aktiv ist.

NEUE REIFENZEITUNG:

Continental hat sich in den vergangenen Jahren gezielt um den (Wieder-)Einstieg in Spezialreifenmärkte gekümmert. Was hat zu dieser Entscheidung geführt und was ist dabei das langfristige strategische Ziel?

Enno Straten:

Der Bereich Commercial Specialty Tires (CST) ist einer der strategischen Wachstumsfelder, die Continental in Zukunft kontinuierlich ausbauen möchte. Im Rahmen der Strategie ‚CST 2025’ wollen wir maßgeschneiderte Produkte und Serviceangebote entwickeln, die exakt auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind.

Die ersten Schritte haben wir 2013 mit dem Einstieg in das Hafengeschäft gemacht, 2015 folgte der Bereich OTR Radial im Earthmoving-Segment und im September diesen Jahres haben wir auf der MINExpo in Las Vegas die neuen ContiEarth- und ContiMine- Produkte vorgestellt. Der nächste große Schritt ist die Markteinführung der neuen Landwirtschaftsreifen unter der Marke Continental im nächsten Jahr.

Continental investiert in diesem Rahmen erheblich in die Produktionskapazitäten, die Produktentwicklung, aber auch in den Vertrieb des Bereichs Commercial Specialty Tires. Letztendlich wollen wir der bevorzugte Partner unserer Kunden für alle zukünftigen Herausforderungen in den Bereichen Material Handling, Earthmoving und Landwirtschaft sein.

Der nächste große Schritt auf dem Wachstumspfad ist die (neuerliche) Markteinführung von Landwirtschaftsreifen unter der Marke Continental, die für das neue Jahr vorgesehen ist

Der nächste große Schritt auf dem Wachstumspfad ist die (neuerliche) Markteinführung von Landwirtschaftsreifen unter der Marke Continental, die für das neue Jahr vorgesehen ist

NEUE REIFENZEITUNG:

Das Beispiel Landwirtschaftsreifen zeigt, dass solche Entscheidungen bzw. Ziele sich mitunter ändern. Was hat konkret zum Wiedereinstieg in den Landwirtschaftsreifenmarkt geführt?

Enno Straten:

Wir haben seit Jahrzehnten Landwirtschaftsreifen produziert und verkauft. Dass wir jetzt wieder unter der Marke Continental in das Geschäftsfeld einsteigen, ist die konsequente Umsetzung der Strategie ‚CST 2025’.

Das Landwirtschaftsgeschäft ist durch Zyklen geprägt, aber wir erwarten angesichts der steigenden Weltbevölkerung und dem damit einhergehenden Wachstums- und Professionalisierungsschub eine steigende Nachfrage nach Produkten in diesem Segment. Wir sind überzeugt, dass die Kunden von Landmaschinenreifen von unserer langjährigen Erfahrung und dem globalen Servicenetzwerk profitieren werden.

NEUE REIFENZEITUNG:

Ganz allgemein, wie prognostizieren Sie für die kommenden Jahre die Entwicklung der Reifenmärkte in Europa für Material Handling, Earthmoving und Landwirtschaft?

Enno Straten:

Das Spezialreifengeschäft ist weltweit ein Markt mit einem Volumen von 15 Milliarden Euro. Und dieser Markt wächst weiter – angetrieben durch Megatrends wie die Globalisierung, wachsende Handelsvolumina sowie steigende Kundennachfragen hinsichtlich der Effizienz von Fahrzeugen. Marktforschungsinstitute wie Research and Markets und Technavio prognostizieren ein jährliches Wachstum von rund vier Prozent bis 2020.

Auch in Europa erwarten wir eine positive Entwicklung in allen Bereichen. So ist beispielsweise das Bauwesen in vielen europäischen Ländern am boomen – bis 2018 prognostiziert Euroconstruct ein durchschnittliches Wachstum von drei Prozent in dieser Region. Wir erwarten, dass sich dies auch in einer steigenden Nachfrage nach entsprechenden Reifen widerspiegelt. Auch in der Landwirtschaft zählt Europa zu den stärksten Regionen weltweit.

NEUE REIFENZEITUNG:

Continental hat im Bereich Landwirtschaft mit Lousado eine klare Richtung auch für die Produktion dieser Reifen in Europa vorgegeben. Werden Sie in naher Zukunft in Europa für die weiteren Produktsegmente der Business Unit CST zusätzliche Kapazitäten schaffen müssen?

Enno Straten:

Die Entscheidung für Lousado, Portugal, als Produktionsstandort für Radial-Agroreifen passt perfekt zur derzeitigen Marktnachfrage in diesem Segment. Generell planen wir unsere Produktionskapazitäten immer eng angelegt an die Marktentwicklung und der Kundennachfrage – das gilt für alle Produktsegmente, in denen wir aktiv sind. Gemäß unserer Strategie ‚CST 2025’ bauen wir unser Produktsortiment weiter kontinuierlich aus. Sollten dadurch Kapazitätsengpässe absehbar sein, werden wir entsprechend reagieren. Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir jedoch sehr gut aufgestellt.

Zukünftig produziert werden sollen die neuen Continental-Landwirtschaftsreifen im Werk im portugiesischen Lousado, wo derzeit die Kapazitäten dazu aufgebaut werden

Zukünftig produziert werden sollen die neuen Continental-Landwirtschaftsreifen im Werk im portugiesischen Lousado, wo derzeit die Kapazitäten dazu aufgebaut werden

NEUE REIFENZEITUNG:

Continental könnte auch Reifen im Rahmen von Offtakes durch Dritte produzieren lassen. Was spricht Ihrer Meinung nach für bzw. gegen einen solchen Ansatz?

Enno Straten:

Derzeit bauen wir in Lousado in Portugal neue Produktionskapazitäten für Agroreifen auf. Wir beobachten und analysieren aber natürlich regelmäßig die Kundenbedürfnisse und Marktgegebenheiten und prüfen, ob höhere Kapazitäten notwendig sind. Sollte dies der Fall sein, bewerten wir individuell die Möglichkeiten und entscheiden, welcher Weg unter Betrachtung verschiedener Faktoren die beste Lösung ist.

NEUE REIFENZEITUNG:

Derzeit ist Continental bei Reifen in den Segmenten Material Handling, Earthmoving und Landwirtschaft aktiv. Folgen in naher Zukunft weitere Segmente?

Enno Straten:

Die drei genannten Bereiche stehen ganz klar im Fokus unserer Strategie bis 2025. Wir möchten zunächst unser Produktportfolio weiter ausbauen und neue Märkte erschließen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf der Weiterentwicklung unserer Serviceangebote. Hierzu zählt zum Beispiel ein Zertifizierungsprogramm für Händler, aber auch technische Lösungen, die die Sicherheit und Effizienz von Fahrzeugflotten erhöhen.

NEUE REIFENZEITUNG:

Inwiefern sind die drei besetzten Segmente bereits umfassend mit Produkten abgedeckt? Gibt es in den jeweiligen Segmenten noch große Lücken, die Continental zu schließen hat?

Enno Straten:

Wir setzen uns intensiv mit den Anforderungen und Bedürfnissen unserer Kunden auseinander. Diese sind je nach Branche und Region sehr unterschiedlich. Unser Ziel ist es, jedem einzelnen maßgeschneiderte Lösungen anbieten zu können. Aus diesem Grund wird es immer Potenziale geben, die es im jeweiligen Segment noch zu heben gibt. Im Bereich Material Handling sind wir derzeit zum Beispiel optimal aufgestellt – hier haben wir auch die längste Historie. Im Segment Mining werden kontinuierlich Reifendimensionen hinzukommen. Bei den Agroreifen, deren Launch im nächsten Jahr ansteht, wird es naturgemäß den größten Ausbaubedarf geben.

Zuletzt hatte der deutsche Reifenhersteller und Automobilzulieferer im September dieses Jahres auf der MINExpo in den USA die neuen ContiEarth- und ContiMine- Produkte vorgestellt

Zuletzt hatte der deutsche Reifenhersteller und Automobilzulieferer im September dieses Jahres auf der MINExpo in den USA die neuen ContiEarth- und ContiMine- Produkte vorgestellt

NEUE REIFENZEITUNG:

Continental ist bekanntlich weit mehr als ein Reifenhersteller. Inwiefern profitiert die Business Unit CST von weiteren Konzernprodukten, etwa zur Reifendruckkontrolle oder zur Telematik? Gerade in der Erstausrüstung müssten sich hier doch große Vorteile ergeben?

Enno Straten:

Continental als internationales Technologieunternehmen hat hier eine sehr besondere Position. Neben Premiumreifen und Reifenservice können wir auch viele Produkte und Erfahrungen aus dem Bereich Telematik sowie Sensorik anbieten – alles unter einem Dach. Dies ermöglicht uns sehr schnell auf neue Marktanforderungen reagieren zu können und unsere Kunden mit neuen Produkten sowie Lösungen zu bedienen. Wir nennen dies den ‚OneContinental’-Ansatz: Sie erhalten von Continental maßgeschneiderte Lösungen – alles aus einer Hand.

Ein gutes Beispiel ist die Off-Highway-Initiative. Sie umfasst Produkte und Services aus zahlreichen Continental-Divisionen über die Bereiche Material Handling, Landwirtschaft sowie Baugewerbe und Bergbau hinweg.

NEUE REIFENZEITUNG:

Welche Rolle spielen derzeit die Marken General und Simex für das CST-Portfolio in Europa? Bei EM-Reifen sind diese durchaus präsent. Welche Pläne haben Sie in Bezug auf diese und andere Konzernmarken, was Spezialreifen betrifft?

Enno Straten:

Die Marken General und Simex sind nach wie vor in verschiedenen Regionen von Bedeutung. Reifen unter der Marke Simex werden vornehmlich im asiatischen Raum verkauft, Reifen der Marke General in den Regionen Afrika und der Subsahara. Continental ist unsere Premiummarke, die wir auch für Commercial-Specialty-Produkte entsprechend im Markt positionieren. Generell gilt: Unser Fokus liegt darauf, Kundenbedürfnisse optimal zu adressieren und die Chancen zu nutzen, die ein Markt uns bietet. Daran orientieren wir auch unsere Markenstrategie.

NEUE REIFENZEITUNG:

Können Sie uns einen Einblick in das jährliche Umsatzvolumen der Business Unit CST geben und sagen, welche Rolle die Erstausrüstung dabei spielt?

Enno Straten:

Ich kann Ihnen leider keine konkreten Umsatzzahlen für den Bereich Commercial Specialty Tires nennen, da wir als Unternehmen nur Geschäftszahlen auf Divisionsebene veröffentlichen. Was ich Ihnen jedoch sagen kann: Continental hat 2015 einen Umsatz von 39,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Anteil der Reifendivision, zu der auch CST zählt, betrug 10,4 Milliarden Euro. Wir befinden uns seit Jahren auf Wachstumskurs. Auch in diesem Jahr erwarten wir wieder ein profitables Wachstum bei CST. arno.borchers@reifenpresse.de

 

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