RuLa und BRW suchen das Weite

Stagnierende Märkte in Deutschland und Westeuropa sorgen dafür, dass mehr und mehr Runderneuerer, Material-, Maschinen- und Systemanbieter einen Teil ihrer Zukunft in Osteuropa und darüber hinaus in Russland und den GUS-Staaten suchen und dort in den vergangenen Jahren auch durchaus eine beträchtliche Präsenz aufbauen konnten. Während etwa die RuLa GmbH aus dem brandenburgischen Schraden gemeinsam mit der Tochtergesellschaft Berliner Runderneuerungswerk (BRW) bis vor einigen Jahren ihr umfangreiches Sortiment vornehmlich in Ostdeutschland vermarktete, geht heute jeder zweite Runderneuerte in den Export. Für RuLa-Geschäftsführer Detlev Biermann scheint folglich selbst die „Vision“ realisierbar, in Zukunft mit einer eigenen Runderneuerungsstätte in Russland präsent zu sein.

Die RuLa ist ein Runderneuerungsbetrieb, wie es nicht viele gibt in Deutschland. Während viele Runderneuerungswerkstätten zu den traditionellen und seit Jahrzehnten fest etablierten Einrichtungen der Reifenbranche zählen, wurde die RuLa erst 1992 gegründet, und zwar ohne direkte Vorgeschichte. Hans-Josef Biermann – heute 65 Jahre und in Ruhestand –, so erzählt sein Sohn im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG, hatte damals als Paderborner Reifenhändler ohne große Runderneuerungserfahrung den Wunsch, seine Ausbildung zum Vulkaniseur in einem neuen Runderneuerungsbetrieb aktiv anzuwenden und nicht nur Neureifen zu vermarkten. Der regionale Markt in Westfalen war allerdings bereits aufgeteilt, der Markt in Ostdeutschland so kurz nach der Wende jedoch weitgehend unbedient. Gemeinsam mit einem Partner sollte dann das „Runderneuerungswerk Lauchhammer“ – einem Nachbarort Schradens – gegründet werden. Bevor die Entscheidung fiel, den Betrieb dann doch in Schraden zu gründen, war die Gesellschaft als „RuLa“ eingetragen.

Das Unternehmen, so erzählt Detlev Biermann weiter, sei recht schnell von einem kleinen Betrieb mit vier Mitarbeitern und einem täglichen Output von 12 runderneuerten Reifen zu einem stattlichen Unternehmen der Runderneuerungsbranche weiter entwickelt worden. Heute beschäftigt das Unternehmen am Standort in Schraden nördlich von Dresden knapp 40 Mitarbeiter. Durch die Übernahme des Berliner Reifenwerkes – heute: Berliner Runderneuerungswerk (BRW) – im Jahre 2000 kam sogar ein zweiter Standort in der ehemaligen DDR hinzu, an dem heute ebenfalls etwa 40 Menschen runderneuerte Lkw-Reifen fertigen.

Die RuLa habe bei der Firmengründung von den guten Beziehungen zur Goodyear profitieren können, sagt deren Geschäftsführer heute. Der Vater von Detlev Biermann war seinerzeit ein überaus starker Vermarkter von Goodyear-Reifen, woraus der Status der RuLa als sogenannter „Goodyear Authorized Retreader“ resultiert, der unter dem Markennamen „Next Tread“ und nach strengen Goodyear-Dunlop-Spezifikationen Lkw-Reifen runderneuert und selber vermarktet; dazu zählen im Übrigen auch die UniCircle-Ringlaufstreifen, für deren Produktion die RuLa einen Ringbuilder betreibt. Während sich der Goodyear-Dunlop-Konzern wie auch andere Neureifenhersteller vermehrt um ihre eigenen Werksrunderneuerungen kümmern, ist auch der Anteil der Next-Tread-Runderneuerungen am gesamten Output der RuLa eher rückläufig, obwohl – so Biermann weiter – der Konzern die Produktion und die Vermarktung nicht einschränke. Im Berliner Runderneuerungswerk werden im Übrigen keine Ringlaufstreifen verarbeitet; dort wird vorwiegend im Heißverfahren runderneuert (40 Heizpressen vorhanden).

Heute stellt die RuLa gemeinsam mit ihrer Tochtergesellschaft in Berlin, die von Jörg Wolter als Geschäftsführer geleitet wird, pro Jahr rund 90.000 Runderneuerte (2007) her. Dabei sei der Output des Berliner Runderneuerungswerkes sogar noch ein wenig größer als der des Stammhauses in Schraden. Die Kapazität der beiden Betriebe sei zusammen genommen allerdings wenigstens doppelt so hoch, berichtet Detlev Biermann, dessen Mitarbeiter im Einschichtbetrieb fertigen. Die Heißrunderneuerung macht gegenwärtig einen 20-prozentigen Anteil an der Gesamtproduktion aus, wird sich aber auch aufgrund der zunehmenden Marktnachfrage bei solchen Produkten in Zukunft stärker ausbauen lassen, sagt er weiter.

Während die RuLa in den Anfangsjahren vorwiegend für den regionalen ostdeutschen und dann auch für den bundesweiten Markt produzierte, stehen seit einigen Jahren immer mehr die Exportmärkte im Vordergrund. Im vergangenen Jahr etwa konnte das Unternehmen jeden zweiten in Schraden und Berlin runderneuerten Reifen im Ausland verkaufen. Dabei sind es insbesondere die nicht weit entfernten Märkte in Osteuropa und insbesondere in Russland, wo Biermann großes Entwicklungspotenzial sieht und wo auch heute bereits ein Großteil (70 Prozent) der Exporte landet. Auf dem russischen Reifenmarkt verkaufen die RuLa und das Berliner Runderneuerungswerk ausschließlich Kaltrunderneuerte. Die Kunden in Russland legen dabei, so sagt Detlev Biermann, großen Wert auf die Qualität der Runderneuerung, wobei sie allerdings nur selten Laufstreifen aus dem Hochpreissegment des Runderneuerers wählten, sondern sie sind eher an einem zu den eigenen Ansprüchen passenden Preis-Leistungs-Verhältnis interessiert.

Biermann bezeichnet es noch als „Vision“, wenn er von der Errichtung eines eigenen Runderneuerungsbetriebes in Russland spricht, der aber mithilfe eines lokalen Partners entstehen sollte. Allerdings sei die Marktentwicklung in Russland – von der Karkassensituation ganz zu schweigen – gegenwärtig nicht ganz abzuschätzen, denn auch dort drängten Importeure günstiger Lkw-Reifen aus China mehr und mehr in den Markt; diese hätten „enorm zugelegt“, zitiert Biermann Aussagen seiner Großhandelspartner in Russland. „Jeder chinesische Neureifen nimmt uns eine Runderneuerung weg“, so Biermann. Wenigstens mache man in Deutschland derzeit die Erfahrung, dass die Nachfrage nach entsprechenden Neureifen hierzulande gegenwärtig eher rückläufig ist, was der Geschäftsführer auf die Erfahrungen der Kunden mit der Qualität dieser Produkte zuführt. Karkassen aus Russland kommen in der Regel nicht zurück, sondern müssen auf dem freien Markt hinzugekauft werden.

Neben dem russischen Reifenmarkt liefern die RuLa und das Berliner Runderneuerungswerk auch Runderneuerte nach Polen, ins Baltikum, in die Ukraine sowie nach Weißrussland. Der Geschäftsführer hofft darauf, dass Polen recht bald dem Euro-Raum beitritt; dadurch könnten Exporte ins direkte Nachbarland erheblich zunehmen.

RuLa verwirklicht Baupläne

Gegenwärtig hat die RuLa Baupläne. Wie Detlev Biermann im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG erläutert, soll in Brandenburg in der Nähe von Berlin eine neue und moderne Runderneuerungsstätte entstehen, die ihren Betrieb noch im Laufe dieses Jahres aufnehmen soll. Der neue Betrieb – anders als etwa das Berliner Runderneuerungswerk – befände sich vollkommen im Eigentum des Betreibers, also der RuLa GmbH. Ein 20.000 Quadratmeter großes Grundstück habe man bereits erworben, der Bauantrag wurde in diesem Februar bei den lokalen Behörden eingereicht. Die neue Produktionsstätte wird Kapazitäten für die Heiß- wie auch für die Kalterneuerung vorhalten. Die Genehmigung der Pläne nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) sei bereits erteilt. Details über die Investitionssumme wollte Biermann nicht nennen.

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