Deutsche Runderneuerer tragen Finanzierung des „Re-Tyre“-Projektes mit

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Für den 1. Juli hatten der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk e.V. (BRV) bzw. der europäische Runderneuerungsverband BIPAVER gemeinsam die deutschen Lkw-Reifenrunderneuerer zu einer Konferenz nach Frankfurt eingeladen, bei der es – wie es in der Einladung dazu hieß – um nichts weniger als die Zukunft der mittelständischen Unternehmen gehen sollte. Als lebenserhaltende Maßnahme ruhen die Hoffnungen der Branche auf dem inzwischen in „Re Tyre“ umbenannten Projekt, das im Rahmen der Zusammenkunft der deutschen Runderneuerer einerseits im Detail vorgestellt wurde und um dessen Mitfinanzierung durch die Unternehmen es andererseits aber auch ging.

Hintergrund des Ganzen ist, dass runderneuerte Reifen bis 2015/2017 zwar noch vom Typgenehmigungsverfahren gemäß UN-ECE-R 117 bzw. auch vom sogenannten Reifenlabeling (Kennzeichnung hinsichtlich Rollwiderstand, Nasshaftung und Geräuschemissionen) ausgenommen sind, es einen weiteren zeitlichen Aufschub dafür nach den Worten des BRV-Geschäftsführers Hans-Jürgen Drechsler darüber hinaus aber wohl nicht geben wird. „Wir können uns nicht darum herummogeln“, meint auch Michael Schwämmlein in seiner Funktion als technischer Consultant des BIPAVER. In diesem Zusammenhang befürchten der BRV und der Runderneuerungsverband, dass die für Neureifen diesbezüglich vorgesehenen gesetzlichen Regelungen von den EU-Politikern nach Ende der „Galgenfrist“ schlimmstenfalls eins zu eins übernommen werden könnten. Dies hätte weitreichende Konsequenzen für die Runderneuerer: Denn da es sich bei ihrer Produktion in aller Regel nicht um eine Serien-, sondern eher so etwas wie eine individuelle Fertigung – unter anderem kommen dabei selbst bei ein und derselben Reifendimension Karkassen verschiedener Hersteller und verschiedenen Alters ebenso zum Einsatz wie unterschiedliche Laufstreifen(-profile), und als weitere Variable sind zudem die jeweiligen Prozessparameter zu sehen – handelt, müsste dann eigentlich beinahe jeder hergestellte Reifen auch die entsprechenden Prüfungen für eine Typengenehmigung bzw. das Reifenlabel durchlaufen. Da dies recht hohe Kosten nach sich zieht, sprechen BRV und BIPAVER von der Befürchtung, mittelständische Runderneurer könnten quasi „totgeprüft“ werden bzw. als Folge der immensen Kosten dann de facto ihren Betrieb einstellen müssen.

Abhilfe verspricht man sich von einem Projekt namens „Re Tyre“, welches das Ziel hat, in mehreren Phasen die grundlegenden Zusammenhänge zwischen den einzelnen Parametern – Einfluss der Karkassen bzw. deren Alters, des Prozesses (Heiß-/Kalterneuerung, Rauradius, Untergummi etc.) sowie der neuen Lauffläche (Profiltiefe, Design, Breite, Zusammensetzung, Shore-Härte etc.) – und den letztendlichen Leistungseigenschaften in puncto Rollwiderstand, Nassbremseigenschaften und Geräuschemissionen zu untersuchen. „Denn wenn wir ehrlich sind, wissen wir als Runderneuerer nicht allzu viel über unser Produkt. Es ist zwar ein sehr hoher praktischer Erfahrungsschatz da, was jedoch eine wissenschaftliche Dokumentation dessen betrifft, wissen wir nichts“, so Drechsler. Dem soll mithilfe des „Re-Tyre“-Projektes entgegengesteuert werden, weil man „in die Offensive gehen“ und nicht warten wolle, was die Politik macht. Die Hoffnung ist, dass sich als Ergebnis der Untersuchung der zukünftige Testaufwand für die Runderneuerer deutlich reduzieren lässt. Vergleichbares sei – sagt der BRV-Geschäftsführer – mit der ECE-R-109 erreicht worden, die ja einen Schwerpunkt auf das Qualitätsmanagement der Runderneurer lege und dafür weniger auf die Produktprüfung wie ein Vergleich mit der ECE-R-54 zeige. Da es fundierte wissenschaftliche Daten als Entscheidungsgrundlage für die Politik allerdings nicht zum Nulltarif gibt, muss die Branche zunächst einmal Geld in Hand nehmen: Alles in allem 2,5 Millionen Euro sind für „Re Tyre“ veranschlagt.

Die gute Nachricht ist, dass die EU das Projekt fördert und 72 Prozent der Gesamtsumme bzw. 1,8 Millionen für die geplanten Untersuchungen beisteuert. Andersherum müssen also weitere 700.000 Euro von der Branche zur Verfügung gestellt werden, wovon 460.000 Euro ein Konsortium bestehend aus Verbänden wie BIPAVER, Vaco (Niederlande), BRV (Deutschland), AIRP (Italien), AER (Spanien) und SVP (Tschechien), den Runderneuerern Banden Plan (Niederlande), Reifen Ihle (Deutschland), Insa Turbo (Spanien), Carling (Tschechien) und Bandvulk (Großbritannien) sowie dem Laufstreifenhersteller Kraiburg (Österreich) und den Prüforganisationen Dekra (Deutschland) bzw. Idiada (Spanien) beisteuert. Die verbleibenden 240.000 Euro müssen die europäischen Runderneuerungsbetriebe selbst stemmen. Gemäß der Anzahl der jeweiligen Runderneuerer in den verschiedenen Ländern bzw. dem Marktanteil in Europa wurde bei der BIPAVER-Tagung im Rahmen der Autopromotec in Bologna (Italien) ein Verteilerschlüssel erstellt, wonach rund 24,4 Prozent dieses Betrages bzw. etwa 60.000 auf die knapp 60 Runderneuerer in Deutschland entfallen. Bei der BRV-/BIPAVER-Runderneuerungskonferenz in Frankfurt ging es neben der Vermittlung der Informationen rund um die derzeitige und zukünftige Gesetzgebung rund um Nutzfahrzeugreifen dann letztendlich vor allem auch darum, ob die deutschen Runderneuerer gewillt sind, die Finanzierung des „Re-Tyre“-Projektes mit je 1.000 Euro pro Betrieb mitzutragen. Das Votum der etwa 35 bis 40 Anwesenden war einstimmig dafür, sodass nach der Ende August bzw. Anfang September geplanten Unterzeichnung der Verträge in Brüssel mit den Arbeiten an dem Projekt bzw. der Studie begonnen werden kann, für die etwa drei Jahre veranschlagt sind. Zumal auch die Runderneuerer in allen anderen europäischen Staaten laut Drechsler gewillt sind, ihr Schärflein zu den Kosten beizutragen. christian.marx@reifenpresse.de

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