VDA sieht „grundsolides” Autojahr 2006

Mit dem vom KBA gemeldeten kräftigen Zulassungsplus im November – wobei die deutschen Marken deutlich besser abgeschnitten haben als die Importeure – geht die deutsche Automobilindustrie auf die Zielgerade 2006. „Die „Jahresschlussoffensive“ ist in vollem Gange, auch im Dezember erwarten wir ein gutes Weihnachtsgeschäft, betonte Prof. Dr. Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der VDA-Jahrespressekonferenz in Frankfurt. Im Gesamtjahr 2006 werde der Pkw-Inlandsabsatz um knapp drei Prozent steigen. Beim Export und bei der Produktion werden neue Rekordmarken erreicht, der Umsatz legt kräftig zu. Auf wichtigen Auslandsmärkten konnten die deutschen Hersteller Marktanteile gewinnen. Prof. Gottschalk bezeichnete das Autojahr 2006 als „grundsolide“.

Die hohen Auftragseingänge der letzten Monate hätten bereits die kräftige Absatzsteigerung erwarten lassen, so Prof. Gottschalk. Zum Jahresschluss habe das „vierblättrige Kleeblatt“ aus Produktneuheit, Kaufstimmung, Incentive und Steuerersparnis die lange vorherrschende Marktlethargie abgelöst. Das „goldene vierte Quartal“ werde der Automobilindustrie noch einmal einen kräftigen Wachstumsschub bringen. 2006 sei zudem ein Jahr des „qualitativen Wachstums“ mit einem Umsatzanstieg von sieben Prozent auf 254 Mrd. Euro, wobei zwei Drittel des Umsatzes bereits im Ausland erzielt werden.

Insbesondere beim Privatkundengeschäft habe es eine „kleine Trendwende“ mit zweistelligen Zuwachsraten in den letzten Monaten gegeben. „Die sinkende Arbeitslosigkeit, eine Entspannung bei den Kraftstoffkosten und sicherlich auch die Kaufanreize von Herstellern und Handel haben positiv gewirkt und die Sorge um die neuen Belastungen Anfang 2007 vorerst in den Hintergrund gedrängt“, betonte Gottschalk.

Allerdings werden die Mehrwertsteuererhöhung, die Kürzung der Pendlerpauschale, die Preiserhöhung durch die Biokraftstoffquote und die höhere Versicherungssteuer für das Automobilgeschäft zu einem „konjunkturellen Start-Stopp-Effekt“ mit Beschleunigung zum Jahresende 2006 und einem ungewollten Bremsmanöver zum Jahresanfang 2007 führen. Für die Konsumenten bedeute das eine „psychologische Warteschleife“, in der sich die Verbraucher erst einmal neu orientieren müssten, bevor sich ihre Kaufneigung wieder stabilisiere.

Der Export schaffte 2006 im vierten Jahr in Folge eine neue Rekordmarke, die mit nahezu 3,9 Mio. Pkw um zwei Prozent über dem bereits „extrem hohen“ Vorjahr liegt. Westeuropa bleibt mit 60 Prozent Anteil der wichtigste Exportmarkt. Die höchsten Exportzuwachsraten erzielten die deutschen Hersteller in China und Russland mit jeweils über 100 Prozent. Auch auf dem hart umkämpften US-Markt wachsen die deutschen Marken schneller als der Markt.

„Schwungrad“ für die Exportdynamik war wiederum der Diesel, unterstrich Prof. Gottschalk: „Westeuropa ist Diesel-Domäne – und wir sind Champion.“ Inzwischen sei jeder zweite hier neu zugelassene Diesel-Pkw eine deutsche Konzernmarke. Und in den neuen EU-Ländern steigerten die Deutschen ihren Export von Diesel-Pkw um zwölf Prozent. Die langfristig angelegte „Exportstrategie Diesel“ beginne, Früchte zu tragen – in China ebenso wie in den USA. Prof. Gottschalk erwartet für 2007 insgesamt ein Exportvolumen in Vorjahreshöhe.

Der neue Produktionsrekord von 5,4 Mio. im Inland hergestellten Pkw im laufenden Jahr sei „eine gute Nachricht für den Standort Deutschland“. Das Fertigungsvolumen habe in den letzten zwei Jahren um 200.000 Einheiten zugenommen. Diese „vorzeigbare Visitenkarte“ für den Standort Deutschland sei auch das Resultat verbesserter Arbeitskosten.

Die deutsche Automobilindustrie werde auch im kommenden Jahr trotz steuerlichen „Gegenwindes“ auf stabilem Pfad bleiben. „Ehrgeizige Exportpläne, steigende Umsätze und ein gutes Nutzfahrzeuggeschäft werden das Automobiljahr 2007 bestimmen“, ist Gottschalk überzeugt. Allerdings sei durch die „Mobilitätskosten-Belastung“ und den erwarteten „Nachhink-Effekt“, der den Start ins Autojahr 2007 erschweren dürfte, Vorsicht geboten. „Wir erwarten deshalb für 2007 im Inland ein Gesamtergebnis in der Nähe von 3,4 Mio. Pkw“, betonte Prof. Gottschalk. Er rechne allerdings damit, dass sich nach dem ersten Quartal des neuen Jahres die Irritationen im Markt wieder legen, die Autokonjunktur wieder Tritt fassen und im Jahresverlauf an Robustheit gewinnen werde.

Bernd Gottschalk sprach sich gegen eine Politisierung der bevorstehenden Tarifrunde aus: „Viel zu verteilen gibt es in der Automobilindustrie derzeit nicht, schon gar nicht, wenn man wieder mehr Wertschöpfung nach Deutschland holen will.“ Die Forderung der Gewerkschaft nach einer Berücksichtigung der Mehrwertsteuererhöhung wirke wie das „Verabreichen von Bleiwesten für Hochspringer“. Der VDA-Präsident sprach sich vielmehr für weitere Spielräume zur Flexibilisierung aus, wie z. B. variable Einmalzahlungen. Über Investivlöhne könne man reden, aber nicht einfach „on top“ und nicht ohne Entscheidungen des Einzelnen über den von ihm gewollten Weg der Beteiligung am Produktivvermögen: „Das ‚Rundum-Sorglos-Paket’ mit Beteiligung am Erfolg, aber ohne Beteiligung am Risiko, kann es nicht geben“, so Prof. Gottschalk.

2007 werde ein Jahr, in dem die globale Integration der Automobilindustrie weiter zunehme. Die Dynamik der Errichtung neuer Produktionsstätten werde nicht nachlassen – im Gegenteil. Prof. Gottschalk: „Kapazitäten werden vor allem dort errichtet, wo die Kosten attraktiv sind, wo Wachstum stattfindet und die Märkte aufnahmefähig sind.“ Schon in den letzten drei Jahren sind die Produktionskapazitäten von Pkw in Osteuropa um 1,1 Mio. auf 2,7 Mio. gestiegen, für die nächsten Jahre wird ein weiteres Wachstum auf über 3,5 Mio. Einheiten prognostiziert. Auch in Russland werden die Kapazitäten um 50 Prozent erhöht. Prof. Gottschalk: „Wir haben da nur zwei Alternativen: „Dornröschenschlaf“ oder „Gestalter des Prozesses“ zu sein, und zwar daheim bei den Rahmenbedingungen und draußen als aktiver Investor auf den so genannten New Markets.“

Notwendig sei allerdings auch mehr Dynamik und mehr Wind in den Segeln am Standort Deutschland. Dazu reiche aber eine Politik nicht aus, die sich nur am Koalitionsvertrag und am Machbaren einer großen Koalition ausrichte, nicht aber an einer Vision für ein attraktives Deutschland. „Da sollte die Messlatte deutlich höher gelegt werden“, betonte Bernd Gottschalk.

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