Profitiert Continental vom Michelin-Verzicht bei GM-Europa?

Gaetan Toulemonde, Analyst der Deutschen Bank in Frankreich, stellt sich selbst die Frage, warum Continental an etwas interessiert sein könnte, das für Michelin als unattraktiv und margenschwach bezeichnet wird. Er spekuliert, der deutsche Reifenhersteller werde möglicherweise diese Reifen aus dem rumänischen Werk in Timisoara liefern, wo die Lohnkosten um ein Vielfaches (10 x ) niedriger lägen als in Westeuropa. Und immerhin, die Lohnkosten machen 15 Prozent der Gesamtkosten aus. Mit diesem Zahlenbeispiel errechnet sich der Analyst einen möglichen zehnprozentigen Preisvorteil für Continental und er spekuliert weiterhin, dass Continental sich auf die Billigschiene konzentriere, während Michelin gerade mit aller Kraft eine Verbesserung des Produktmix ansteuert und als Lieferant von Hochleistungsreifen reüssieren stärker möchte. Ob diese Vermutungen richtig sind, wird sich noch zeigen müssen. Es dürfte eher der Fall sein, dass Continental durch den starken Ausbau der Produktionskapazitäten in Zentraleuropa sowie in Rumänien auf hohe Volumina angewiesen bleibt und von eher bereit ist, auch Erstausrüstungsgeschäfte mit schwachen Margen anzunehmen als Wettbewerber Michelin. Es kommt hinzu, dass die Deutschen in Europa längst nicht die Marktposition mit ihrer Führungsmarke Continental in der Erstausrüstung erreicht haben, die ihnen eine Absicherung sowie weiteren Ausbau der Positionen in diversen Kernmärkten, so u.a. Italien und selbstverständlich Frankreich, ermöglichen kann. Es spricht wenig dafür, dass die im MMP-Verfahren, und in diesem Verfahren produziert das rumänische Werk hergestellten Reifen eine große Rolle in der Erstausrüstung spielen können oder sollen. MMP-Reifen sind als Ersatzmarktreifen konzipiert, wenngleich Techniker von Continental behaupten, die Qualität der MMP-Reifen entspreche in allen Belangen den Anforderungen der Erstausrüstung. Ebenso ist mit der Akquisiton eines Erstausrüstungsauftrages wie im vorliegenden Fall nicht verbunden, dass sich Continental zunehmend auf das untere Ende der Reifensegmente konzentrieren werde. Das wäre eine sehr gefährliche Strategie, die irgendwann zum Untergang und zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führen würde. Ganz im Gegenteil: Auch Continental wird über kurz oder lang auf unauskömmliche Erstausrüstungsaufträge bei Volumenherstellern wie Volkswagen und anderen jedenfalls teilweise verzichten und sich auf die Produktion technisch höchst anspruchsvoller Reifen konzentrieren. So wie heute bestimmte Michelin-Reifen durch Continental-Reifen im unteren Segment ersetzt werden, werden in den kommenden Jahren Continental-Reifen möglicherweise durch Hankook-Reifen im unteren Segment ersetzt werden bei Volkswagen. Wesentlich bei der Gesamtbetrachtung dürfte sein, dass Michelin aus einer Position der Stärke bereits jetzt in der Lage ist, nicht mehr jeden Erstausrüstungsauftrag annehmen zu müssen und dabei dennoch in exzellentem Kontakt mit den Automobilherstellern bleiben kann.

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