ETD will die Nfz-Reifenmarke Leao etablieren

Marcus Reedijk ist Managing Director der in Strijen vor den Toren Rotterdams ansässigen European Tyre Distributors B.V. (ETD), er hat das Unternehmen aufgebaut. Und wer zu seinem Betrieb in der Strijener Industriestraat fährt, sieht links und rechts der Straße große Hallen verschiedener Betriebe, die allesamt den Namen Reedijk tragen und Ausdruck einer ungewöhnlichen „Reifenfamiliendynastie“ sind. Jeder dieser Betriebe hat seine Geschichte, die jeweils irgendwie mit Marcus Reedijk zu tun hat und Teil seiner 45-jährigen beruflichen Vita in der Reifenbranche hat, auch wenn er dort selbst gar nicht mehr involviert ist. „Jetzt wollen wir uns intensiv darum kümmern, mit der Nutzfahrzeugreifenmarke Leao stärker zu wachsen als der Markt und etwas aufzubauen. Dann werde ich mich in einigen Jahren aus dem operativen Geschäft zurückziehen können“, sagt der 67-Jährige.

Der „Vollblutreifenmann“ ist seit 41 Jahren selbstständig, in die vorderste Linie und an die Öffentlichkeit hat es ihn nie gezogen. Er wirkt lieber im Hintergrund, von wo aus er seine Strippen zieht. Mit Understatement könnte man seine Unternehmensphilosophie wohl auch beschreiben. Was das Geschäft mit in Fernost hergestellten Reifen anbelangt, ist Marcus Reedijk allerdings ein Pionier, zuerst war er in den 70-ern in Taiwan unterwegs, auch in Thailand und anderen Ländern, schnell auch in der Volksrepublik China. So mancher Marke, die heute keiner mehr mit ihm in Verbindung bringt, wurde zuerst durch Marcus Reedijk nach Europa gebracht. Und jetzt will er eben Leao etablieren. Beim Gang durch das gut bestückte ETD-Lager fallen zwar auch die (Pkw-nahen) Trailerreifen der Marke Security ins Auge, Diagonal- und Radialreifen für die Landwirtschaft unter dem Namen Taifa, „aber angesichts der enormen Qualitätsfortschritte, die bei Shandong Linglong Tyre Co., Ltd. gemacht werden (der Hersteller der Marke Leao ist aktuell die Nummer 3 unter den chinesischen Reifenherstellern und international auf Rang 18, d. Red.), sehe ich ein großes Potenzial für Leao in Europa“, sagt Reedijk, der so viele chinesische Reifenwerke von innen gesehen hat wie wohl kaum ein anderer. Wolfgang Lüttschwager unterstützt den Vertrieb der ETD-Marken im Übrigen und bringt seine langjährigen Erfahrungen im Großhandel ein. Das sei „kein leichtes Brot“, so der branchenbekannte Deutsche, „aber es macht Freude zu sehen, wie der Kundenkreis in Europa deutlich wächst. Menschen machen Geschäfte, wenn sie sich verstehen und vertrauen – dazu gehört der persönliche Kontakt.“

Jeannette Bertolin (re.) und Anne Marie Hartmanns sind nicht nur beide viele Jahre im Unternehmen, sondern können aufgrund ihrer sprachlichen Fähigkeiten auch mit den Kunden in ganz Europa fachlich kompetent kommunizieren

Jeannette Bertolin (re.) und Anne Marie Hartmanns sind nicht nur beide viele Jahre im Unternehmen, sondern können aufgrund ihrer sprachlichen Fähigkeiten auch mit den Kunden in ganz Europa fachlich kompetent kommunizieren

Im Frühjahr 1999 hatte Marcus Reedijk bekanntlich seine Reedijk Banden Import B.V. (RBI) an Van den Ban veräußert, etwas Neues musste her. Die Firma European Tyre Distributors bestand zwar schon zuvor, so richtig mit Leben erfüllt wurde sie allerdings erst um die Jahrtausendwende durch die Aufnahme eines reinen Containergeschäftes und schließlich erklärtermaßen als „Spezialist in tyres from China“, und zwar für Nutzfahrzeugreifen, betont der niederländische Unternehmer („die Pkw-Reifenmarke Event ist ein Thema für sich“, klammert er aus). ETD ist Europaimporteur für Lkw- und Landwirtschaftsreifen der Marke Leao, einige eher den Segmenten EM- und Industriereifen zuzurechnende Produkte komplettieren das Leao-Sortiment, natürlich sämtlich radialer Bauart.

Nein, mit den großen renommierten Lkw-Reifenmarken wolle man nicht in Konkurrenz treten, auch Erstausrüstungsambitionen habe man im Gegensatz zu anderen Fernostanbietern nicht („dafür haben wir gar kein Personal“). „Und wir sind realistisch genug, um einzusehen, dass China-Reifen in Europa nicht über einen von den großen Reifenfirmen limitierten Marktanteil hinauskommen werden“, erklärt Marcus Reedijk. Der Billigste könne man mit Leao nicht sein, dafür sei das Produkt einfach zu gut, habe man in der Entwicklung den Ansprüchen Europas auch hinsichtlich Reifenlabel Rechnung getragen und nicht zuletzt ein sehr komplettes Sortiment an Lkw- und Busreifen aufgebaut einschließlich Winterspezialisten. Leao ist eine Budgetmarke, die problemlos funktioniert, aber keine Low-Budget-Marke, bei der man da vielleicht nicht so sicher sein sollte und bei der es an einem Marketingplan bzw. einer Strategie mangele.

Die Vermarktung „der preisgünstigen Alternative Leao“ soll sich für jeden lohnen, erteilt Marcus Reedijk Modellen mit Zwischenhändlern eine Absage. Je länger eine Lieferkette ist, desto mehr wollen daran verdienen, desto weniger rechnet sich das. ETD will für einen möglichst direkten Weg von der Reifenfabrik im so fernen China hin zu leistungsfähigen Stützpunkthändlern sorgen. Das „Overhead“ bei ETD wird klein gehalten, man wolle „keine Armee von teuren Außendienstlern“, die – so sie denn gute Arbeit leisteten – ja auch entsprechend honoriert werden müssten. Das Team hat eine überschaubare Größe, das sorgt für Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Schnelligkeit. Seine Mitarbeiterinnen Verkaufsleiterin Jeannette Bertolin und Anne Marie Hartmanns, die nicht nur langjährig für und mit Reedijk zusammenarbeiten, sondern auch beide mehrsprachig mit Kunden in ganz Europa kommunizieren, beantworten jede Anfrage sofort und sorgen für eine zügige Auftragsabwicklung. ETD ist organisatorisch so schlank und so gut aufgestellt, dass das Unternehmen in seiner Funktion als klassischer Distributeur Großhändlern, die ganze Partien bzw. direkt Container beziehen, sehr gute Preise einräumen könne und bei „Klein-Klein“ immer noch gute Preise. Und ETD hat seit Jahren ein Asset, das ein Alleinstellungsmerkmal ist: eine eigene achtköpfige Dependance in der Stadt Weihai (Provinz Shandong), also vor Ort direkt beim Hersteller!

Marcus Reedijk sieht sich quasi in der Funktion einer „Sparkasse“, wie er scherzt, wenn er für die Finanzierung des Lagerbestands sorge. So viele Jahre in der Reifenbranche zu sein, hat sich für ihn gelohnt. Und mit ihm als direkter Mittler zwischen Reifenfabrik und Händler soll es sich für alle Beteiligten und auch die Marke Leao lohnen. detlef.vogt@reifenpresse.de

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