Runderneuerer Reifen Apel setzt auf Qualität und schafft dabei Kontinuität

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Viel wird im Reifenmarkt – insbesondere in der Runderneuerung – derzeit über Importreifen aus Fernost gestritten, die mitunter kaum die Hälfte eines neuen Lkw-Reifens aus europäischer Fertigung kosten und folglich gerade vielen Runderneuerern das Leben schwer machen. Auch wenn der Markt im Moment für alle Teilnehmer schwach ist, wirkt das Problem der Billigreifen doch nicht überall gleich. Bei Reifen Apel in Korbach etwa hat man es über Jahrzehnte hinweg verstanden, sich einen Markt und einen Kundenkreis aufzubauen, der dem eigenen Credo nach umfassender Produktqualität folgt und folglich nur selten den Versuchungen niedriger Einstandspreise erliegt. Im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert Udo Lossau, Geschäftsführer von Reifen Apel, wie und wieso sich Investitionen in die Produktion und damit in die Produkte langfristig immer rechnen.

button_retreading-special-schriftzug-jpg Dieser Beitrag ist im September in der Runderneuerungsbeilage „Retreading Special“ erschienen, die Sie hier auch als E-Paper lesen können.

„Jeder schafft sich seinen Markt über Jahrzehnte“, sagt Udo Lossau von Reifen Apel. Der Vulkaniseurbetrieb wurde bereits 1947 im hessischen Korbach durch Paul Apel – bis dahin Leiter der Schlauchfertigung im benachbarten Continental-Reifenwerk – und seinen Sohn Frank – ebenfalls dem Vulkaniseur- und Reifenmechanikerhandwerk zugetan und Meister wie der Vater – gegründet. Beide bauten den Betrieb in der nordhessischen Kreisstadt schrittweise auf und aus. Als Udo Lossau in den 1980er Jahren Sibylle Apel, Tochter von Frank Apel, heiratete, hatte sich Reifen Apel bereits zu einem stattlichen Reifenhandels- und Runderneuerungsbetrieb mit einem Standort in der Briloner Straße in Korbach entwickelt, erinnert sich der heute 59-Jährige.

Nach dem Einstieg des Schwiegersohns, der heute gemeinsam mit seiner Ehefrau Sibylle die Geschäfte der GmbH führt, kam die Zeit der großen Entscheidungen und Weiterentwicklungen, die das Unternehmen zu dem machten, was es heute ist. Ganz maßgeblichen Anteil daran kommt Lossau selber zu. So Stand Ende der 1980er Jahre die Entscheidung im Raum: Soll Reifen Apel weiterhin Pkw-Reifen runderneuern und außerdem auch der Lkw-Heißrunderneuerung die Treue halten? Wie Udo Lossau erläutert, war Reifen Apel bereits 1974 als einer der ersten im Land in die Kaltbesohlung von Lkw-Reifen eingestiegen und hatte sich in den darauffolgenden Jahren eine entsprechende Expertise erarbeitet. Darüber hinaus hatten Kaltlaufstreifen und die entsprechende Kaltrunderneuerung damals einen deutlich besseren Ruf als das verfügbare Material für die Heißrunderneuerung erlaubte; die Qualität der kaltrunderneuerten Reifen bei Reifen Apel ließ die der üblichen Heißrunderneuerten deutlich hinter sich. Als man entscheiden musste, in neue Pressen für die Heißrunderneuerung zu investieren – es liefen damals fünf Pressen für die Pkw- und vier Pressen für die Lkw-Reifenrunderneuerung –, fiel Lossaus Antwort negativ aus. Die Nachfrage nach runderneuerten Pkw-Reifen war kontinuierlich rückläufig und Großserien, für die sich eine Lkw-Heißrunderneuerung anbieten würde, wurden auch nicht gefertigt.

Am Standort in Korbach, nicht weit vom Continental-Neureifenwerk entfernt, produziert Reifen Apel jährlich rund 15.000 Kaltrunderneuerte

Am Standort in Korbach, nicht weit vom Continental-Neureifenwerk entfernt, produziert Reifen Apel jährlich rund 15.000 Kaltrunderneuerte

Nachdem sich Reifen Apel 1989 komplett der Kaltrunderneuerung von Lkw-Reifen verschrieben hatte, wurde dieses Geschäft auch kontinuierlich ausgebaut und gilt den Korbachern seit Jahren als wirtschaftlich stabiles Standbein zusammen mit den drei Filialbetrieben in Korbach, Bad Arolsen (seit 1988) und Wabern bei Fritzlar (seit 1999), über die der Runderneuerer und Vollsortimenter den überwiegenden Teil seiner Produktion von rund 15.000 Reifen pro Jahr absetzt.

Dass dieser Markt – über Jahrzehnte hinweg aufgebaut – überaus stabil ist und offenbar auch von der Flut chinesischer Billigreifen kaum beeinträchtigt ist, liegt Udo Lossau zufolge nicht zuletzt an dem Segment, in dem die eigenen Kaltrunderneuerten angeboten werden, und an den Kunden, die eben in einem solchen Segment vorwiegend einkaufen. „Wir fertigen Qualität und wir wollen unsere Qualität auch verkaufen“, sagt Udo Lossau, mittlerweile – obwohl ursprünglich aus der IT-Branche kommend mit großem Interesse für Maschinenbau – auch Vulkaniseur- und Reifenmechanikermeister und darüber hinaus öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Kassel für Lkw-Reifen.

Was bedeutet Qualität für Reifen Apel? Qualität ist, wenn man zweimal prüft, ist das Credo von Udo Lossau. Wer jährlich 15.000 Reifen produziert, produziert auch Ausfälle, das ist dem Geschäftsführer klar. Aber auch wenn er diese Tatsache hinnehmen muss, setzt er doch sehr viel dafür ein, dass die Anzahl dieser Ausfälle auf ein technisch mögliches Minimum reduziert wird. So bildet Reifen Apel etwa ständig Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik im eigenen Betrieb aus. Diese werden in der Regel bei bestandener Gesellenprüfung auch übernommen. Im Anschluss an die dreijährige Berufsausbildung erhalten sie eine zwei Jahre dauernde Fortbildung mit verschiedenen Schwerpunkten, die sich samt und sonders um die technischen Fragen der Produktion drehen: also um das Kontrollieren, Rauen, Belegen, Abheizen, Kontrollieren.

Gerade in Bezug auf die Kontrolle will man bei Reifen Apel ein möglichst engmaschiges Netz knüpfen. Während die Karkassen, die zu einem Drittel aus den drei Filialen und zu zwei Dritteln vom namhaften Karkassenhandel stammen, bereits bei der Eingangskontrolle von den dafür eben ausgebildeten Mitarbeitern in Augenschein genommen werden, folgt immer die Shearografie. Weitere technisch gestützte Kontrollen, etwa durch die Druckprüfung oder per Nagellochdetektoren, finden nicht statt. Das Besondere geschieht dann: Nach der Runderneuerung geht jeder Reifen noch ein zweites Mal in die Shearografie, da sich mitunter erst durch das Abheizen bei rund 110 Grad Celsius Separationen im Reifen zeigen, die zuvor nicht zu erkennen gewesen sind. „Wir shearografieren wie die Wilden“, muss Lossau schmunzelnd zugeben. Es sei ihm aber lieber, am Ende des Runderneuerungsprozesses noch einmal knapp ein Prozent der Reifen auszusortieren und diese dann – auf Speedindex A8 (bis 40 km/h) abgestempelt – quasi zum Materialpreis in die Landwirtschaft zu verkaufen, als das Risiko eines Ausfalls auf einem Lkw bei über 80 km/h auf der Autobahn zu riskieren. Weit mehr als die Hälfte der Runderneuerten von Reifen Apel werden im Fernverkehr gefahren.

Dass sich eine entsprechend hohe Qualität in der Produktion nur gewährleisten lässt, wenn die Anlagen stets auf dem Stand der Technik sind, ist für den Geschäftsführer eine Binsenweisheit. Ende Juli hatte Udo Lossau in der Produktion gerade eine neue Produktionssteuerungssoftware installiert, die in wesentlichen Teilen von ihm selber programmiert wurde. Aber auch das Equipment wird bei Reifen Apel kontinuierlich gewartet und ersetzt. Lossau zufolge bleibt kaum eine Anlage länger als acht, manchmal vielleicht zehn Jahre in Betrieb. Solche Zyklen erhöhten nicht nur die Produktqualität, da die Anlagen sich auch mit den Neureifen weiterentwickelten, sondern sie verringerten auch die Ausfallzeiten, in denen die sieben Mitarbeiter in der Produktion Anlagen reparierten anstatt Reifen zu produzieren. Von der Acht-bis-zehn-Jahre-Regel gibt es allerdings eine bedeutende Ausnahme im Unternehmen: der Dampfkessel. Bei Reifen Apel wird der Heizkessel – Kapazität: 20 Reifen – per selbst produziertem Wasserdampf beheizt, und das seit Jahrzehnten mit demselben Kessel.

Mit laufleistungs- und rollwiderstandsoptimierten Runderneuerten würden die Kosten pro Kilometer bei Kunden weiter sinken, womit Reifen Apel in Verkaufsgesprächen überzeugen will

Mit laufleistungs- und rollwiderstandsoptimierten Runderneuerten würden die Kosten pro Kilometer bei Kunden weiter sinken, womit Reifen Apel in Verkaufsgesprächen überzeugen will

Auch in Bezug auf das eingesetzte Material legt man bei Reifen Apel Wert auf Qualität. Der Runderneuerer kooperiere zwar eng mit Vergölst und mit der Continental – etwas, das bei der Unternehmenshistorie von Reifen Apel und am Standort in Korbach unausweichlich scheint, beschäftigt der Hannoveraner Reifenhersteller dort doch rund 3.000 Mitarbeiter und dominiert den regionalen Reifenmarkt folglich auch mit seinen Produkten. Auch ist Reifen Apel ContiTread-Kaltrunderneuerungspartner. Dennoch dominieren dort seit Langem die Laufstreifen von Kraiburg Austria das Sortiment. „Wir kleben an Kraiburg“, meint Udo Lossau. Er ist dabei auch ein großer Verfechter der Produktkategorisierungen bei Kraiburg und vermarktet entsprechend seinem eigenen Qualitätsanspruch gerne Runderneuerte mit K_plus-Premiumlaufstreifen. Laufleistungs- und rollwiderstandsoptimierte Runderneuerte würden die Kosten pro Kilometer bei Kunden weiter senken, womit der Geschäftsführer in Verkaufsgesprächen überzeugen will; eine vordergründige Vermarktung über den Einstandspreis der Reifen mache für Lossau folglich keinen großen Sinn.

Reifen Apel war in jüngster Vergangenheit genauso vom schwachen Nutzfahrzeugreifenmarkt betroffen wie zahllose andere Marktteilnehmer auch. Während sich der deutsche Neureifenmarkt noch vergleichsweise stabil entwickelte und im ersten Halbjahr 2015 ‚nur’ drei Prozent im Minus lag (Sell-out-Zahlen laut WdK), büßte die Runderneuerung im ersten Halbjahr 2015 rund 13 Prozent an Marktvolumen ein, wobei die Kaltrunderneuerung mit einem Minus von 18 Prozent überproportional betroffen war. Etwas, das Lossau hingegen in seinem eigenen Marktumfeld nicht bestätigen kann, ist der zunehmende Druck durch billige Neureifenimporte aus Fernost; an entsprechende Produkte habe Reifen Apel in seinem Kundenkreis – wenn überhaupt – nachweislich nur minimale Anteile verloren, so der Geschäftsführer. „Wir haben verlässliche Partner, dies ist wichtig“, so Lossau. Das Geschäft mit neuen und runderneuerten Nfz-Reifen stehe bei Reifen Apel für rund 50 Prozent des Umsatzes.

Ein Teil dieses Geschäftes mit Nutzfahrzeugreifen ist dabei überaus neu und liegt Udo Lossau auch persönlich am Herzen: Reifen Apel kooperiert auch seit Kurzem mit der Continental bei der Runderneuerung von Industriereifen, die im vergangenen Sommer vom Reifenhersteller auf der CeMAT-Messe in Hannover erstmals gezeigt wurden („Continental LifeCycle“). Der Runderneuerer aus Korbach hat sich in diesem Zusammenhang auf die Eingangskontrolle und das Abrauen der Reifen spezialisiert, das Belegen und Vulkanisieren macht der Hersteller im eigenen Neureifenwerk nebenan. Anders als man vielleicht denken mag, findet das Rauen der Continental-Industriereifen nicht im Standardverfahren auf der vorhandenen Raumaschine statt, sondern läuft bei Reifen Apel vollautomatisch im Liegen, und zwar vermittels zweier von Udo Lossau selbst entwickelter und patentierter Roboter, die Besucher in der Reifen-Apel-Produktion allerdings nur bestaunen, nicht aber fotografieren dürfen. Diese Anlage liefe seit Inbetriebnahme im vergangenen Jahr „voll durch“, so der Geschäftsführer abschließend. arno.borchers@reifenpresse.de

 

 

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