Bandag verliert mit GE/TIP seinen größten Flottenkunden

Die GE Equipment Services/TIP Trailer Services hat sich dazu entschieden, ab dem 28. Februar 2006 einen anderen Anbieter in der Industrie mit ihrem europäischen Reifenmanagement zu beauftragen. „Trotz der Enttäuschung darüber, dass GE nicht länger Bandags Partner beim Reifenmanagement sein wird, respektieren Eurofleet und Bandag ohne Einschränkungen diese Entscheidung und möchten ihre Wertschätzung der mehr als vierzig Monate bestehenden Geschäftspartnerschaft zum Ausdruck bringen, in deren Rahmen sie GE mit Gesamtlösungen für das Reifenmanagement beliefert und damit die optimale Einsatzbereitschaft des GE-Fuhrparks gesichert haben“, heißt es dazu schlicht in einer Pressemitteilung. Mit diesem Vertrag verliert Bandag auf einen Schlag rund 50 Prozent seines Flottengeschäftes in Europa. Nun wolle man Konsequenzen aus der verlorenen Ausschreibung ziehen, heißt es dazu aus Zaventem bei Brüssel, der Europazentrale des Unternehmens.

Im Verlauf von mehr als drei Jahren haben Eurofleet, Bandag und deren Servicepartner das europaweite Flottennetzwerk von GE/TIP (Transport International Pool) mit mehr als 35.000 Aufliegern und Anhängern betreut. Nun wurde der Vertrag zur Verlängerung ausgeschrieben – und ein Wettbewerber habe Bandags Angebot unterboten, so der Europäische Marketingdirektor Danny Van Essche auf Anfrage der NEUE REIFENZEITUNG. Unbestätigten Quellen zufolge soll Goodyear dieser Wettbewerber sein, was in Hanau bei der Goodyear Dunlop Tires Germany auch bestätigt wurde. Dass Bandag durch den Auftrag gleich einen Großteil seines Flottenumsatzes in Europa verliert, sei „offensichtlich“, so Danny Van Essche. Mit dem Verlust des GE/TIP-Vertrags, dem mit Abstand größten für Bandag, werde der europäische Flottenumsatz gleich um die Hälfte einbrechen. Parallel dazu habe man allerdings neue Flotten unter Vertrag nehmen können und bestehende Vertragspartner hätten ihre betreuten Flotten erweitert, so dass sich der Umsatzrückgang insgesamt immer noch auf 30 Prozent beläuft, rechnet der Marketingdirektor vor.

Wie bereits in der Vergangenheit, wolle Bandag seine Aktivitäten mit Sicherheit auch für die weitere Zukunft auf das Angebot einer Sicherung des gesamten Reifenmanagements für seine Kunden fokussieren, heißt es weiter in der Pressemitteilung aus der Europazentrale. Dennoch werde das Unternehmen Konsequenzen aus dem GE/TIP-Rückzieher ziehen. Wie Danny Van Essche ankündigt, wolle sich Bandag nun im Flottengeschäft „repositionieren“, was eine Konzentration auf die Märkte Deutschland, Großbritannien und Benelux bedeute. Darüber hinaus wolle sich das Unternehmen künftig mehr auf kleinere Flotten einstellen, die weniger organisatorische und operative Komplexität mit sich bringen, so Van Essche weiter.

Bandag produziert Runderneuerungsmaterialien und -anlagen für sein weltweites Netzwerk von mehr als 900 lizenzierten Händlern, die ihrerseits Reifenrunderneuerungen herstellen und Dienste für das Reifenmanagement anbieten. Das traditionelle Geschäft von Bandag beliefert Endverbraucher über lizenzierte Händler mit einem breiten Spektrum von Produkten und Diensten. Die Bandbreite des Angebots reicht von der Runderneuerung und Reparatur von Reifen bis hin zum Outsourcing von Systemen für das Reifenmanagement von gewerblichen Lkw-Flotten. Die Tire Distribution Systems, Inc. (TDS), eine 100-prozentige Tochtergesellschaft, verkauft und wartet Neureifen und Runderneuerungen. Darüber hinaus hält Bandag 87,5 Prozent der Anteile von Speedco, Inc., einem Anbieter von Schmierungsdiensten für gewerbliche Lkw-Flotten auf den US-Autobahnen.

Bei Goodyear ist man verständlicherweise „einigermaßen stolz“ auf den Vertrag mit einer der größten Lkw-Flotten weltweit. Unter dem Banner GE/TIP laufen derzeit etwa 69.000 Trailer in 20 europäischen Ländern, und der Reifenkonzern wird das Reifenmanagement für die gesamte Flotte übernehmen, so Rupert Kohaupt, Group Manager Sales & Marketing Truck Tires bei Goodyear Dunlop Tires Germany. In Hanau rechnet man derzeit mit einem jährlichen Bedarf von rund 40.000 Einheiten, die als Neureifen (über die Erstausrüstung) bzw. als heißrunderneuerte Konzernmarken Goodyear und Dunlop an GE/TIP gehen. Die runderneuerten Reifen nehmen bei dem Vertrag, der drei Jahre laufen wird, aber den wesentlichen Bestandteil ein. Diese Runderneuerten werden in den Runderneuerungsanlagen in Frankreich und Großbritannien gefertigt.

Für Rupert Kohaupt ist es nicht der Preis, der am Ende den Ausschlag für den Zuschlag gegeben hat. „Man kann das nicht auf den Preis reduzieren, sondern das Gesamtkonzept ist entscheidend.“ Dem neuen Kunden sei insbesondere der Fleet-Online-Solution-Service (FOS) mit der zentralen Fakturierung wichtig gewesen. Das Internet-gestützte System FOS sei „ein wesentlicher Bestandteil“ und solle garantieren, dass alle Lkw-Fahrer in ganz Europa über alle rund 2.000 Truck-Force-Partner den gleichen Service zum gleichen Preis bei einer möglichst kurzen Standzeit erhalten.

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