„Concept“ und „Concept QR Code“ von Michelin

Zwei auf der internationalen Messe Agritechnica im November ausgestellte neue Michelin-Konzeptreifen sind Entwicklungen des Michelin-Technologiezentrums. Hier konzipieren weltweit 6.600 Forscher auf drei Kontinenten mit einem Jahresbudget von 622 Millionen Euro die Reifen von übermorgen. Am Hauptsitz der Michelin Gruppe in Clermont-Ferrand wendet der Bereich Landwirtschaftsreifen jährlich 12.000 Stunden für Tests auf. Die Experten nehmen das Verhalten von über 900 Agrarreifen mittels 50 übergeordneter Testreihen unter die Lupe. Forscher und Testfahrer beschreiten dabei auch unkonventionelle Wege, um den Reifen von morgen zu erdenken.

Gibt es zum V-Profil wirklich keine Alternative?

Gibt es zum V-Profil wirklich keine Alternative?

Traditionsgemäß sind die meisten Profile von Reifen für Agrarfahrzeuge so gestaltet, dass die Lauffläche zwei Reihen V-förmig angeordneter Gummistollen aufweist. Michelin hat bei seiner jüngsten Reifenstudie einen völlig anderen Ansatz gewählt: Die Form des Laufflächenprofils ist nicht allein ausschlaggebend für die Funktionalität. Die Steifigkeit der Gummistollen, ihr Neigungswinkel zum Boden, die Robustheit des Wulstkerns, die Einfederung der Flanken und die Qualität der Gummimischungen – jedes Detail trägt zur Effizienz im Feldeinsatz bei. Auch wenn sich Landwirtschaftsreifen äußerlich sehr ähneln, so sind sie längst nicht alle gleich: Die Technologie, die dahintersteckt, macht den entscheidenden Unterschied.

Der neue Konzeptreifen zeigt beispielhaft, wie Michelin mit innovativen Lösungen gegensätzliche Anforderungen erfüllen will. Die Studie demonstriert, wie in Zukunft ein Reifen aussehen könnte, der sowohl auf hartem als auch feuchtem Boden und in Hanglagen optimale Leistungen erbringt und dessen Handling auf der Straße überzeugt. Ob ein Reifen jemals mit diesem neuartigen Profil in den Markt kommt, vermag Jean-Paul Gauthier, verantwortlich für Forschung und Entwicklung bei Michelin, nicht vorherzusehen, in den nächsten fünf Jahren jedenfalls eher nicht. In jedem Falle sei der „Concept“ aber ein Produkt, von dem man für die Zukunft sehr viel lernen könne.

Der „kommunizierende“ Agrarreifen

In landwirtschaftlichen Fahrzeugen sind immer mehr Funktionen miteinander vernetzt. Sie liefern dem Landwirt zahlreiche Informationen, die er benötigt, damit er seine Arbeit optimal verrichten kann. Für Landwirte ist es von zentraler Bedeutung, auf dem Feld zuverlässig den richtigen Reifen für jeden Einsatzzweck zur Verfügung zu haben. Ebenso entscheidend ist der richtige Reifenfülldruck bei entsprechender Belastung, da er zur Sicherheit und zur Bodenschonung beiträgt.

Da die Reifenbelastung durch das beförderte Gewicht im Laufe eines Arbeitstages schnell wechseln kann, hat Michelin einen „kommunizierenden Konzeptreifen“ entwickelt: Ein in der Flanke einvulkanisierter QR-Code lässt sich mit einem Scanner auf dem Smartphone auslesen. Er leitet den Nutzer zu einer Anwendung weiter, die ihm alle notwendigen Informationen zum richtigen Einsatz des Reifens bietet. So wird der Reifen zu einer „intelligenten“, „kommunizierenden“ und vernetzten Fahrzeugkomponente.

Als Basis für dieses Projekt nutzt Michelin den CargoXBib, der die Anforderungen von Reifendruckregelanlagen auf Anhängern und Güllefässern erfüllt. Dank seiner robusten Karkasse lässt sich der Reifenfülldruck von 4 bar im Straßeneinsatz auf 1 bar im Feld je nach Einsatz reduzieren. Diese Lösung hilft dem Kunden dabei, seine Produktivität zu erhöhen.

Die technologische Leistung besteht nicht nur darin, aus dem Reifen eine intelligente Fahrzeugkomponente zu machen. Erstmals vulkanisierte Michelin auch einen QR-Code mit größeren Maßen (75 x 75 mm) im Kontrastverfahren „schwarz auf schwarz“ direkt auf der Reifenflanke ein. Mit derselben Technologie hat Michelin bereits den sogenannten „Velvet-Effekt“ bei der Flankenmarkierung des Pkw-Reifens Pilot Sport Cup 2 erzielt (mit diesem Pneu hat der Porsche 918 Spyder den Rundenrekord auf dem Nürburgring aufgestellt). detlef.vogt@reifenpresse.de

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