AutoZum-Aussteller präsentieren sich gut gelaunt in Salzburg

Die diesjährige „AutoZum“ war nicht umsonst die zweiterfolgreichste Messe dieser Art. Allerorten war in den Hallen des Messezentrums Salzburg von der wirtschaftlichen Erholung der Automobil- und Zuliefererbranchen die Rede. Insbesondere auch die Reifenbranche nutzte die alle zwei Jahre stattfindende regionale Fachmesse, um sich zu präsentieren. Dabei bewegte die AutoZum-Aussteller aus dem Reifenmarkt heuer insbesondere eine Frage: Wie und woher bekomme ich zur neuen Sommerreifensaison genügend Reifen? An allen Ständen in den Reifen-Hallen 12 und 13 – die Branche belegte immerhin zwei der zwölf voll besetzten Messehallen – wurde diese Frage diskutiert, und die Anwesenheit der meisten Aussteller sollte auch dazu dienen, etwaige unsichere Bezugsquellen im persönlichen Gespräch ‚abzusichern’.

Mehrere Quellen haben in Gesprächen mit der NEUE REIFENZEITUNG auf der AutoZum unabhängig voneinander berichtet, dass bereits Anfang Januar einige Reifenhersteller ihren Kunden zum Teil weit mehr als die Hälfte der vorbestellten Sommerware storniert hatten. Die Rede war von „bis zu 70 Prozent“. Ob sich diese Zahl nun belegen lässt oder nicht – offenkundig ist die Befürchtung im österreichischen und im deutschen Reifenmarkt, dass sich im demnächst beginnenden Sommerreifengeschäft Ähnliches wiederholt, wie wir dies in den vergangenen beiden Jahren bereits des Öfteren erleben durften. Auch wenn ein knappes Gut Reifen zu einer besonderen Preisstabilität führt und somit auch die Profitabilität im Reifenhandel überaus positiv beeinflusst, wie 2009 und 2010 geschehen, so geht doch die Angst im Markt um: Mit fehlenden Reifen geht mir auch ein Teil meines Geschäftes verloren. Ob nun bei Eska Reifendienst, Reifen John, Achleitner, Reifen Ruhdorfer, Bruckmüller oder den Großhandelskollegen von Reifen Straub, Interpneu, Euro-Tyre, Deldo und Co. – an beinahe jedem Stand wurde das derzeit marktbeherrschende Thema Warenverfügbarkeit heiß diskutiert. An beinahe jedem Stand gab man sich aber auch zuversichtlich, dass die kommende Saison ebenfalls erfolgreich für alle Marktteilnehmer sein wird.

Für den ESKA-Reifendienst ist die AutoZum seit jeher fester Bestandteil der Kontaktpflege und der Kundenakquise. Während das in Regensburg beheimatete Unternehmen in Bayern mit sieben Niederlassungen sowie dem Zentrallager ansässig ist, betreibt man in Österreich und natürlich in Deutschland darüber hinaus ein klassisches Großhandelsgeschäft. Wie Heinz Haas erläutert, wolle man insbesondere diesen Geschäftszweig, der aktuell für rund 60 Prozent der Umsätze steht, in Zukunft weiter ausbauen. Allein in Österreich beliefere ESKA heute bereits über 1.000 Kunden, heißt es. Für das bayerische Traditionsunternehmen (gegründet 1953) liegt Salzburg mit der AutoZum mitten im Geschäftsgebiet und diene dem Händler, der ohne Außendienst auskommt, der Pflege des Kundenstamms. Dass die diesjährige AutoZum beim Publikum entsprechend gut ankam, so der Import-Export-Manager weiter, sei auch für ESKA „sehr, sehr positiv; der Branche geht es gut“.

Ähnlich sieht man die Bedeutung der AutoZum als unverzichtbare regionale Fachmesse auch bei Reifen John. Der Reifenhändler mit seinen 34 Niederlassungen in der Region – 23 davon in Österreich, darunter eine im vergangenen Jahr neu gegründet, und weitere elf in Bayern – und einem Runderneuerungswerk in Freilassing, wo man etwa als exklusiver Partner Novateck-Runderneuerte (Pirelli) fertigt, darf in und um Salzburg durchaus als Platzhirsch bezeichnet werden. Auch sei man im Wiederverkauf durchaus aktiv. Ein Auftritt auf der AutoZum sei daher beinahe Pflicht, so der Geschäftsführende Gesellschafter Peter John im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG. In diesem Jahr habe man außerdem etwaigen Gerüchten zur Zukunft des Unternehmens nach dem tragischen Unfalltod von Walter John jun. Anfang November entgegentreten wollen, so Peter John, Bruder des Verunglückten, weiter. „Wir sind noch da“, lautete demnach auch die Nachricht, die das Unternehmen im Markt, unter seinen Kunden und Freunden verbreiten wollte.

„Die AutoZum ist die mit Sicherheit wichtigste Messe für uns“, sagt Oliver Heuberger. Der zuständige Einkäufer Reifenhandel bei Franz Achleitner – dem führenden Filialisten im Bundesland Tirol – erklärte, man habe die Messe vorwiegend genutzt, um das Geschäft des zur Gruppe gehörenden Felgenimporteurs „Tyrol Pneu Räder & Tuning“ zu präsentieren. Tyrol Pneu ist bereits seit über einem Jahrzehnt Generalimporteur der Räder von Brock Alloy Wheels (Brock und RC Design) in Österreich. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen auch zwölf Reifenhandelsniederlassungen in Österreich, elf davon in Tirol sowie eine in Salzburg, und vermarktet die Reifenmarken Gislaved und Viking (beide aus dem Continental-Konzern) im Generalvertrieb im Heimatland.

Da das Mitglied der Kooperation Top Reifen Team mit diesen und seinen anderen Handelsaktivitäten – man nehme etwa gerade den Vertrieb der Marke GT Radial in Österreich auf – in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist, baut Achleitner am Standort in Radfeld derzeit eine neue Verwaltung, in die die Mitarbeiter demnächst vom zehn Kilometer entfernten Wörgl ziehen werden; in Radfeld betreibt Achleitner bereits sein Logistikcenter sowie seinen Fahrzeugbau. Während der Rädergroßhandel über Tyre Pneu abgewickelt wird, findet der nationale Reifengroßhandel über die Franz Achleitner Fahrzeugbau und Reifenzentrum GmbH statt. Man verstehe sich als Vollsortimenter, wobei der Schwerpunkt auf Pkw-Reifen liege, so Oliver Heuberger weiter. Der zuständige Einkäufer Reifenhandel ist zuversichtlich, dass es in der kommenden Sommerreifensaison nicht zu schwerwiegenden Verfügbarkeitsprobleme bei Pkw-Reifen kommen werde. Er habe zwar aus dem Markt schon mehrere Stimmen gehört, die selbst Stornierungen im hohen zweistelligen Prozentbereich durch die Reifenindustrie erfahren haben, insbesondere in Deutschland. Achleitner selbst sehe die Verfügbarkeit positiv: „Summa summarum sind wir schon zufrieden“, so Heuberger, der allerdings selbst bei Winterreifen noch einige wenige Außenstände bei Industrielieferungen zu beklagen hat. Ein solcher Nachholbedarf ziehe sich mitunter einige Saisons fort.

Neben diesen und anderen Einzelhändlern nutzten insbesondere die Grossisten die AutoZum, um ihre Dienstleistungen und Marken anzubieten. Reifen Straub bzw. dessen Großhandelsgeschäft, das unter dem Namen „Der Straub“ in der Branche etabliert ist, nutzte die AutoZum in diesem Jahr erstmals seit Längerem wieder, um sich dem Publikum in der Region Süddeutschland/Österreich zu präsentieren. Dabei zeigte Straub insbesondere Reifen der Marke „Maxxis“ am Stand, die das Unternehmen mit Sitz in Bad Schussenried in Österreich – aber auch in Deutschland – seit Längerem erfolgreich vermarktet. Darüber hinaus ist das Unternehmen von Eugen Straub seit knapp zwei Jahren Master-Franchiser für die Nokian-Handelskette Vianor in Süddeutschland. Derzeit gehören der Kette bereits zehn Betriebe an, so Straub im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, weitere achte bis zehn Betriebe sollen noch im Laufe dieses Jahres folgen. Innerhalb von fünf Jahren sollen dann knapp 50 Betriebe unter dem orangefarbenen Vianor-Label Nokian- und andere Reifen in Deutschland vermarkten, so Eugen Straub.

Für den Karlsruher Reifengroßhändler Interpneu gehört die AutoZum seit jeher fest in den Terminkalender. Während einige Beobachter wie auch die Messeveranstalter die Salzburger Fachmesse als Event von internationalem Rang sehen, ist Jörg Salzbrenner da etwas zurückhaltender. „Wir sehen die AutoZum eher als nationale Veranstaltung“, formuliert der Import-Export-Manager seine Eindrücke. Man treffe in Salzburg stets nur wenige osteuropäische Kunden, obwohl man nach der Grenzöffnung von nunmehr über 20 Jahren eine größere internationale Bedeutung der Messe erwartet hatte. Als „qualifizierter Großhändler für Österreich“ wolle man weder jede Preisrally am Markt mitmachen, wie im vergangenen Winter oftmals gesehen, sondern man wolle „ein verlässlicher Partner im Markt“ sein. Neben dem Reifenfachhandel vermarktet Interpneu seine Produkte auch an Wiederverkäufer. Insbesondere die Interpneu-Marke „Platin“ nahm während der Messepräsenz einen großen Raum ein: Es wurden die aktuellen Highlights aus dem Platin-Reifen- und Felgenprogramm mit einigen neuen Varianten gezeigt. Für Kunden, die gerne Räder aus dem Interpneu-Sortiment direkt auf dem Auto sehen wollen, bevor sie bestellen, präsentierte das Karlsruher Handelshaus seinen bekannten „Räderkonfigurator“ in Salzburg.

Für Euro-Tyre war es der erste Auftritt auf der AutoZum in Salzburg überhaupt. Der Reifengroßhändler mit Sitz im niederländischen Venlo hatte erst 2009 die Vermarktung seiner exklusiven Reifenmarke „Infinity“ in Österreich übernommen und will diese nun klar am Markt positionieren und profilieren, so Sales Manager Carlo Faassen im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG. Auch wenn die Marke in der Alpenrepublik selbst als eingeführt gelten darf, wurde sie doch bis vor Kurzem noch durch ein lokales Unternehmen vertrieben, hatte Euro-Tyre sich für die AutoZum ganz bewusst das Ziel gesetzt, bestehende und potenzielle Kunden der Exklusivmarke zu treffen, so Faassen weiter. „Regelmäßige Beziehungen“, so der Sales Manager, seien für Euro-Tyre von zentraler Bedeutung, wolle man mit der Marke Infinity doch auch in Österreich ein stabiles, wachsendes Geschäft aufbauen. Auch wenn Infinity-Reifen ganz oben auf der Prioritätenlisten der Euro-Tyre-Manager stehen, so wolle man gleichzeitig doch auch alle andere Marken im Großhandel in Österreich anbieten. Als klarer Trend auf der AutoZum habe sich laut Faassen einmal mehr das Thema Onlinehandel abgezeichnet. Als international agierender Großhandel habe sich Euro-Tyre bereits frühzeitig auf die neue Rolle des E-Commerce eingestellt. „Nach dem Relaunch unseres Webshops im Sommer 2010 haben wir nun noch einmal explizit die Internetpräsenz unserer Exklusivmarke Infinity ausgebaut. Die bestellten Reifen werden dabei – entweder per Paketdienst oder Spedition – innerhalb von zwei bis drei Tagen aus dem Zentrallager in Venlo nach Österreich geliefert.

Auch für Deldo Autobanden ging es bei der Messepräsenz auf der AutoZum – der ersten seit einigen Jahren – vorwiegend darum, das Sortiment an Exklusiv- und Eigenmarken zu zeigen. Auch wenn der belgische Großhändler natürlich Vollsortimenter ist, so übernehmen diese Marken, die weitestgehend aus Fernost stammen, doch eine zentrale Rolle. Laut Sales Manager John De Pauw, der für Österreich, Deutschland und die Schweiz zuständig ist, gelte rund jeder zweite der von Deldo jährlich vermarkteten sieben Millionen Reifen als Budget-Produkt. Da asiatische Reifenhersteller durch den prozentual höheren Anteil der Rohstoffkosten an den Produktionskosten (die Löhne fallen dort weniger ins Gewicht als in Europa) in der jüngsten Vergangenheit auch prozentual höhere Preissteigerungen durchsetzen mussten, geht auch den Deldo-Kunden der Gesprächsstoff nicht aus. Außerdem gelten österreichische Kunden dem belgischen Großhändler als „industrietreuer“ im Vergleich zu Kunden im deutschen Reifenhandel. Folglich „muss man in Österreich viel reden“, wenn man als Grossist Reifen vermarkten will. Bei Deldo ist man dennoch überzeugt, dass man mit den sechs Exklusiv- und Eigenmarken sowie dem kompletten Sortiment genügend überzeugende Argumente liefere – auch für den österreichischen Markt. arno.borchers@reifenpresse.de

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