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Drohen bei Dunlop in Hanau doch Entlassungen?

Bei Dunlop in Hanau regt sich gegen die Veränderungen in der Fabrik, der 140 der 1.343 Stellen zum Opfer fallen sollen, Widerstand. Einem Bericht der Frankfurter Rundschau zufolge bezweifelten die Arbeitnehmervertreter „entschieden, dass der avisierte Abbau […] in der Produktion sozialverträglich möglich sei“. In einer Pressekonferenz am Donnerstag im Hanauer DGB-Haus verlangten der Betriebsrat der Fabrik und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ein „Bündnis für Arbeit“, um sowohl für das Unternehmen als auch für die Beschäftigten eine akzeptable Perspektive zu entwickeln. „Wir waren überrascht, dass Goodyear plötzlich zu solchen Mitteln greift“, sagte BCE-Bezirksleiter Wolfgang Werner gegenüber der Zeitung. Das Management konfrontiere die Beschäftigten mit einem Konzept, „das wir so nicht billigen können“. Auch wenn die Belegschaft einsehe, dass angesichts roter Zahlen – zum ersten Mal seit 1985 – Veränderungen notwendig seien, sei der aktuelle Plan nicht der richtige Weg.

Außerdem bezweifeln die Arbeitnehmer offenbar, dass die Stellenstreichungen wirklich ohne Entlassungen vonstatten gehen können. Mit den vorgeschlagenen „sozialverträglichen“ Maßnahmen – Altersteilzeit, Nicht-Besetzung freier Stellen etc. – lasse sich allenfalls die Hälfte des verlangten Abbaus erreichen“, widerspricht der Betriebsratsvorsitzende Jörg Pohl. Ein weiterer Haken, so der Betriebsrat und Vorsitzende der gewerkschaftlichen Vertrauensleute, Kurt Stock: „Durch die neuen Schichtpläne fallen steuerfreie Sonntagszuschläge weg, für jeden Mitarbeiter zwischen 150 und 220 Euro.“ Ein solches Opfer könne man nur dann in Erwägung ziehen, wenn es dafür eine Beschäftigungsgarantie gebe. Die Schichtänderung wolle der Betriebsrat der Zeitung zufolge zunächst blockieren, indem er auf den Standortsicherungspakt pocht. Der gelte bis Ende 2011 für alle sieben deutschen Goodyear-Standorte. Stock: „Dort sind 21 Schichten fixiert. Dafür bezahlen wir mit 6,25 Prozent unentgeltlicher Arbeit, 40 Stunden zum Lohn für 37,5 Stunden.“

Der Standortsicherungspakt ermöglicht allerdings auch vier Prozent betriebsbedingter Kündigungen, die bislang nicht ausgeschöpft wurden. Die Gewerkschafter stellen sich auf schwierige Verhandlungen ein, denn „die Entscheidungsträger sitzen nicht am Standort“, bedauert Stock. Die Direktiven kämen aus der Europa-Zentrale des Konzerns und von der Muttergesellschaft in Akron (Ohio/USA).

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