Rohstoffkosten belasten Automobilindustrie

Die weiter steigenden Rohstoffkosten belasten nach Ansicht des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in zunehmendem Maße die Automobilindustrie. Bis heute – so der VDA – sei der Preis für Aluminium um zehn Prozent gestiegen, der für Kupfer um 15 Prozent und Stahl habe je nach Produktkategorie zwischen 40 und 60 Prozent zugelegt. Zudem seien die Kunststoffpreise im zweistelligen Bereich gestiegen. „Das alles trifft uns geballt in einer Zeit, in der der Inlandsmarkt schwach ist, die Preisüberwälzungsspielräume gering, der Euro stark und der Ölpreis extrem hoch. Das ist ein bitterer Cocktail”, sagte angesichts dessen Prof. Dr. Bernd Gottschalk, Präsident des VDA und Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), anlässlich der BDI-Podiumsdiskussion „Rohstoffprobleme in der Wertschöpfungskette” in Berlin.

„Wir haben im vergangenen Jahr eine regelrechte Kaskade von Kostensteigerungen bei Stahl, Kunststoffen, Aluminium, Rhodium oder Kupfer erlebt, vom Verarbeiter auf den allerersten Stufen unserer Wertschöpfungskette bis hin zum Fahrzeughersteller. Auch 2005 können wir weder bei der mengenmäßigen Versorgung noch bei der preislichen Materialverteuerung Entwarnung geben. Die Gefahr, dass die Kette reißt, ist immer noch groß. Ich bin aber froh, dass es – anders als in Japan – bei uns bisher keinen Produktionsausfall gab”, so Gottschalk weiter. Die Entwicklung 2004/2005 auf der Preisseite hätte nichts mehr mit normaler Zyklik oder „business as usual” zu tun.

Dass die Kette bislang gehalten hat, liege auch an der Art des Umgangs miteinander: „Hier trifft der oftmals strapazierte Begriff der ‚Partnerschaft‘ unter dem gemeinsamen Dach zu.” Aber mit Romantik lasse sich das nicht lösen, und ein Patentrezept oder gar Beschwörungsformeln gebe es ebenso wenig: „Wir haben es bisher geschafft – und dazu hat der VDA maßgeblich beigetragen –, dass Hersteller und Zulieferer mehr als in anderen Ländern gemeinsame Lösungen suchen. Das geht nicht ohne Geben und Nehmen, ohne Konzessionen von beiden Seiten. Painsharing ist angesagt”, meinte Gottschalk. Die Fahrzeughersteller hätten sich bereit erklärt, Teile der wirtschaftlichen Folgen zu schultern und auch dort, wo der Markt das zulasse, an ihre Endkunden weiterzugeben. Die Zulieferer andererseits wüssten, dass es kein einfaches „Durchreichen” der Mehrkosten geben könne und dass zur fairen Teilung der Lasten auch Kostentransparenz gehöre.

„Ich hoffe, dass wir auf der Basis dieses gemeinsamen Grundverständnisses die weiter angespannte Lage auch im Jahr 2005 durchstehen werden. Das wird alles andere als ein Spaziergang. Wir müssen davon ausgehen, dass wir kurzfristig weiter mit hohen Belastungen zu kämpfen haben. Aber wir können das packen”, gab sich Gottschalk zuversichtlich. Dazu gehöre aber vor allem Berechenbarkeit in der Lieferkette. Hier müsse sich auch jeder auf der Rohstoffseite für das Gesamtsystem Automobil verantwortlich fühlen. „Eines kann sich Deutschland nicht leisten: Dass dieser Kernbereich unserer Volkswirtschaft nachhaltig Schaden nimmt! Die automobile Lieferkette beginnt nicht beim Lieferanten. Sie beginnt beim Bergbau, bei der Stahlindustrie, bei der Mineralölindustrie, bei der Chemie”, sagte der VDA-Präsident, der darüber hinaus außerdem auf das Thema Recycling einging.

Die deutsche Autoindustrie habe nicht erst den jetzigen Kostenschub gebraucht, um ihre Materialkreisläufe zu schließen, und Materialeffizienz habe nicht erst mit der Altautogesetzgebung Einzug gehalten. Im Produktionsprozess würden schon heute 100 Prozent des anfallenden Schrotts der Wiederverwendung zugeführt – 80 Prozent aller anderen anfallenden Materialien werden demzufolge recycelt. „Mehr als 100 Prozent geht nicht, weitere Entlastungspotenziale über Recycling bestehen nicht”, gab Gottschalk zu bedenken. „Berechenbarkeit ist mein Kernanliegen an alle. Wenn wir den Industriestandort Deutschland auf Dauer verlässlich und zu wettbewerbsfähigen Preisen mit Rohstoffen versorgen wollen – und daran führt kein Weg vorbei –, dann ist kein Platz für eine Politik nach dem Motto ‚Verteuerung ist die beste Energiepolitik’, oder ‚Die Rohstoffpreise müssten aus ökologischen Gründen eigentlich noch höher sein‘, oder ‚Wenn der Markt für steigende Preise sorgt, ist das in Ordnung, wenn nicht, dann muss der Fiskus dafür sorgen‘“, lautete seine Botschaft in Richtung der Politik.

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