Marangoni Pneumatici zieht’s nach Europa

Für die Marangoni-Gruppe stellen runderneuerte Reifen „das Produkt der Zukunft“ dar. Trotz eines bemerkenswerten Erfolgspotenzials, wie man von den Managern des italienischen Traditionsunternehmens hört, habe sich der runderneuerte Lkw-Reifen am Markt noch nicht vollständig durchgesetzt. In einigen Märkten wie etwa in Deutschland oder Großbritannien oder auch Italien geht der Anteil runderneuerter Lkw-Reifen am Gesamtmarkt sogar – relativ gesehen oder insgesamt – zurück. Für die Fachleute ist das Konzept seit langem klar: Runderneuerte besitzen alle Schlüsselfaktoren, um für Fuhrparks eine wichtige Rolle zu spielen: Wirtschaftlichkeit, Rohstoffeinsparung, ökologische Aspekte, Leistungsstärke. Und dennoch ist das Produkt in seiner Entwicklung in Europa und insbesondere in Italien in den vergangenen zehn Jahren hinter jener des Neureifens zurückgeblieben, bemängelt Brenno Benaglia, Verkaufs- und Marketingleiter bei Marangoni Pneumatici S.p.A., und spricht vom „Paradox des runderneuerten Reifens“.

In Marangonis Geschäftsbereich „Commercial & Industrial Tyres“ ist es die Gesellschaft Marangoni Pneumatici, die für die nötigen Umsätze sorgt. Mit einem Anteil von etwa 25 Prozent bzw. 78 Millionen Euro am Gesamtumsatz (310 Mio. Euro in 2005) bildet Marangoni Pneumatici, also der Runderneuerer von Lkw-, EM- Pkw- und Industriereifen, das drittwichtigste Standbein des Konzerns nach den Geschäftsbereichen „Tyre Products“ (38 %; Pkw-/Llkw-Neureifen; ital. Pneusmarket-Vertriebskette) und „Retreading Systems“ (36 %; Ringtread; Laufstreifen/Materialien für die Kalt- und Heißrunderneuerung). Im Geschäftsbereich Commercial & Industrial Tyres wiederum bildet die Runderneuerung den wichtigsten Bestandteil der geschäftlichen Aktivitäten. Die Hälfte dieses Umsatzes in Höhe von 78 Millionen Euro wird mit der eigenen Runderneuerung in den beiden italienischen Werken in Rovereto und Feltre erzielt.

Dabei ist Marangoni Pneumatici mit seinen runderneuerten Reifen ganz klar Marktführer auf dem italienischen Markt. In seinem Runderneuerungswerk in Rovereto in der Nähe des Gardasees produziert Marangoni jährlich etwa 200.000 runderneuerte Lkw-Reifen – knapp 90 Prozent davon werden heißrunderneuert – sowie 11.000 runderneuerte EM-Reifen (Zielvorgabe für 2006). Es sind dabei insbesondere EM-Reifen, die seit einigen Jahren die Investitionstätigkeit des Unternehmens auf sich ziehen. Wie Brenno Benaglia betont, produziere man hier am Limit mit drei Schichten täglich an sieben Tagen die Woche. Bis Juli 2007 sollen weitere zwei Millionen Euro in die EM-Reifenrunderneuerung fließen, um dort die Kapazitäten weiter auszubauen, bestätigt auch Luca Mai, der bei Marangoni Pneumatici das EM-Geschäft verantwortet. Neue Formen und neue Mischungen werden entwickelt. Im Geschäft mit den großen Reifen für Erdbewegungsmaschinen sieht sich Marangoni als Marktführer unter den europäischen Runderneuerern, noch vor der deutschen Rösler-Gruppe, dem namhaftesten Wettbewerber.

Der Form halber soll noch erwähnt werden, dass Marangoni ebenfalls als Runderneuerer für Pkw-Reifen zu den führenden Anbietern in Europa zählt. Im Werk in Feltre, gut 100 Kilometer von Rovereto entfernt, stellt Marangoni Pneumatici jährlich etwa eine Million runderneuerte Pkw-Reifen der Marke Marix her. Drei Viertel davon sind Winterreifen.

Während Marangoni Pneumatici also bei EM-Reifen unter Volllast fertigt, habe man bei der Runderneuerung von Lkw-Reifen noch Kapazitäten frei, so Brenno Benaglia, der den Auslastungsgrad mit rund 85 Prozent beziffert. Gegenwärtig werden Lkw-Reifen in drei Schichten täglich an sechs Tagen die Woche runderneuert. Um die Produktion weiter in die Höhe zu fahren, könnte man auch am Sonntag produzieren. Dies steht aber offensichtlich derzeit nicht zur Debatte, erfährt man bei Marangoni Pneumatici in Rovereto. „Derzeit noch nicht“, wie der Verkaufs- und Marketingleiter betont, denn bei Marangoni Pneumatici sieht man den heimischen italienischen Markt derzeit als ausgereizt an.

„Marangoni Pneumatici blickt auf Europa“, betont Brenno Benaglia im Rahmen einer Presseveranstaltung in Rovereto. Der zweitgrößte europäische Runderneuerer nach Michelin will seine Marktpräsenz künftig noch stärker in anderen europäischen Märkten ausbauen, ohne dabei aber Kunden des Geschäftsbereiches Marangoni Retreading Systems (Marangoni Tread mit Ringtread und Ellerbrock) zu stark zuzusetzen, so Benaglia. Diese Kunden – Runderneuerer, die Marangonis Laufstreifen und Technologien (Ringtread) nutzen – stünden dann auch direkt im Wettbewerb mit ihrem Material- und Technologielieferanten, wenn es darum geht, runderneuerte Lkw-Reifen abzusetzen. Dass dies ein durchaus heikles Thema ist, sieht man auch bei Marangoni ein. Auch Unternehmensgründer und Präsident von Marangoni Pneumatici, Giovanni Marangoni, nahm sich anlässlich eines Pressegesprächs in Rovereto Zeit, mögliche Bedenken anwesender Journalisten zu zerstreuen.

Der Geschäftsbereich „Commercial & Industrial Tyres“, also Marangonis eigener Runderneuerungsbetrieb, macht derzeit rund 60 Prozent seines Umsatzes auf dem heimischen Markt. Weitere 34 Prozent – immerhin, muss man sagen – werden in den anderen europäischen Ländern umgesetzt, und sechs Prozent des Umsatzes stammen von außerhalb Europas. Die Dominanz des Heimatmarktes ist zwar deutlich, nur eben nicht überwältigend und schon gar nicht grundsätzlich ungesund. Es gibt Unternehmen, die in ganz anderen Abhängigkeitsverhältnissen stehen, ohne dass es ihnen schlecht geht.

Das Problem mit dem italienischen Markt für runderneuerte Reifen, insbesondere Lkw-Reifen, ist aber, dass viele der aktiven Runderneuerer nicht gerade viel auf Qualität geben, beschwert sich Brenno Benaglia über die Zunft. Dies werfe ein schlechtes Licht auf die gesamte Branche, was sich in jüngster Vergangenheit eben auch auf die Nachfrage nach Runderneuerten in Italien negativ ausgewirkt hat. Während etwa in 2004 in Italien noch über 820.000 runderneuerte Lkw-Reifen verkauft wurden, waren dies im vergangenen Jahr etwa nur noch 650.000 Einheiten (siehe dazu Retreading Special der NEUE REIFENZEITUNG vom Juni 2006).

Brenno Benaglia dazu: „Wir von Marangoni Pneumatici werden – wie im Übrigen bereits seit Jahren – unsere Anstrengungen in die genannten Richtungen intensivieren. Dazu fühlen wir uns auch aufgrund unserer Position am Markt des runderneuerten Reifens verpflichtet. Tatsächlich sind wir heute in der Runderneuerung italienischer Marktführer; in Europa haben wir in den Sparten Reifen für Erdbewegungsmaschinen und für Pkws die Spitzenposition inne. Nach Volumen und Umsatz sind wir der zweite Runderneuerer Europas im Bereich Lkw-Reifen, auch wenn die Vertriebsstruktur bis heute fast ausschließlich auf Italien beschränkt ist. Wir beabsichtigen jedoch ihre baldige Ausweitung auf weitere europäische Länder.“

Marangoni Pneumatici hat ein halbes Jahrhundert Erfahrung in der Runderneuerung und setzt dabei vor allem auf das Heißverfahren. „Wir sind der Meinung, dass die Heißrunderneuerung die bewährtere und qualitativ zuverlässigere Technologie ist. Abgesehen davon, dass sie die einzige ist, mit der eine Runderneuerung von höchstem Qualitätsniveau für Reifen jeden Typs und jeder Größe möglich ist. Und nicht zuletzt handelt es sich um eine Technologie, die beträchtliche Investitionen erfordert, welche in der Regel den großen Runderneuerungsbetrieben vorbehalten sind“, unterstreicht der Verkaufs- und Marketingleiter bei Marangoni Pneumatici die Fähigkeiten seines Arbeitgebers, sich künftig noch stärker außerhalb Italiens etablieren zu können. Dabei habe Marangoni neben den etablierten westeuropäischen Märkten auch Osteuropa im Blickfeld. Dort verspreche man sich gute Wachstumschancen während der kommenden Jahre.

Auf industrieller Ebene habe Marangoni ein unbestrittenes technologisches Primat vorzuweisen, so Benaglia. Die Herstellung von Maschinen und Technologien für die Runderneuerung ist eine der Aktivitäten, die die Gruppe seit jeher auf höchstem technologisches Niveau ausübe. Marangoni Pneumatici verfügt nicht nur über ein eigenes Entwicklungslabor, sondern kann auch Synergien mit Marangoni Meccanica nutzen, der Konzerngesellschaft, die Maschinen und Systeme für den gesamten Reifenmarkt baut und in dieser Technologie sicherlich weltweit Maßstäbe setzt.

Ein weiterer Erfolgsfaktor sei zweifellos die „Beherrschung der Mischungen“, die „wir als einer von wenigen Anbietern intern zu entwickeln in der Lage sind. Diese sich ausgesprochen dynamisch entwickelnde Aktivität ist großen Unternehmen der Branche vorbehalten und dient dazu, die Produktqualität zu steigern, hochspezifische Reifen zu entwickeln und mit dem technischen Fortschritt der Fahrzeuge Schritt zu halten“, so Benaglia weiter.

Auch decke das Angebot der von Marangoni Pneumatici runderneuerten Reifen praktisch 100 Prozent des Bedarfs ab, erläutert Benaglia einen weitere Faktor dafür, warum man in Rovereto an eine gute Zukunft auf dem europäischen Runderneuerungsmarkt glaubt. Es gebe keinen Neureifentyp und keine Reifengröße, die nicht im Marangoni-Angebot eine Entsprechung fände. Die Runderneuerung reicht von den neuesten Super-Niederquerschnittreifen für Lkws bis zu den ganz großen Reifen für Erdbewegungsmaschinen, wie etwa die Größen 49 und 51 Zoll für starre Muldenkipper.

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