27. Uniroyal-Verkehrsuntersuchung

Belastete Beziehungen Die Beziehung zwischen Pkw- und Lkw-Fahrern ist belastet, und viele Autofahrer haben Angst vor den schweren Lastzügen – nicht nur bei Nebel oder Glätte. Gleichzeitig verhindern Vorurteile auf beiden Seiten ein besseres Verständnis. So lautet ein Fazit der 27. Uniroyal-Verkehrsuntersuchung, die sich unter dem Titel “Lkw im Straßenverkehr” mit den Beziehungen zwischen den Fahrern von Brummis und Pkw befasst. Neben der Bestätigung von Alltagserfahrungen, die nahezu jedem Verkehrsteilnehmer vertraut sind, liefert die neue Studie auch eine Reihe differenzierter und neuer Erkenntnisse. Die Untersuchungsergebnisse wurden in 30 Thesen zusammengefasst. Im Verkehrsgeschehen haben sich die objektiven Bedingungen in den letzten Jahren erheblich verändert, wie die Autoren der Studie, Dr. Dieter Ellinghaus und Prof. Dr. Jürgen Steinbrecher, betonen: Nicht nur ist der Bestand an schweren Lkw und Zügen gewachsen – in den letzten 30 Jahren um den Faktor 2,5 -, gleichzeitig stieg auch die Jahresfahrleistung um mehr als 40 %, während das Straßennetz nur um rund 42 % wuchs. Zudem stieg der Anteil ausländischer Lkw in Deutschland auf 20 %. Die Zahl der inländischen und ausländischen Lkw und Lieferwagen wird in Zukunft sogar noch wachsen: “Insgesamt rechnet man in Deutschland bis 2015 mit einem Anstieg des Personenverkehrs um 20 % und einem Wachstum des Güterverkehrs um 50 %”, heißt es in der Verkehrsuntersuchung. Als reichten die Probleme zwischen Lkw-Fahrern und Pkw-Fahrern nicht aus, hat sich in der Zwischenzeit eine weitere Gruppe von Güterfahrzeugen in die eh schon gespannten Beziehungen zwischen Brummis und Pkw-Fahrern eingeführt: die Lieferwagen und leichten Lkw bis 3,5 t. Sie tragen erheblich zum Unfallgeschehen auf deutschen Straßen bei, wie die Studie belegt. Andererseits gelten sie wegen ihrer oft rücksichtslos und willkürlich erscheinenden Halt- und Parkgewohnheiten in den Städten bei den Pkw-Fahrern als besonderes Ärgernis und als gefährliches Verkehrshindernis. ”In der zweiten Reihe zu parken”, so die Autoren der Uniroyal-Studie, “ist faktisch zur Regel geworden, mit allen negativen Konsequenzen insbesondere für den Verkehrsfluss.” Es herrsche verbreitet die Meinung unter den übrigen Verkehrsteilnehmern, dass sich “die Fahrer von Lieferwagen nur wenig Mühe geben, einen regulären Parkplatz zu finden”, und sie verhielten sich, “als hätten sie Sonderrechte”. Autofahrer sehen zudem im Fahrstil der Lieferwagenfahrer oft eine Bedrohung. Mit viel Sympathie gehen Ellinghaus und Steinbrecher auf die Situation der Berufskraftfahrer ein, die mit ihren Fahrzeugen jährliche Fahrleistungen von teilweise deutlich über 80.000 km erbringen. Viele von ihnen bekannten in den Gesprächen mit den Autoren der Studie, oft müde und verspannt zu sein, unter Termindruck zu stehen und auch schon mal beinahe am Steuer eingeschlafen zu sein. Jeder Dritte nimmt hin und wieder Aufputschmittel, wenn Kaffee als Wachmacher nicht ausreicht. Gefährdet sind die Lkw-Fahrer allerdings auch durch immer risikoreichere Fahrweise: Zwar ist das Geschwindigkeitsniveau nicht übermäßig angewachsen, aber die weitaus meisten halten die notwendigen Abstände in den “Brummi-Kolonnen” und zu anderen Verkehrsteilnehmern nicht ein. Davon wiederum fühlen sich die Pkw-Fahrer bedroht, die durch das Abstandsverhalten der Lkw-Fahrer Schwierigkeiten beim Einscheren und beim Verlassen der Autobahn haben. Hauptprobleme der Pkw-Fahrer sind das plötzliche Ausscheren für Überholmanöver und vor allem die so genannten und längst verbotenen “Elefanten-Rennen” von zwei fast gleich schnellen Lkw. Ein mögliches generelles Überholverbot für Lastwagen finden Pkw-Fahrer entsprechend positiv, Lkw-Fahrer negativ. Die Uniroyal-Verkehrsuntersuchung belegt allerdings, dass Lkw-Fahrer die Zeitverluste und Pkw-Fahrer die Zeitgewinne überschätzen. Andererseits könnte sich ein gleichmäßigerer Verkehrsablauf einstellen, was das Verhältnis zwischen Pkw und kleinen und großen Brummis und damit die Gesamtsituation auf der Autobahn sicher positiv beeinflussen würde, wie die Autoren schreiben.

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