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Landwirtschaftsreifen: Michelin sieht auf die Bedürfnisse von Kunden und Märkten

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Der Bereich Landwirtschaftsreifen bei Michelin pflegt mehr denn je eine enge Verbindung zu den Herstellern von landwirtschaftlichen Maschinen, um den Anforderungen der Landwirte von heute gerecht zu werden und deren künftige Bedürfnisse vorwegzunehmen. Dabei verstehen sich die Franzosen als Technologieführer – nicht nur als Lieferant von Reifen für größte und anspruchsvollste Maschinen, so Emmanuel Ladent, Direktor der Produktlinie Landwirtschaftsreifen weltweit, im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Agritechnica.

Emmanuel Ladent, Michelin-Direktor der Produktlinie Landwirtschaftsreifen weltweit

Emmanuel Ladent, Michelin-Direktor der Produktlinie Landwirtschaftsreifen weltweit

Und Jean-Paul Gauthier, verantwortlich für Forschung und Entwicklung, konkretisiert gegenüber der NEUE REIFENZEITUNG an zwei Beispielen: So steht Michelin neuen Ansätzen wie zum Beispiel der Verwendung von Gummilaufketten statt Reifen durchaus offen gegenüber, man fühle sich trotz der 124 Jahre währenden glorreichen Historie als Hersteller von Reifen nicht primär diesem Produkt verpflichtet, sondern der Mobilität. Und wie zum Beweis präsentiert Philippe Guillaume als Michelin-Presseverantwortlicher die Ergebnisse eines im Sommer 2012 durchgeführten unabhängigen Vergleichstests beider „Systeme“, bei dem sich ein mit „IF“ (Improved Flexion) gekennzeichneter Reifen mit 1,4 bar Luftdruck gegen den Einsatz einer Kette auf einer Erntemaschine hinsichtlich Bodenverdichtung durchgesetzt hat: mit um neun Prozent besseren Werten bei weichem Untergrund.

Das zweite von Gauthier präsentierte Beispiel: Ob in Europa hergestellte (in drei Michelin-Werken in Polen, Frankreich und Spanien) und für Europa konzipierte Reifen auch in China funktionieren, könne man aufgrund gemachter Erfahrungen (zum Beispiel in den Märkten Brasilien/Nordamerika) eher bezweifeln. Man habe erst im August 2013 die ersten Landwirtschaftsreifen im so vielversprechenden gigantisch großen Markt China verkauft und das mit Praxisdemonstrationen unterfüttert, um den chinesischen Verbrauchern die Überlegenheit moderner Radialreifen der Marke Michelin zu beweisen und den Nutzen, den die Reifen bei richtiger Verwendung stiften können. Es dauere wohl noch einige Jahre, bis Michelin Landwirtschaftsreifen in China herstelle, so Gauthier auf konkrete Nachfrage. Andererseits ist es Michelin-Philosophie, erst einmal einen und eben auch den chinesischen Markt wirklich zu verstehen, zu lernen.

„Lernen zu wollen“ ist auch ein Aspekt, auf den Ladent im Rahmen seiner Präsentation eingeht und verweist auf zwei Konzeptreifen, die erste Lösungsansätze für die Mobilität in der Landwirtschaft von morgen und übermorgen zeigen: Neben innovativen Reifenprofilen geht es hierbei um den „intelligenten“ Reifen – wie zum Beispiel den Concept QR Code (beide Ansätze wird die NEUE REIFENZEITUNG im Rahmen ihrer Januar-Berichterstattung über Landwirtschaftsreifen erneut aufgreifen).

Neues bringen, Bewährtes ergänzen, in neue Dimensionen vordringen

2014 erweitert Michelin erst einmal sein Reifenangebot erneut, um für möglichst alle erdenklichen landwirtschaftlichen Anwendungen und Einsatzbereiche das passende Produkt anbieten zu können und hat deshalb im Rahmen der Agritechnica zwei neue Reifen vorgestellt: den SprayBib jetzt auch in der Größe VF420/95 R50 mit den hauseigenen „Ultraflex Technologies“ für Feldspritzen und als völlig neues Produkt den BibLoad Hard Surface, eine neue Produktreihe für Teleskop- und Kompaktlader. Ferner wurde auf der Fachmesse voller Stolz mit dem AxioBib IF900/65 R46 der gemessen am Luftvolumen größte Reifen der Welt für Traktoren präsentiert. Der New Holland T9 und die neue Serie 11 von Deutz-Fahr standen auf der Messe bereits ausgerüstet mit dem (reifenseitigen) Giganten der Landwirtschaft. Auch Krone hat angekündigt, dass seine nächste Häckslergeneration mit einer Motorleistung von über 1.100 PS diesen Pneu einsetzen will.

BibLoad Hard Surface

Teleskop- und Kompaktlader kommen in landwirtschaftlichen Betrieben heute immer häufiger zum Einsatz. Die Größe der Betriebe wächst rasant an, sodass diese Geräte länger auf

Völlig neues Profilmuster beim BibLoad Hard Surface

Völlig neues Profilmuster beim BibLoad Hard Surface

Straßen und geteerten Hofflächen zum Einsatz kommen. Als Folge nimmt die durchschnittliche Zeit, in der ein Landwirt auf harten Flächen arbeitet, zu. In vielen Fällen kann diese mehr als 50 Prozent der Arbeitszeit ausmachen. Um den veränderten Einsatzbereichen und der zunehmenden Technisierung der Landwirtschaft gerecht zu werden, hat Michelin eine neue Reifenfamilie entwickelt, die genau diese Kriterien berücksichtigen soll: den Radialreifen BibLoad Hard Surface.

Für die Entwicklung dieser Produktreihe haben die Michelin Ingenieure zahlreiche Praxistests durchgeführt. Mehrere Dutzend landwirtschaftliche Betriebe in Frankreich, Deutschland und Russland waren daran mit ihren realen Einsatzbedingungen beteiligt. Dabei statteten die Entwickler die Teleskop- und Kompaktlader mit Systemen zur Aufzeichnung von GPS-Daten aus. Auf diese Weise konnten sie die Einsatzbedingungen exakt analysieren und anhand der Nutzungsprofile ideale Spezifikationen festlegen. So stellten sie fest, dass zum Arbeitsalltag der Geräte häufige Richtungswechsel bzw. Seitwärts-, Längs- und Querbewegungen auf harten, schmierigen und sogar verschneiten Flächen gehören. Michelin hat deshalb ein neuartiges Profil entwickelt, das an diese häufigen Richtungswechsel im Betrieb angepasst ist. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Robustheit der Reifenflanken.

Der BibLoad Hard Surface ist der erste Reifen mit einem Profil, dessen Gummistollen an einen Diamanten mit angeschrägten Facetten erinnert. Ihre Formgebung mit jeweils sechs unterschiedlichen Stollenkanten verleihe dem Gummiblock mehr Steifigkeit unabhängig von der Profiltiefe, heißt es. Die bis zum Profilgrund angelegten Fasen können die bei Seitwärtsbewegungen auf die Karkasslage einwirkenden Kräfte besser verteilen. Außerdem erleichtern sie die Selbstreinigung des Reifenprofils.

Im Vergleich zur Reifenfamilie XMCL, die für Arbeiten auf lockerem Boden geeignet ist, verfügen die neuen Reifen der Reihe BibLoad Hard Surface über deutlich weniger Zwischenräume zwischen den Stollen. Der sogenannte Negativprofilanteil beträgt 50 Prozent (XMCL: 70 Prozent). Dies erhöht die Laufruhe, den Fahrkomfort und die Lebensdauer.

Für den BibLoad Hard Surface verspricht der Hersteller hohe Langlebigkeit dank einer optimierten Aufstandsfläche, dadurch geringere Betriebskosten pro Stunde als bei herkömmlichen Agro-Industriereifen, größere Widerstandsfähigkeit gegenüber Verletzungen dank verstärkter Flanken und hohen Komfort und Stabilität dank der steifen Profilstruktur. Die neue Produktreihe startet 2014 mit den Dimensionen 400/70 R20 und 460/70 R24, weitere Größen sind in Vorbereitung und werden im Lauf der Jahre 2014 und 2015 erhältlich sein.

SprayBib jetzt auch in der Dimension VF420/95 R50

Mit dem neuen SprayBib in der Dimension VF420/95 R50 sollen neue Maßstäbe bei Pflegereifen gesetzt werden, so bietet die 95er-Serie mehr Sicherheit und Stabilität für die Nutzer von Feldspritzen und Pflegegeräten, deren Größe im Zuge der wachsenden Technisierung der Landwirtschaft stetig zunimmt. Diese Entwicklung geht auf die immer anspruchsvolleren Leistungsanforderungen in puncto Produktivitätszahlen, Geschwindigkeiten und Tragfähigkeit zurück. Die Tanks künftiger Gerätegenerationen können über 4.500 Liter fassen. Nur eine Bereifung mit einem Höhen-Breiten-Verhältnis kleiner oder gleich 95 könne optimale Stabilität bieten, insbesondere bei einem hohen Tempo von bis zu 65 Kilometern in der Stunde, sofern laut Straßenverkehrsordnung der jeweiligen Länder zulässig, heißt es bei Michelin. Zusätzlich zur hohen Sicherheit bietet der SprayBib den Landwirten die Vorteile der Ultraflex Technologies: Als Reifen mit VF-Kennzeichnung (very high flexion, also sehr hohe Einfederung) schont der neue Pflegereifen den Boden, indem er weniger Bodendruck erzeugt. Zudem verteilt sich der Bodendruck gleichmäßig dank der großen Aufstandsfläche. Beispiel: Bei einem Tragfähigkeitsindex von 177 (entspricht 7.300 Kilogramm) benötigt ein Reifen in IF-Bauart einen Betriebsfülldruck von 4,8 bar. Dank der Ultraflex Technologies in VF-Bauart lässt sich der SprayBib VF420/95 R50 bereits mit einem Fülldruck von 3,6 bar auf dem Feld nutzen.

Dass der Landwirt den Fülldruck senken kann, verschafft ihm einen entscheidenden Vorteil: Er kann so bereits zu einem früheren Zeitpunkt am Ende des Winters und auch bei schwierigen Bodenverhältnissen das Feld bearbeiten, ohne Ertragseinbußen zu befürchten. Nach der Markteinführung des SprayBib VF380/90 R46 im Jahr 2011 kommt die neue Größe 2014 in den Handel. Michelin hat diese am Markt bisher einzigartige Dimension in enger Zusammenarbeit mit John Deere entwickelt.

AxioBib IF900/65 R46

Der AxioBib IF900/65 R46 war auf dem Messestand von New Holland auf dem T9 montiert

Der AxioBib IF900/65 R46 war auf dem Messestand von New Holland auf dem T9 montiert

Eine Breite von 900 Millimetern, ein Durchmesser von 2,32 Metern, eine Tragfähigkeit von 10.600 Kilogramm je Reifen und Geschwindigkeiten von bis zu 65 km/h, sofern laut Straßenverkehrsordnung der jeweiligen Länder zulässig, schränkt Michelin ein: Mit dem AxioBib IF900/65 R46 wurde der gemessen am Luftvolumen größte Traktorreifen der Welt auf der Agritechnica gezeigt (diese Reifengröße bietet als zweiter Hersteller Trelleborg). Als Weltmarktführer von Radialreifen für die Landwirtschaft brachte die Michelin-Gruppe bereits 1999 den ersten Landwirtschaftsreifen mit einem Durchmesser von 2,05 Metern auf den Markt. Außerdem stellte das Unternehmen 2003 die Ultraflex Technologies vor. 2006 setzte der französische Hersteller mit der Einführung des ersten landwirtschaftlichen Reifens mit einem Durchmesser von 2,15 Metern erneut Maßstäbe, wobei große Reifendimensionen stets einhergehen mit fortschrittlichen technischen Lösungen. Der AxioBib IF 900/65 R46 nutzt alle Vorteile der Ultraflex Technologies. Bei einem Betriebsfülldruck von nur 0,8 bar erzielt er eine besonders lange Aufstandsfläche. Der Auflagedruck verteilt sich auf diese große Fläche, der Boden verdichtet sich weniger als bei Reifen ohne Ultraflex Technologies. detlef.vogt@reifenpresse.de

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