Schmutziges Zink aus China verzerrt Wettbewerb

Wettbewerb ist etwas Positives – wenn er zu gleichen und fairen Bedingungen stattfindet. Die starken Preissteigerungen bei Zink haben einige Hersteller von Auswuchtgewichten nun dazu gebracht, statt Feinzink Schrottzinke bei der Herstellung zu verwenden. Das Problem dabei ist nur: Diese Materialien sind in der Regel stark verunreinigt. Folglich überschreiten diese vermeintlichen Zink-Auswuchtgewichte bei Weitem die üblichen Grenzwerte für teilweise extrem gesundheits- und umweltgefährdende Schwermetalle wie Cadmium oder – wieder – Blei. Weltmarktführer Dionys Hofmann sowie Trax JH aus England beschuldigen insbesondere chinesische Hersteller, deren Produkte über europäische Händler hierzulande zu Preisen in Umlauf gebracht werden, die teilweise sogar unter dem Einkaufspreis von Feinzink liegen. Das Stuttgarter Umweltministerium ermittelt gegenwärtig in einem Fall und kann dabei auf umfangreiche Ergebnisse von Spektralanalysen bauen, die auch der NEUE REIFENZEITUNG vorliegen.

Die wahren Inhaltsstoffe der vorwiegend aus China stammenden Auswuchtgewichte wäre vermutlich nicht so schnell ans Licht gekommen, hätten europäische Unternehmen diese nicht zu Preisen angeboten, die man als Dumpingpreise bezeichnen müsste, wenn die Hersteller sich an in Europa geltendes Recht gehalten hätten. Helmut Ringwald, Verkaufs- und Marketingleiter der Dionys Hofmann GmbH aus dem baden-württembergischen Albstadt, war zunächst „leicht erstaunt“ über die unüblichen Marktpreise der aus China importierter Zink-Auswuchtgewichte. Da die Herstellung von Auswuchtgewichten nicht überaus personalintensiv ist – man spricht von einem Lohnanteil in Höhe von rund zehn Prozent –, dürfte das geringere Lohnniveau in China sich nicht dermaßen stark auf die Verkaufspreise auswirken. Dionys Hofmann berichtet von Zink-Auswuchtgewichten, deren Preise in Deutschland rund 30 Prozent unter dem sonst üblichen Preisen liegen.

Diese Erfahrung wird auch in Großbritannien bestätigt. John Halle, Geschäftsführer der Trax JH Ltd., Nummer zwei auf dem Weltmarkt hinter Dionys Hofmann, steht dort mit Zink-Auswuchtgewichten im Wettbewerb, deren Abverkaufspreise unter seinen eigenen Rohstoffpreisen liegen. Während Trax nun die Aston University im englischen Birmingham zur Analyse der vermeintlichen Zink-Auswuchtgewichte einbezogen hat und gegenwärtig auf detaillierte Ergebnisse der Spektralanalysen wartet, kann Dionys Hofmann bereits umfangreiche Untersuchungsergebnisse vorlegen, die – einfach gesagt – erschreckend sind.

Ein Blick auf die mehrseitigen Zahlenkolonnen legt den Verdacht nahe, dass sich in den vermeintlichen Zink-Auswuchtgewichten so ziemlich alles befindet – außer Atommüll. Zurück zu den Fakten: Wie Helmut Ringwald im Gespräch mit der NEUE REIFENZEITUNG berichtet, habe sich der Weltmarktführer von einem seiner kleineren, deutschen Mitbewerber kartonweise Zink-Auswuchtgewichte in 20, 40 und 45 Gramm besorgt, die nachweislich aus China stammen und noch originalverpackt gewesen sind. Es seien Materialproben der verschiedenen Gewichte entnommen worden, von denen dann jeweils fünf so genannte Abfunkungen in der Qualitätssicherung von Dionys Hofmann spektral analysiert wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass sich in den chinesischen Zink-Auswuchtgewichten bis zu zwei Prozent Blei befindet. Die Konzentrationsverhältnisse reichten dabei von 1,2336 bis 2.0548 Prozent – und in Europa dürfen seit dem 1. Juli 2006 bleihaltige Auswuchtgewichte an Pkw und Llkw nicht mehr verbaut werden. Die Ergebnisse der Spektralanalyse bei Dionys Hofmann zeigen aber auch eine Verunreinigung der Zink-Auswuchtgewichte mit Cadmium. Dieses als „sehr giftig“ eingestufte chemische Element steht in dem Verdacht Krebs zu erregen, Organe wie auch das Zentralnervensystem und das Immunsystem zu schädigen und die menschliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.

Zulässig sei eine Verunreinigung in der Größenordnung 0,00001 Prozent, sagt Helmut Ringwald. Diese Grenze werde als „natürliche Verunreinigung“ akzeptiert, da Cadmium ein unvermeidbares Nebenprodukt der Zink-, Blei- und Kupfergewinnung ist und auch bei gemeinsamer Lagerung verschiedener Metall übertragen werden kann. Die von Dionys Hofmann untersuchten Zink-Auswuchtgewichte aus China hingegen wiesen bei weitem mehr als diese Restspuren an Cadmium auf. Die gemessenen Konzentrationsverhältnisse schwankten dabei zwischen 0,00337 und 0,2373 Prozent, lagen also bis zu 23.730 Mal über dem hierzulande zulässigen Grenzwert für Cadmium. Neben den beiden hier erwähnten Schwermetallen hat die Spektralanalyse der Qualitätssicherung bei Dionys Hofmann bei den aus China stammenden Zink-Auswuchtgewichten noch weitere Inhaltsstoffe gefunden, deren Anteile weit über die Grenzen hinausgehen, so etwa Aluminium (bis zu 13,6502 Prozent), Kupfer (7,9675 %), Eisen (2,2488 %) sowie Spuren von Indium, Magnesium, Thallium, Chrom, Mangan, Nickel oder auch Silber.

Dies, so Ringwald weiter, sei nicht der Wettbewerb, den man sich vorstelle. Gegen Unternehmen, die schädliche Stoffe durch die Verwendung von Schrottzinken in Umlauf bringen und somit möglicherweise die Gesundheit der Verbraucher und natürlich der Monteure im Reifenfachhandel gefährden, müsse „rigoros vorgegangen“ werden, fordert der Verkaufs- und Marketingleiter der Dionys Hofmann GmbH das Stuttgarter Umweltministerium auf, und erwähnt dann noch nicht einmal die Wettbewerbs verzerrenden Auswirkungen der schmutzigen aber äußerst billigen Zink-Auswuchtgewichte aus China. Helmut Ringwald rechnet damit, dass das Ministerium noch im Januar erste Maßnahmen gegen die Unternehmen ergreifen werden, die diese Gewichte hierzulande in Umlauf bringen und folglich in der Produkthaftung stehen.

Darüber hinaus verweist der Weltmarktführer aus Albstadt darauf, dass Reifenhändler, die sich von den Billigangeboten aus China haben verführen lassen, am Ende nicht wirklich sparen. Das Problem ist dabei ist durchaus einfach: Zink-Auswuchtgewichte haben bei gleichem Nenngewicht immer dieselbe Größe, also ein identisches Volumen. Wenn nun Schwermetalle oder auch das überaus leichte Aluminium in großen Mengen mit verarbeitet werden, ändert sich natürlich das tatsächliche Gewicht im Vergleich zum Nenngewicht. Das heißt, ein als 20 Gramm schweres Auswuchtgewicht verkauftes und gekennzeichnetes Stück Zink ist in Wahrheit schwerer oder leichter, je nach dem, welcher Metallcocktail sich darin befindet. Im Vergleich zum Zink ist Cadmium etwa 21,1 Prozent schwerer, hat also eine höhere Dichte, im Vergleich zum Schwergewicht Blei ergibt sich sogar ein Unterschied von 58,8 Prozent. Aluminium hingegen ist 62,2 Prozent leichter als Zink. Da die von Dionys Hofmann analysierten Zink-Auswuchtgewichte aus China teilweise nur 77,8338 Prozent Zink enthalten (normal sind 98,9 Prozent plus 1 Prozent Aluminium), weicht das tatsächliche Gewicht teilweise maßgeblich vom Nennwert ab. Dies, so betont Ringwald, könne dazu führen, dass Auswuchtgewicht bis zu 20 Prozent schwerer oder leichter sind, als angegeben. Folglich müsse der Monteur nachwuchten, wenn er statt eines 20-Gramm-Gewichtes ein Auswuchtgewicht von 25 Gramm angebracht hat. Wenn dies stattfindet hat der Reifenhändler unterm Strich sehr wahrscheinlich nichts gespart, sondern zahlt am Ende sogar noch drauf. Die „unkontrollierte Materialdichte“ der vermeintlichen Zink-Auswuchtgewichte kann auch zu unkontrollierten Kosten im Reifenhandel führen, obwohl die verführerisch billigen Gewichte eigentlich gekauft wurden, um Geld zu sparen.

Bei Dionys Hofmann geht man davon aus, dass das Handelsunternehmen, dessen Importware erwiesenermaßen nicht den europäischen Markanforderungen entspricht, von der Zusammensetzung der vermeintlichen Zink-Auswuchtgewichte nichts wusste. Vorsatz wolle man jedenfalls niemandem unterstellen. Neben dem besagten Unternehmen seien noch andere Reifenhändler und Importeure bekannt, die entsprechende Auswuchtgewichte aus China in Umlauf bringen. Inwieweit diese Unternehmen ebenfalls verunreinigtes Zink vertreiben, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Der Anfangsverdacht jedenfalls liegt nun offen auf dem Tisch. Den Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk wolle Ringwald nun auch einspannen in der Hoffnung, dass das Thema im gesamten deutschen Reifenfachhandel bekannt wird. Beim BRV hat man gegenwärtig noch keine Kenntnis von etwaigen Vorgängen, heißt es dazu auf Anfrage.

Verkaufs- und Marketingleiter Helmut Ringwald plädiert folglich nochmals zum Gebrauch qualitativ hochwertiger Auswuchtgewichte. Dionys Hofmann etwa stellt die Gewichte, die in Europa vertrieben werden, ausnahmslos in dem Werk in Albstadt her. Erst in diesem Jahr habe man das Werk im spanischen Rubi bei Barcelona geschlossen (Kapazität 25 Millionen Einheiten) und nutzt den Standort nunmehr nur noch für den regionalen Handel. Daneben hat der Weltmarktführer noch eine Produktionsstätte in Thailand, in der ebenfalls rund 25 Millionen Teile jedes Jahr gefertigt werden. In Albstadt hingegen entstehen jedes Jahr rund 500 Millionen Teile.

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