Stunde der Wahrheit für Goodyear steht bevor

Nachdem Moodys’ Investors letzte Woche das Rating für Goodyear noch einmal gesenkt hat, ist die Luft auch auf mittlere Sicht nochmals dünner geworden. Wie zu hören war, scheint es CEO Keegan dennoch zu gelingen, die Banken vom vorgelegten Restrukturierungsplan überzeugen zu können. Es gibt nun “nur” noch Bedenken von zwei, drei Banken, die aber überwunden werden sollten. Der Konzern muss sein Jahresergebnis 2002 nun in der nächsten Woche vorlegen. Wegen des hohen Abschreibungsbedarfs im Zuge der Restrukturierung wird mit einem auszuweisenden Verlust von mehr als einer Milliarde US-Dollar gerechnet. Goodyear hat vergangene Woche bereits Abschreibungen für die Bilanz in Höhe von 1,1Milliarden US-Dollar angekündigt, weil der eine Unterdeckung von etwa 1,5 bn US-Dollar ausweisende Pension Fund die Bilanz direkt belastet. Ohnehin zeigte die Bilanz bereits ein negatives Eigenkapital von 1,7 Milliarden US-Dollar bei einem nach den ersten neun Monaten 2002 ausgewiesenen Eigenkapital von rund 2,9 Milliarden US-Dollar. Man darf nun gespannt darauf sein, welchen Verlust der Konzern letztlich melden wird. Dass er das letzte Jahr auch ohne besonderen Rückstellungsbedarf mit Verlust abgeschlossen hätte, ist weniger die Frage als die Höhe des tatsächlichen Verlustes. Somit dürfte das auszuweisende Eigenkapital des Konzerns jetzt möglicherweise nur noch 300 bis 400 Millionen US-Dollar betragen. Da darf nicht mehr viel geschehen und nichts mehr schief laufen. Wenn es Keegan diese Woche nun gelingen sollte, die Banken insgesamt auf seine Seite zu ziehen, dürfte der Konzern 1 ½ bis 2 Jahre Zeit gewonnen haben, seine Probleme zu lösen. Vorrangigste Aufgabe bleibt dabei, einen möglichst hohen Cash Flow zu erwirtschaften, damit der Konzern vom Mühlstein Pension Fund nicht erwürgt wird. Noch spannender wird aber sein, welches Restrukturierungsprogramm Keegan verkünden wird. Dass es um etwas wie um “Blut, Schweiß und Tränen” gehen muss, ist ohnehin klar. Dem Vernehmen nach sollen einige Fabriken, vorrangig in Nordamerika, zur Schließung auserkoren sein sowie auch eine weitere in Europa. Weder Mitarbeiter noch Gewerkschaften haben viele Möglichkeiten, Keegan dann in den Arm zu fallen, weil es zu radikalen Einschnitten einfach keine Alternative mehr gibt. Jedenfalls, sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, kann die Goodyear-Belegschaft einstweilen aufatmen.

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