Winterreifenpflicht 2026: Alpine-Symbol, Profiltiefe und Reifenalter – der Check vor dem Reifenwechsel
Der November ist da, und mit ihm die ersten glatten Morgen. In den Werkstätten beginnt die Hochsaison für den Reifenwechsel. Viele Autofahrer holen jetzt ihre Winterräder aus dem Keller und lassen sie montieren. Doch nicht jeder Reifen, der nach Winter aussieht, gilt auch rechtlich als Winterreifen. Und nicht jeder erlaubte Reifen hat noch genug Grip für Schnee und Matsch. Wer vor dem Wechsel drei Dinge prüft, ist auf der sicheren Seite: das Alpine-Symbol, die Profiltiefe und das Reifenalter.
In diesem Beitrag erfahren Sie:
- was die Winterreifenpflicht in Deutschland genau verlangt,
- warum die Kennzeichnung M+S allein nicht mehr reicht,
- wie viel Profil ein Winterreifen wirklich braucht,
- wie Sie das Alter eines Reifens in Sekunden ablesen,
- und wie Sie Ihren Termin zum Reifenwechsel gut vorbereiten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Winterreifenpflicht hängt vom Wetter ab, nicht vom Datum.
- Seit dem 1. Oktober 2024 zählt nur noch das Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke). M+S allein reicht nicht mehr.
- Gesetzlich sind 1,6 mm Profil vorgeschrieben. Für den Winter empfehlen Fachleute mindestens 4 mm.
- Das Alter steht im DOT-Code: „4521“ heißt 45. Woche 2021.
- Wer bei Glätte ohne passende Reifen fährt, zahlt ab 60 Euro und einen Punkt.
Was die Winterreifenpflicht in Deutschland regelt
In Deutschland gibt es keine Pflicht nach Kalender. Die Regel ist situativ. Sie steht in § 2 Abs. 3a der Straßenverkehrs-Ordnung.
Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte dürfen Sie nur mit geeigneten Reifen fahren. Was geeignet ist, regelt § 36 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Und es gilt für alle vier Räder. Zwei Winterreifen auf der Antriebsachse reichen beim Pkw nicht.
Die bekannte Faustregel „von O bis O“, also von Oktober bis Ostern, ist eine gute Orientierung. Ein Gesetz ist sie nicht. Entscheidend ist allein der Zustand der Straße.
Auch Ganzjahresreifen sind erlaubt – aber nur, wenn sie das Alpine-Symbol tragen.
Schritt 1: Alpine-Symbol statt M+S
Lange Zeit reichte die Kennzeichnung M+S (Matsch und Schnee). Das Problem: Für M+S gab es keinen einheitlichen Test. Jeder Hersteller konnte sie aufdrucken.
Das Alpine-Symbol ist anders. Es zeigt einen Berg mit drei Spitzen und einer Schneeflocke. Reifen mit diesem Zeichen müssen in einem genormten Test auf Schnee eine Mindestleistung erreichen.
Für ältere M+S-Reifen gab es eine Übergangsfrist. Reifen, die vor dem 1. Januar 2018 hergestellt wurden, durften bis zum 30. September 2024 als Winterreifen gefahren werden. Diese Frist ist abgelaufen.
Was heißt das konkret? Ein Reifen nur mit M+S ist nicht verboten. Sie dürfen ihn bei trockenem Wetter weiter fahren. Bei Schnee, Eis oder Matsch gilt er aber nicht mehr als Winterreifen.
So prüfen Sie es: Das Symbol steht auf der Flanke, meist in der Nähe der Größenangabe. Schauen Sie bei allen vier Reifen nach. Nach Reifenschäden wird manchmal einzeln nachgekauft, und dann passen die Reifen nicht mehr zusammen.
Schritt 2: Die Profiltiefe
Gesetzlich vorgeschrieben sind in Deutschland 1,6 Millimeter. Das gilt für Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen gleichermaßen.
Für den Winter ist das aber knapp. Ein Winterreifen arbeitet mit vielen feinen Einschnitten, den Lamellen. Sie verzahnen sich mit dem Schnee und geben Halt. Je flacher das Profil, desto weniger können die Lamellen arbeiten. Fachleute empfehlen deshalb mindestens 4 Millimeter.
So messen Sie richtig:
- Am besten mit einem Profiltiefenmesser. Er kostet wenige Euro.
- Messen Sie in den Hauptrillen und an mehreren Stellen rund um den Reifen.
- Achten Sie auf die Abriebanzeiger in den Rillen. Sie markieren die 1,6-mm-Grenze.
- Ist ein Reifen innen oder außen deutlich stärker abgefahren als in der Mitte, kann die Spur verstellt sein. Das sollte eine Werkstatt prüfen.
Tipp für Reisende: In Österreich gelten Winterreifen bei Pkw nur mit mindestens 4 mm Profil als Winterreifen. Wer in den Skiurlaub fährt, sollte das vorher prüfen.
Schritt 3: Das Reifenalter am DOT-Code

Der Winterreifen-Check: drei Punkte, die Sie vor dem Wechsel selbst prüfen können.
Auch ein Reifen mit gutem Profil kann zu alt sein. Gummi verliert mit den Jahren an Elastizität. Er wird härter – und ein harter Reifen greift auf kalter, glatter Straße schlechter.
Das Herstellungsdatum steht auf der Flanke, hinter den Buchstaben DOT. Wichtig sind die letzten vier Ziffern. Die ersten beiden nennen die Woche, die letzten beiden das Jahr. „4521“ bedeutet also: hergestellt in der 45. Woche des Jahres 2021.
Ein gesetzliches Höchstalter für Pkw-Reifen gibt es nicht. Viele Fachleute raten aber, Reifen ab etwa sechs Jahren besonders genau anzusehen. Achten Sie auf feine Risse an der Flanke und zwischen den Profilblöcken. Sie sind ein klares Zeichen für gealtertes Gummi.
Was ohne passende Reifen droht
Wer bei winterlichen Verhältnissen ohne geeignete Reifen fährt, muss mit diesen Regelsätzen rechnen:
- 60 Euro und 1 Punkt im Grundfall,
- 80 Euro und 1 Punkt, wenn andere behindert werden,
- 100 Euro und 1 Punkt bei Gefährdung,
- 120 Euro und 1 Punkt bei einem Unfall.
Auch der Halter kann belangt werden, wenn er die Fahrt anordnet oder zulässt. Hier sind es 75 Euro und 1 Punkt.
Teurer als das Bußgeld kann ein Unfall werden. Je nach Fall kann die Versicherung eine Mitschuld annehmen oder Leistungen kürzen.
Der richtige Zeitpunkt für den Wechsel
Weil die Pflicht am Wetter hängt, lohnt sich ein früher Wechsel. Als grobe Orientierung gilt: Fallen die Temperaturen dauerhaft unter etwa 7 Grad, spielt ein Winterreifen seine Stärken aus. Seine Gummimischung bleibt auch in der Kälte weich.
Gerade im Raum Berlin und Brandenburg kommt Glätte oft überraschend. Auf Brücken und auf Landstraßen zwischen Feldern und Wäldern bildet sich Reifglätte schon dann, wenn die Stadt noch frostfrei wirkt. Wer täglich pendelt, sollte deshalb nicht bis zum ersten Schnee warten. Dann sind auch die Termine in den Werkstätten knapp.
Räderwechsel oder Reifenmontage?
Beim Termin gibt es zwei Varianten. Beim Räderwechsel sind die Winterreifen schon auf eigenen Felgen. Die kompletten Räder werden nur getauscht. Das geht schnell und ist günstig.
Bei der Reifenmontage werden die Reifen von den Felgen gezogen und neue Reifen aufgezogen. Danach werden die Räder ausgewuchtet. Das dauert länger, ist aber nötig, wenn Sie nur einen Satz Felgen haben oder neue Reifen gekauft haben.
Wer seinen Reifenwechsel in Berlin und Brandenburg *) plant, kann vorab sehen, welche Variante zum eigenen Auto passt und was sie kostet.
So bereiten Sie Ihren Termin vor
Eine kurze Vorbereitung spart Zeit und Ärger in der Werkstatt:
- Räder vorher ansehen: Alpine-Symbol, Profil und DOT-Code prüfen. Dann wissen Sie, ob neue Reifen nötig sind.
- Reifengröße notieren: Sie steht auf der Flanke, zum Beispiel „205/55 R16“.
- Felgenschloss nicht vergessen: Hat Ihr Auto Diebstahlsicherungen an den Rädern, bringen Sie den passenden Adapter mit.
- Reifendruck-Kontrolle beachten: Bei Autos mit Sensoren in den Rädern sollten Sie sagen, ob auch Ihre Winterräder Sensoren haben.
- Nach der Fahrt nachziehen: Viele Werkstätten empfehlen, die Radschrauben nach etwa 50 bis 100 Kilometern nachziehen zu lassen.
Häufige Fragen
Darf ich meine alten M+S-Reifen noch fahren?
Ja, aber nur, wenn keine winterlichen Verhältnisse herrschen. Bei Schnee, Eis oder Matsch gelten sie seit Oktober 2024 nicht mehr als Winterreifen.
Reichen Ganzjahresreifen für den Winter?
Rechtlich ja, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Bei viel Schnee und Eis haben reine Winterreifen meist mehr Reserven. Für Fahrer, die vor allem in der Stadt unterwegs sind, können Ganzjahresreifen ein guter Kompromiss sein.
Muss ich Winterreifen ab einem bestimmten Datum aufziehen?
Nein. In Deutschland zählt der Zustand der Straße, nicht der Kalender. Wer bei Glätte fährt, braucht passende Reifen – egal ob im Oktober oder im April.
Fazit: Drei Blicke, die sich lohnen
Die Winterreifenpflicht ist einfacher, als viele denken. Entscheidend sind drei Punkte: das Alpine-Symbol, genug Profil und ein Reifen, der nicht zu alt ist.
Wer diese drei Punkte vor dem Wechsel prüft, fährt sicherer, vermeidet Bußgelder und weiß, ob neue Reifen nötig sind. Und wer früh einen Termin macht, steht beim ersten Frost nicht in der Warteschlange.
Über den Autor: Auto Bär ist ein Reifenservice in Oranienburg-Germendorf, nördlich von Berlin. Der Betrieb bietet Räderwechsel, Auswuchten und Reifenmontage für Pkw an.
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