Kommentar zur Tire Cologne: Eine Frage der Wahrnehmung
Behalten wir die diesjährige Tire Cologne denn nun als Erfolg in Erinnerung? Die Antwort, so klar es geht: Es kommt darauf an… Dass in diesem Jahr mit 385 Ausstellern deutlich weniger Unternehmen eine Messepräsenz in Köln als unerlässliche Investition sahen – 2024 waren es noch rund 430 –, spricht wohl für sich. Allerdings ist es sicher nicht statthaft, aus einem erwarteten Minus bei den Ausstellerzahlen gleich einen Misserfolg zu kreieren; die ursprüngliche Prognose hatte bei 350 Ausstellern gelegen.
Schlussendlich steht der Markt und damit die Marktteilnehmer unter großem wirtschaftlichen Druck, Reaktionen auf diese Situation scheinen vielfach unausweichlich. Das bewiesen einmal mehr viele der etablierten Reifenhersteller, die augenscheinlich meinten, man könne auch ohne teuren Messestand seinen Stand im Markt wahren. Insofern möchte man meinen: Immerhin waren 385 Aussteller vor Ort.
In zahllosen Gesprächen, die unsere Redaktion vor Ort auf der Messe führen konnte, wurde moniert, es seien zu viele Aussteller aus China da. So listet das Ausstellerverzeichnis der Tire Cologne immerhin 81 Unternehmen auf, die die Bezeichnungen Qingdao, Shandong und Ningbo in ihren Firmierungen tragen. Ist es schlimm, das folglich rund ein Viertel der Aussteller aus China kommt und sich in der Hoffnung auf Wachstum um Kunden bemüht? Wenn man Reifenhändler aus Deutschland ist, fehlt einem vermutlich meist der Bezug zu solchen Ausstellern, auch wenn Anbieter im Budgetsegment vielfach den Trend auf ihrer Seite haben.
Klarmachen muss man sich dabei aber: Die Messe in Köln nennt sich „Tire“, nicht „Reifen“. Die Koelnmesse veranstaltet seit ihrer Premiere 2018 bewusst eine internationale Reifenmesse, das war dieses Jahr bei den Ausstellern, das war aber auch bei den Besuchern unmöglich zu übersehen. Nach 14.400 Besuchern aus 109 Ländern 2024 waren es nun 14.600 Besucher aus 110 Ländern. Bei all den Krisen und Kriegen weltweit ist das sicher ein Erfolg, den die Tire Cologne feiern kann: Menschen reisen weit, um in Köln dabei zu sein.

Erstmals hat die Tire Cologne Aussteller unter dem Label „Walk of Services“ in den drei Messehallen zusammengefasst, was erklärungsbedürftig war, aber durchaus in die richtige Richtung weist, werden Erträge im Reifenhandel doch heute vielfach mit Dienstleistungen erwirtschaftet (Bild: NRZ/Arno Borchers)
Dass einmal mehr, wie bereits erwähnt, viele der großen Weltmarktführer nicht mit eigenen Messeständen auf der Tire Cologne dabei waren – Continental bildete hier die Ausnahme –, illustriert im Übrigen den Wandel im Messegeschäft: Kosten- und Budgetdruck angesichts großer konjunktureller Unsicherheiten sorgt dafür, dass der Messestand als Image-Luxus unattraktiv wird. Zumal man mit den umsatzstärksten Schlüsselkunden eh im permanenten Kontakt ist.
Außerdem sind die Marken dieser Hersteller ja auch ohne eigene Stände omnipräsent auf der Messe vertreten: über Großhändler und Plattformbetreiber. Solche Anbieter stehen bekanntlich zunehmend im Fokus der immer öfter rein digital kaufenden Kunden aus dem Reifenhandel. Kunden, die zumeist gar keinen eigenen Ansprechpartner mehr bei ihren Lieblingsherstellern haben, den man auf einer Messe zum Plausch treffen könnte – oder wollte. Ja, das Geschäft wird von Menschen gemacht, heißt es gerne. Aber Menschen machen das Geschäft eben auch gerne ohne andere Menschen.
Die etablierten Hersteller mit großer Marktdurchdringung sparen sich insofern eine Messepräsenz in dem Wissen, dass sich damit ihr Geschäft nicht automatisch verschlechtert, und überlassen die hohen Messekosten lieber den zunehmend favorisierten Bezugsquellen des breiten Handels. Dass sich insofern die Tire Cologne in ihrem Wesen und ihrer Wahrnehmung verändert, sollten wir als Spiegel unseres eigenen Handelns verstehen und nicht als bewussten Versuch der Messemacher, uns das positive Messeerleben zu trüben.
Und dann ist da noch der sogenannte „Walk of Services“. Auch wenn es für Messebesucher nicht ganz ersichtlich war, womit sich viele Aussteller – 147 an der Zahl – nun einen entsprechenden Aufkleber im Eingangsbereich ihrer Stände genau verdient hatten, außer vielleicht, dass sie irgendetwas mit Dienstleistungen im Umfeld der Produkte Reifen und Räder zu tun haben, scheint die Servicebetonung absolut wichtig. Insbesondere, weil ein zunehmender Anteil der Erträge im Reifenhandel eben aus der Dienstleistung stammt und nicht aus dem Produkt. Hier den Fokus zu setzen, und wenn es auch nur plakativ ist, scheint eine Initiative der Koelnmesse zu sein, die in die richtige Richtung weist und durchaus ausbaufähig ist.


Mit den Höchsten Erwartung, sollen doch 100 Aussteller mehr sein. Habe mir sogar für alle drei Tage frei genommen…..
Da war ja noch weniger als beim letzten Mal, und das war schon enttäuschend.
Ja doch es waren mehr Chines an Board, aber das bringt mich als Einzelhändler überhaupt nicht weiter.
Nicht mal alle RDKS-Anbieter waren da……
Entäuschend!!!