Wennemer will für Stöcken eine „Lösung finden“

Im Streit um die Schließung der Pkw-Reifenfertigung in Hannover-Stöcken ist Conti-Chef Manfred Wennemer einen Schritt auf die Arbeitnehmerseite zugegangen. „Wir werden mit den Sozialpartnern reden und sehen, welche Möglichkeiten der Einigung es geben könnte“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

„Am Ende des Tages werden wir eine Lösung finden. Ich hoffe, dass – von beiden Seiten – nicht zu viel Porzellan zerschlagen worden ist.“ Über mögliche Wege, den Konflikt zu entschärfen, konnte er nichts sagen, so die Zeitung weiter. „Wir haben nichts in der Schublade.“ In der Sache zeigte sich der Conti-Chef allerdings unnachgiebig. Die Schließung der Pkw-Reifenproduktion werde nicht rückgängig gemacht. Im Konzern gebe es eine klare Regel: „Wenn wir Überkapazitäten haben, werden sie an Hochlohnstandorten abgebaut.“ Und Stöcken sei mit einer Kapazität von 1,5 Millionen Pkw-Reifen der kleinste und teuerste Standort in Europa.

Die Ankündigung der beiden Conti-Gewerkschaften IG Bergbau, Chemie, Energie und IG Metall, alle Betriebsvereinbarungen zu kündigen und künftig keine weiteren Standortsicherungsverträge abzuschließen, bezeichnete der Konzernchef als „Drohgebärden, die nicht realisierbar sind“. Auch rechnet er bei der Aufsichtsratssitzung in der kommenden Woche mit keiner Überraschung. „Die operativen Entscheidungen trifft der Vorstand, so steht es schon in der Satzung. Alles andere sind Nebelkerzen.“ Die Arbeitnehmerseite hatte angekündigt, im Aufsichtsrat die Rücknahme des Vorstandsbeschlusses zu fordern. Der Gewerkschaftsdarstellung, er habe die Vereinbarung in Stöcken widerrechtlich aufgekündigt, widersprach Wennemer. Der Vertrag sehe explizit ein Sonderkündigungsrecht aus wirtschaftlichen Gründen vor. Ende November habe er den Vertrag gekündigt, weil sich der Reifenmarkt schlechter entwickelt habe als angenommen. Wennemer bezeichnete es als „Fehler“, sich überhaupt auf eine Betriebsvereinbarung eingelassen zu haben.

Die Pkw-Reifenfertigung soll Ende 2006 geschlossen werden, 320 Menschen verlieren ihren Job. Im niedersächsischen Landtag ist die Konzernführung gestern kräftig attackiert worden. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff forderte Continental auf, die Pkw-Reifenproduktion in Hannover fortzuführen. „Die Schließung einer profitablen Produktion ist nicht hinzunehmen“, sagte Wulff. SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner warf dem Conti-Chef „ökonomische Skrupellosigkeit“ vor, der Grüne Enno Hagenah rief zum Kundenboykott auf.

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