Pirelli macht Verluste, Aktienkurs dank Ausblick nach oben

Pirelli & C. SpA hat im ersten Halbjahr einen Verlust erlitten, nachdem das italienische Unternehmen Abschreibungen auf seinen Anteil an Telecom Italia SpA (TI) vorgenommen hat. Der Nettoverlust lag bei 36,2 Millionen Euro, im Vorjahr hatte Pirelli noch 108,2 Mio. Euro verdient. Dennoch reagierte die Börse äußerst positiv mit einem kräftigen Kurssprung nach oben: Der Ausblick speziell der Sparte Reifen ist erstens glänzend und Analysten hatten zweitens mit einem höheren Nettoverlust gerechnet. Der Umsatz ging im ersten Halbjahr von 3,2 Milliarden Euro auf 2,685 Mrd. zurück, bereinigt um die nicht mehr konsolidierten Immobilienbestände der deutschen DGAG wurde der Umsatz jedoch leicht um 2,7 Prozent gesteigert. Der Schuldenstand Ende Juni belief sich auf 823 Millionen Euro, Ende Dezember 2007 hatte er noch 851 Millionen betragen. Der Konzern beschäftigte am 30.6. weltweit 31.368 Personen.

Die Reifensparte ist das Herz des Konzerns und stand im ersten Halbjahr für einen um drei Prozent auf 2,166 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz, der EBIT betrug 191 Millionen Euro und war damit leicht rückläufig, entspricht aber immerhin noch 8,8 Prozent vom Umsatz. Trotz der immer noch auch im Wettbewerbsvergleich sehr guten Ergebnisse hat das Unternehmen einen Restrukturierungsprozess eingeleitet. Pirelli beklagt wie Wettbewerber auch das negative Marktumfeld und signifikant höhere Kosten in den Bereichen Rohmaterialien, Energie, aber auch die schwächelnden Ersatzmärkte in Europa und Nordamerika. Ein verbesserter Preis-Produkt-Mix und gestiegene Erstausrüstungslieferungen – besonders in Südamerika – konnten dies nicht kompensieren. In der Reifensparte beschäftigte Pirelli am 30. Juni 28.583 Menschen.

Das größte Konzernreifensegment „Consumer“ (Pkw-, LLkw- und Motorradreifen) steht für 1,493 Mrd. Euro Umsatz (plus 3,1 Prozent verglichen mit den ersten sechs Monaten 2007). Belastet war die Sparte von einem negativen Volumentrend, einem unvorteilhaften Mix bei den Absatzkanälen und noch nicht ausreichendem Zugriff auf Pkw-Reifenwerke in den kostengünstig produzierenden Ländern China und Rumänien. Ein Highlight der ersten sechs Monate war die Einführung der neuen Produktfamilie „Cinturato“ mit den beiden Linien „P4“ und „P6“, die in der Erstausrüstung schnell Fuß gefasst haben. Im Winterreifensegment konnte Pirelli mit der „Serie 2“ des Sottozero aufwarten. Im Motorradsegment haben die beiden Marken Pirelli und Metzeler beim Umsatz zugelegt.

Das Teilsegment „Industrial“ (Nutzfahrzeugreifen und Stahlkord) konnte beim Umsatz um 2,5 Prozent auf 672 Millionen Euro zulegen. Starken Wachstumsraten in Lateinamerika und anderen sich entwickelnden Märkten steht die negative Entwicklung bei Nutzfahrzeugen in Europa gegenüber. Im Bereich Stahlkord spricht Pirelli von stabilen Verhältnissen im Vergleich zum Vorjahr.

Die zweitgrößte und sehr wachstumsstarke Sparte „Real Estate“ musste im ersten Halbjahr 2008 einen kräftigen Gewinneinbruch verschmerzen und läuft Gefahr, die gesetzten Ziele für dieses Jahr zu verfehlen, will aber immerhin noch auf Vorjehresniveau ins Ziel kommen. Der Umsatz von Pirelli RE belief sich auf 681,3 Millionen Euro, der EBIT wurde mit 49,2 Mio. mehr als halbiert.

Kleinere Aktivitäten im Pirelli-Konzern sind die Sparte „Broadband Solutions“ (63,4 Mio. Euro Umsatz mit 106 Mitarbeitern) und „Other Businesses“, wozu Pirelli Ambiente, Pirelli Eco Technology, und die Modelinie Pirelli PZero gehören („Other“ steht für 36,3 Mio. Euro Umsatz mit 144 Mitarbeitern).

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